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Kein schöner Anblick: der Pürschlingsteg, bekannt als Rialtobrücke. Sie ist seit inzwischen drei Jahren gesperrt. 

Ortsentwicklung in Oberammergau

Rialtobrücke: Bauamt gibt Projekt ab

Der Neubau des Pürschlingstegs wurde schon im vergangenen Jahr beschlossen. Obwohl das Geld da ist, hat sich noch nichts getan. 2019 soll sich das ändern.

Oberammergau – Das Holz verwittert und teilweise vermoost. Auf dem Boden fehlen Planken, dafür klettert Unkraut immer höher. Die Beton-Elemente sind mit Graffitti beschmiert, und an das „Durchgang verboten“-Schild samt Absperrung hat man sich gewöhnt: Zwar steht es um den Pürschlingsteg immer schlechter, gesperrt ist er inzwischen aber schon seit drei Jahren. In dieser Zeit ist die so genannte Rialtobrücke zu einem politschen Spielball geworden. Auf dem Platz ist, wenn man im Bild bleiben will, aber wenig los. Derzeit passiert mit der maroden Ammer-Überführung nichts. Und das nicht etwa mit Absicht, wie Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) beteuert. Vielmehr sei es so, dass das Bauamt eine lange Liste abzuarbeiten hat. Dazu gehört auch die Interessensvertretung der Gemeinde bei einem Rechtsstreit um die Kläranlage. Will heißen: Die Rialtobrücke stand auf der Prioritätenliste nicht weit oben.

Damit der Gemeinderatsbeschluss vom Dezember 2017 umgesetzt werden kann – damals ging mit 13:6 Stimmen der Auftrag an die Gemeinde, den Neubau zu planen –, ist die Verwaltung nun aktiv geworden. Demnach soll das Erstellen der Ausschreibungsunterlagen an ein Ingenieurbüro vergeben werden. Eine Rückmeldung gibt es bereits. „Nun holen wir ein Vergleichsangebot ein“, erklärt Bauamts-Chef Johannes Lang.

Der Zeitplan sieht vor, dass der Auftrag demnächst vergeben wird. Dann könnte die Ausschreibung über den Winter erstellt werden. „Vier bis fünf Monate“ dauert es Lang zufolge, ein solches Leistungspaket zusammenzustellen. 2019 soll dann im Idealfall gebaut werden. „Davon gehe ich aus“, betont Bürgermeister Nunn. Das ist auch das Ansinnen der Fraktion der Freien Wähler, denen die Rialtobrücke eine Herzensangelegenheit ist. Sie hat im vergangenen Dezember erneut das Thema in den Gemeinderat gebracht, nachdem es in den Monaten zuvor poltische Wirrungen gab.

Zur Erinnerung: Bereits im Mai hatte sich die Mehrheit der Lokalpolitiker für den Abriss und Neubau der Rialtobrücke ausgesprochen. Damals zeigte sich, dass eine Sanierung mit 250 000 Euro viel zu teuer sei. Diese Summe mache bereits 60 Prozent der Kosten für eine neue Überquerung aus, die auf 380 000 Euro geschätzt werden. Ein Rechenspiel, das sich für Lang nicht trägt. „Das macht wenig Sinn.“ Schließlich hat eine Holzbrücke eine begrenzte Lebenszeit – und die Rialtobrücke schon 40 Jahre auf dem Buckel.

Entsprechend setzt sich Karl-Heinz Götz (Freie Wähler) dafür ein, dass etwas passiert. „Unbedingt noch vor der Passion.“ Er hat Verständnis dafür, dass das Bauamt viel zu tun hat: Ortsgestaltung, Kanal, Passionstheater, Umzug der Passions-Geschäftsstelle, Ammergauer Haus, Kindergarten, Sporthalle – nennt Nunn nur einige der derzeit laufenden Gemeinde-Projekte.

Die Rialtobrücke auf die lange Bank zu schieben, sei für Götz trotzdem keine Lösung. Deshalb ist für ihn die Abgabe des Projekts an ein externes Büro der richtige Schritt: „Ich bin absolut dafür.“

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