Parkplatz am Passionstheater
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Mehr Autos können künftig auf dem Parkplatz am Passionstheater abgestellt werden. Die Fahrer müssen dafür aber zahlen.

Gemeinde erhofft sich positive Effekte

Reisebusse raus, Automaten rein: Neues Parkraumkonzept für Oberammergau steht - Gebühren noch offen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Der Testlauf kann starten: Der Gemeinderat hat das neue Parkraumkonzept für Oberammergau befürwortet. Dazu gehört ein Zonen-System für Pkw.

Oberammergau – Der motorisierte Verkehr nimmt zu. Die Zahlen der Ausflügler ebenso. Beides in Verbindung – ein Problem. Ein großes Problem. Seit Jahren ächzen die Orte im Landkreis unter dem Ansturm und den fehlenden Parkplätzen. Autos pressen sich in die letzten noch freien Lücken. Ob sie das dürfen oder nicht. Viele Gemeinden, ob Garmisch-Partenkirchen, Riegsee oder Ohlstadt, haben reagiert, schafften weitere Stellflächen oder verlangen höhere Gebühren. Jetzt zieht Oberammergau nach – mit einem umfassenden Parkraumkonzept. Der Gemeinderat hat mit seinem einstimmigen Beschluss den Weg dafür geebnet.

Aus der Theorie soll schnell Praxis werden. Zügig will die Kommune heuer das kostenneutrale Konzept in die Tat umsetzen. Vorerst als Testlauf für dieses Jahr. Im ersten Quartal 2022 kommt das Thema wieder im Gremium auf den Tisch, um Bilanz zu ziehen. „Wir werden aus den Erfahrungen lernen“ – und gegebenenfalls nachjustieren, sagte Bürgermeister Andreas Rödl (CSU). „Wenn sich zeigt, dass es so nix ist, dann können wir zum Status Quo zurückkehren.“

Viele positive Effekte erhofft sich die Gemeinde durch ihr Handeln. Eine höhere Lebensqualität im Ort zum Beispiel. Denn für Einheimische soll es mehr freie Parkplätze im Zentrum geben, dafür aber der Suchverkehr schwinden. „Dann kommen auch die Touristen gerne wieder“, sagte Bauamtsmitarbeiter Thomas Pfefferle, der das Vorhaben federführend betreut und entworfen hat. Um diese Ziele zu erreichen, stehen zahlreiche Neuerungen an.

Reisebus

Das Prinzip lautet: raus mit den Reisebussen aus dem Zentrum. Dafür entsteht eine markierte Ein- und Ausstiegszone an den sechs großen vorhandenen Bus-Parkplätzen an der Eugen-Papst-Straße. Dort dürfen die Fahrzeuge für eine kurze Zeit halten und die Gäste verabschieden oder empfangen. Wie bei einem Betriebsausflug, meinte Pfefferle. Der Fahrer kann in der Zwischenzeit den Festparkplatz ansteuern und den Bus gegen Gebühr dort stehen lassen. Die willkommenen Nebeneffekte: Man bräuchte am Ammergauer Haus keine neuen Haltestellen zu errichten, Stellplätze für Pkw entstehen an der Eugen-Papst-Straße, und die Busparkplätze am Passionstheater fallen weg.

Wie viel die Busse bezahlen sollen, ist noch unklar. Die Gebühren zurrt der Gemeinderat demnächst fest. Pfefferle hat sich aber schon mal schlaugemacht über die Preise aus Orten in der näheren Umgebung und in anderen touristischen Destinationen Bayerns. In Bad Kohlgrub, an der Guggenberg Alm, zum Beispiel kosten vier Stunden fünf Euro, ein Tag zehn Euro. In Rothenburg ob der Tauber fallen pro Stunde 2,20 Euro an, in Titisee-Neustadt werden pro Bus 20 Euro abgerechnet.

