Auf diesem historischen Foto von 1881 sind die zwei Eingangstüren des Geschäftshauses Lang sel. Erben in der Dorfstraße 20 deutlich zu erkennen. Foto: fkn

Schon Ludwig Thoma begeistert

Oberammergau - Eine neue Sehenswürdigkeit gibt es jetzt am Dorfplatz in Oberammergau zu bestaunen:

Zwei kunstvoll geschnitzte Holztüren schmücken den umgebauten Eingang zum Stammsitz der Firma Georg Lang sel. Erben, gegründet 1775, einem der 50 ältesten noch aktiven Unternehmen Deutschlands und dem ältesten Schnitzwarenverlag, wie 2005 die Zeitschrift Wirtschaftswoche ermittelte.

Dem heutigen Eigentümer der Firma, Florian Lang, ist es zu verdanken, dass das Entrée des Hauses wieder im alten Glanz erstrahlt. Er schenkte sich und dem Dorf, quasi zum 240jährigen Firmenjubiläum, diese aufwändige Restaurierung des Hauseingangs. Von 1838 stammen besagte Türen, die Johann Evangelist Lang, Sohn des Firmengründers Georg Lang, von Hyazinth Reiner, einem der herausragendsten Schnitzer der damaligen Zeit, anfertigen ließ. Feine Reliefschnitzereien zieren die der Straße zugewandten Seiten, zeigen unter anderem die Initialen des damaligen Firmeninhabers „JL“ und Merkur, den Gott des Handels, sowie dessen Heroldsstab. Reiner erhielt für seine Arbeit 25 Gulden, wie einem Abrechnungsbuch der Firma zu entnehmen ist. Das florierende Unternehmen sollte damit ein angemessenes Erscheinungsbild bekommen.

„Dem Eintretenden sagten schon die prachtvolle geschnitzte Tür mit Handelsemblemen, der gewölbte Gang, die breite Treppe, daß er sich in einem ansehnlichen Bürgerhaus befinde“, beschrieb der berühmte bayerische Dichter Ludwig Thoma in seinen Erinnerungen das Lang sel. Erben-Anwesen, das nicht nur seinem Onkel gehörte, sondern sogar sein Geburtshaus ist. Es folgten weitere Baumaßnahmen: Im Jahr 1898 wurde das ursprünglich zweistöckige Haus aufgestockt, im darauffolgenden Jahr noch rechts ein erweitertes Postlokal mit Terrasse darüber und später links ein sogenanntes „Salettl“ angefügt.

Richard Lang, Vater des heutigen Firmeninhabers, ließ in den 1950ern bis 1960ern weitere große Änderungen am Haus und seinen Anbauten vornehmen, auch die heutige Bemalung stammt aus dieser Zeit. Im Rahmen dieser Umbaumaßnahmen verschwanden auch die geschnitzten Türen, wurden durch „modernere“ ersetzt und nur ihr unterer verzierter Teil aufbewahrt. Doch nicht jede Modernisierung ist auch ein Gewinn, und so fügen sich die nun wiederhergestellten und eingebauten historischen Türen mitsamt ihren nach alten Vorlagen gemauerten Umrandungen harmonisch in das Gesamtbild des Hauses ein und stellen einen echten, für alle sichtbaren und zugänglichen Höhepunkt der Schnitzkunst des 19. Jahrhunderts dar. So wirbt einmal mehr das Handelshaus für die Tradition der Holzschnitzkunst in Oberammergau und dessen herausragender Qualität. Mit diesem Umbau hat Florian Lang auch ein Zeichen für die Oberammergauer Holzschnitzkunst gesetzt, die trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch die stark zurückgegangene Nachfrage und die billige rein maschinell gefertigten Konkurrenz immer noch lebendig ist.

Ulrike Bubenzer-Schmitz

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