Roulette auf vier Rädern: Autofahrer scheren sich nicht um Absperrungen

Oberammergau - Die Schäden nach dem Orkantief "Joachim" in Oberammergau sind beseitigt - die B 23 ist wieder frei befahrbar. Unverantwortlich ist jedoch das Verhalten mancher Pkw-Lenker.

Für Florian Schwarzfischer ist so etwas keine Überraschung mehr: Der Fachagrarwirt (40), der im Ammertal ein Forstunternehmen sowie einen Baumpflegefachbetrieb führt, ist es tagtäglich gewohnt, mit der Unvernunft von Menschen umgehen zu müssen: „Bei gefährlichen Arbeiten reichen Warnschilder, Absperrungen oder Flatterleinen heute nicht mehr aus, da musst du schon einen Posten hinstellen.“ Ein weiteres Beispiel dafür, wie unverantwortlich handelnde Zeitgenossen sich selbst oder andere in Lebensgefahr bringen können, lieferte am Wochenende die Sperrung der Bundesstraße 23 zwischen der Abzweigung nach Graswang und der südlichen Ortseinfahrt von Oberammergau.

Orkanartige Böen des Sturmtiefs „Joachim“ hatten am Freitagvormittag - wie berichtet - oberhalb der Bärenhöhle Bäume geknickt und entwurzelt, die zum Teil zusammen mit Gesteinsbrocken herabfielen und auf der Bundesstraße liegenblieben. Ein unverzügliches Beseitigen der Sturmschäden wäre zu gefährlich gewesen, da der Wind nicht nachließ. In der Felswand befindliche Stämme und Wurzelstöcke drohten ebenfalls noch herabzustürzen. Somit veranlasste die Straßenmeisterei Oberau eine komplette Sperrung des besagten Abschnitts.

Dies beeindruckte offenbar manche Aufofahrer überhaupt nicht: Sie umfuhren kurzerhand die Absperrungen auf beiden Seiten, um keinen Umweg über die Armenseelenstraße oder über Murnau in Kauf nehmen zu müssen. Gestern Vormittag zum Beispiel passierte ein Münchner Pkw die Stelle an der Bärenhöhle mit rund 50 km/h, als gerade die Aufräumsarbeiten der Straßenmeisterei in vollem Gange waren. Auf die Spitze trieb es jedoch ein anderer Autofahrer: In der Nacht zum Samstag schnitt er einen Baum, der als zusätzliche Barriere dienen sollte, mit der Motorrsäge kurzerhand auseinander, um durchfahren zu können.

Über solche und ähnliche Verhaltensweisen von Autofahrern kann Sepp Heigl, Chef der Straßenmeisterei in Oberau, nur den Kopf schütteln: „Von Arbeiten am Ettaler Berg sind wir ja schon einiges gewohnt. Wenn dann tatsächlich mal etwas passiert, ist das Geschrei groß.“

Die nicht ungefährliche Beseitigung der Sturmschäden an der Bärenhöhle nahm den gesamten Samstag in Anspruch. Insgesamt mussten von Florian Schwarzfischer und seinem Mitarbeiter etwa acht Bäume aus der Felswand herausgeschnitten werden. In vorbildlicher Weise unterstützt und gesichert wurden beide von einem knappen Dutzend Einsatzkräften der Oberammergauer Bergwacht, die mit einem sogenannten „Statikseilsystem“ arbeitete. Gegen 16.30 Uhr waren die Arbeiten soweit abgeschlossen. Gestern dann übernahm die Straßenmeisterei, die Bäume, Steine und jede Menge Geäst abfuhr. Nachdem die Fahrbahn gesäubert und von Schnee und Eis weitgehend befreit war, rollte ab 14.45 Uhr wieder wie gewohnt der Verkehr auf der Bundesstraße.

Ludwig Hutter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare