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Mittelschule mit Sorgenkindern: Balkon nicht mehr betretbar - Weitere Reparaturen nötig

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Von: Manuela Schauer

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Ein Gebäude mit Balkon
Der Zahn der Zeit nagt am Balkon der Mittelschule. © Bartl

Schon vor Jahren hat die Gemeinde Oberammergau kräftig in die Grund- und Mittelschule Oberammergau investiert. Jetzt muss die Kommune wieder Geld in die Hand nehmen. Problemstellen tauchten auf.

Oberammergau – Ein Laie erkennt das Leiden wohl gar nicht. Der Profi aber schon – und er hat im Falle der Oberammergauer Mittelschule den Patienten beim Namen genannt: Balkon heißt er. Die Diagnose: Altersschwäche. „Er ist durchgeholzt“, sagte Ursula Mayr vom Bauamt im Finanzausschuss. Das hat die Statikprüfung ergeben. Um im medizinischen Bild zu bleiben: Die Behandlungskosten trägt die Gemeinde. 116 000 Euro hat Kämmerer Stefan Schmid im Haushalt für 2022 berücksichtigt.

Als „extrem sanierungsbedürftig“ bezeichnete der Finanzexperte den Balkon. Betreten darf ihn niemand mehr, er dient jedoch nicht als Fluchtweg. Die Maßnahme zu verschieben, um den angespannten Etat zu entlasten, davon riet er wegen des Sicherheitsrisikos ab. Den Balkon abzureißen – der Abbruch würde rund 8000 Euro kosten –, wäre ein Weg. „Dann sieht’s halt nicht mehr so aus wie jetzt.“ Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) wollte keine voreilige Entscheidung treffen. Er schlug vor, das Thema im Bauausschuss zu beraten und das Sorgenkind vor Ort einmal in Augenschein zu nehmen. Damit gingen die Ortspolitiker d’accord. Ebenso mit dem Ansinnen von Peter Held (PWG), die Mittel von 116 000 Euro im Verwaltungshaushalt mit einem Sperrvermerk zu hinterlegen.

Mittelschule Oberammergau: Dach mit Defiziten

Insgesamt hat die Kommune, die vor circa fünf Jahren schon teuere Renovierungsarbeiten veranlasst hatte, aber deutlich höhere Ausgaben vor der Brust. Weitere knapp 76 000 Euro fallen unter anderem für Prüfungen der Brandmelde- und Lautsprecheranlage an sowie für allgemeine Reparaturen. Damit erst gar keine Zweifel aufkommen konnten, stellte Kämmerer Schmid gleich vorweg eines klar: „Der Ansatz der Summen ist nicht einfach hingeklatscht.“ Mayr würde sich viel Arbeit damit machen. Im Betrag inkludiert sind auch auch Weißelarbeiten, die im vergangenen Jahr verschoben wurden. Unter anderem müssen Flur und Garderobentüren gestrichen werden (8000 Euro), turnusmäßig wären auch Klassenräume an der Reihe. Mit 10 000 Euro würde das Lehrerzimmer und Rektorat zu Buche schlagen. Ob man das Klassen- oder Lehrerzimmer jetzt angehen müsse, darüber kann man Schmid zufolge aber diskutieren. Oder diese Arbeiten um 50 Prozent zu reduzieren, was Anklang bei den Ausschussmitgliedern fand.

Ein richtig dicker Brocken kommt aber noch dazu. Nötige Hochbaumaßnahmen werden die Kasse schröpfen. Weitere 243 000 Euro – diesmal im Vermögenshaushalt – kalkuliert der Kämmerer für heuer für zwei weitere Sorgenkinder ein. Bei einer statischen Überprüfung war aufgefallen, dass das Dach in diesem Bereich nach heutigen Standards Defizite aufweist. „Höchstwahrscheinlich muss die Queraussteifung ertüchtigt werden“, klärt Mayr auf Tagblatt-Nachfrage. Derzeit rechnet ein Statiker das Dach nach. Die genauen Maßnahmen können erst im Anschluss benannt werden, verdeutlicht die Bauamtsmitarbeiterin. Zudem ist das Klinkermauerwerk am Kamin kaputt. Wie dieser saniert werden kann, um sowohl denkmalpflegerischen wie auch technischen Ansprüchen gerecht zu werden, dazu finden derzeit Gespräche mit dem Denkmalschutz statt. Was nicht immer ganz einfach ist, wie sie in der Sitzung anmerkte. Die Zuständigen würden nicht aus München nach Oberammergau kommen, um sich vor Ort ein Bild zumachen.

Ohne die Absprachen geht aber nichts. Nicht, nachdem die Grund- und Mittelschule – erschaffen von dem Oberammergauer Architekten und Bürgermeister Raimund Lang (1895 bis 1976) – Mitte 2021 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Für jede Veränderung benötigt die Gemeinde eine Erlaubnis. Was Dominikus Wolf (CSU) sauer aufstößt. Gemeinsam mit den Denkmalschutzbehörden das Gebäude außen zu erhalten, daran stört er sich nicht. „Aber wir sollten uns nicht im Innenbereich reinreden lassen“, sagte er in aller Deutlichkeit. „Das muss unsere Planungshoheit sein.“ Damit die Schule auch weiterhin als Schule funktionieren kann.

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