Externe Kräfte im Schulbetrieb  

Flexibler Unterricht für Flüchtlinge

Für Kinder von Asylbewerbern ist es nicht leicht, sich in den normalen Unterrichtsalltag einzuleben. Deshalb ermöglicht der Freistaat, dass sie Hilfe von Außen bekommen. Auch im Landkreis gehen so genannte Drittkräfte in die Schulen. In Oberammergau funktioniert das sehr gut.

Oberammergau/Landkreis – „Himbeereis mit Sahne, Quark und Banane“: Während Louis Gabler diesen Reim aufsagt, schlägt er mit seinen Händen rhythmisch auf eine kleine Trommel zwischen seinen Knien. Um den Diplom-Musiklehrer sitzen in einem Kreis fünf Burschen und machen es ihm nach. „Himbeereis mit Sahne...“ die Worte kommen den 13-Jährigen nicht leicht über die Lippen. Sie lernen erst noch Deutsch. Und sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren. Dabei helfen ihnen an der Grund- und Mittelschule Oberammergau Menschen wie Louis Gabler. Er ist dort kein Lehrer im eigentlichen Sinn, sondern kommt aus dem Musikschul-Bereich. An der Einrichtung in Oberammergau ist er als so genannte Drittkraft auf Honorarbasis angestellt.

Dass das nicht gerade ein gewöhnliches Vorgehen ist, macht Schulrat Markus Köpf deutlich. „Auf einmal gehen Dinge, die früher undenkbar gewesen wären.“ Doch die einstige Doktrin, dass nur Lehrer in die Schule gehen, gilt heute nicht mehr. Die Flüchtlingskrise wirkt sich auf viele Bereiche der Gesellschaft aus – eben auch auf die Bildung. Etwa 200 Kinder von Asylbewerber besuchen zwischen Staffelsee und Karwendel in den Unterricht. „Anfangs sind wir alle ein bisschen überrumpelt gewesen“, blickt Köpf auf die neue Situation zurück. Mittlerweile konnte man sich darauf einstellen, Abläufe haben sich entwickelt. Dafür waren aber auch entsprechende Schritte der Politik notwendig. In Bayern gab es, wie es von Seiten des Schulamtes heißt, 2016 einen Nachtragshaushalt über 160 Millionen Euro – um Schüler mit besonderen Sprachförderbedarf speziell zu betreuen. Und neben diesem „normalen“ Unterricht für Flüchtlingskinder wird seit diesem Schuljahr mit zehn Millionen Euro der Einsatz der Drittkräfte finanziert.

Neun von ihnen engagieren sich bereits an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Allein vier in Oberammergau, aber auch in Oberau, Murnau, am Gröben in Garmisch-Partenkirchen und demnächst in Mittenwald. „Sie unterstützen die Schulen im Bereich der Integration und des Spracherwerbs von Flüchtlingen auf vielfältige Weise“, erklärt Köpf. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Musiker wie Gabler, Künstler, Sozialarbeiter oder pensionierte Lehrkräfte. Michael Osterhammer hat 30 Jahre am Werdenfels-Gymnasium im Kreisort unterrichtet. Jetzt kümmert sich der 74-Jährige um die Flüchtlingsburschen in Oberammergau. Ihre Schicksale gehen ihm nahe. Wie die Odyssee eines minderjährigen Afrikaners, der alleine in die Wüste geschickt wurde. Seine Flucht über Libyen und Italien hat vier Jahre gedauert. Wenn der traumatisierte junge Mann von dem Erlebten erzählt, beschreibt Osterhammer, „dann geht das unter die Haut“.

Die Flüchtlingskinder auf ihrem Weg zu einem Schulabschluss zu begleiten und Erfolge zu sehen, das ist – auch wenn die Arbeit als Drittkraft per Vertrag bezahlt wird – der beste Lohn für den Lehrer in Pension.

Ganz am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn steht noch Claudia Lamprecht. Die 26-jährige studiert Theologie, wird einmal Religionsunterricht geben. An diesem Tag in der Schule geht es aber um Weltliches, genauer gesagt um die menschliche Fortpflanzung. Ganz nüchtern bespricht Lamprecht die Schritte der Befruchtung mit den Jugendlichen. Schüchternheit gibt es dabei genauso wenig wie albernes Gekicher. In ihrer Heimat – das haben die Buben und Mädchen der Studentin erzählt, sollten sie zwar etwas dazu lesen. „Gesprochen wurde darüber aber nicht.“ In Oberammergau reden die Heranwachsenden immer mehr im Unterricht, und es ist erstaunlich, wie gut ihre Deutschkenntnisse schon sind. Das Ziel, sie in die Gesellschaft zu integrieren, kann auf viele Wegen erreicht werden. Auf einem gibt es Himbeereis mit Sahne, Quark und Banane.

Wer Interesse hat, 

sich als Drittkraft zu engagieren, erreicht das Schulamt unter Telefon 0 88 21/75 17 50.

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