Pkw

Beim Pkw-Verkehr ist ein modulares Vorgehen angedacht. Schritt für Schritt also. Als Erstes geht’s darum, Parkgebühren zu erheben – mithilfe von sechs Automaten. Und zwar nach dem Modell des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) mit einem Zonen-System. Heißt für den Verkehrsteilnehmer: Um so näher er sein Auto am Zentrum abstellt, umso mehr muss er zahlen. Klingt schlüssig, nur gibt es ein Problem, auf das Pfefferle hinwies: „Wo ist bei uns das Zentrum, wo hört es auf?“ Seine Antwort: Die gesamte 20er-Zone fällt darunter. Für diesen Bereich legt die Gemeinde die gleiche Parkdauer fest.

Wie bisher darf man maximal für zwei Stunden seinen Wagen abstellen, außerhalb der Zone auch länger. An den Automaten im Zentrum erlaubt die Semmeltaste, eine halbe Stunde kostenfrei zu parken. Also 18 Minuten länger als bisher. Um einheitliche Regeln einzuführen, kommt dort, wo keines der Geräte steht, die Parkscheibe für den Zeitraum zum Einsatz. Der Einkauf beim Bäcker, Metzger oder in sonst einem Laden ist so möglich. Die Einheimischen müssen nicht zu den Supermärkten an der „LOK“ ausweichen, meinte Pfefferle. „Wir kommen ihnen dadurch entgegen.“ Der Vorteil, den der Bauamtsmitarbeiter dabei sieht: „Wir schaffen eine bessere Fluktuation auf den Parkplätzen.“ Die neuen freien Plätze am Passionstheater und an der Eugen-Papst-Straße, die bislang Bussen vorbehalten waren, können gegen Gebühr in Anspruch genommen werden. Kostenlos bleiben das Areal am Sportplatz, der Festparkplatz sowie die Flächen am Bahnhof (ehemaliger Taxi-Stand) beziehungsweise zwischen Bahnhof und Oberlandstraße.

Die Gemeinde lenkt den Verkehr also übers Geld. „Das geht nur mit Preisen“, betonte der Rathauschef. Wie bei den Bussen beratschlagt das Gremium erst noch über die konkreten Gebühren. Doch Pfefferle will schon online die Besucherströme lenken, Karten und Informationen auf der Webseite anbieten. „Da sind wir im gesamten Landkreis nicht gut aufgestellt“, sagte er. Sein Musterbeispiel: Lindau am Bodensee.

Wohnmobil

Die Corona-Pandemie hat den Trend verstärkt. Immer mehr Menschen reisen mit Wohnmobilen. „Die werden kommen, wir müssen was anbieten“, verdeutlichte Pfefferle. Wie die Gemeinde mit ihnen umgehen möchte, auch dazu soll es eine spezielle Besprechung geben. Für dieses Jahr bleibt deshalb noch alles beim Alten: Der Festparkplatz dient als kostenlose Stellfläche.

Pendler

Pfefferle hat’s versucht, wollte so exakte Zahlen wie nur möglich ermitteln. Eine schwierige Aufgabe, in Zeiten von Corona, in denen Gastronomie- und Hotelbetriebe während des Lockdowns schließen mussten. Eine Hausnummer konnte er trotzdem liefern: Mindestens 50 Parkplätze an der Eugen-Papst-Straße, an der Passionswiese und am -theater werden täglich von sogenannten Einpendlern genutzt, also von Menschen aus der näheren Umgebung, die mit dem Auto zu ihren Jobs im Ortszentrum anreisen. Würde künftig eine teure Angelegenheit werden – für sie selbst oder den Arbeitgeber. „Ärger ist programmiert“, betonte Pfefferle. Was die Gemeinde verhindern möchte: dass die Betroffenen in Nebenstraßen ausweichen. Deshalb sollen für sie im Speziellen Parkplätze – zum Beispiel an der Tiroler Gasse – und eine Ausnahmegenehmigung für die Jahresgebühr von 90 Euro vorgehalten werden. „Damit“, sagte Pfefferle, „sind wir günstiger als Murnau“. Dort kostet’s 15 Euro monatlich.

Kontrolle

Schwarze Schafe wird es wohl auch künftig geben. Autofahrer, die kostenfreie, aber nicht für sie gedachte Plätze suchen und finden. Doch der Experte im Rathaus kündigt es schon an: „Wir kontrollieren mehr.“ Mit dem Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung steht die Gemeinde bereits im Austausch.

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