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Söder reicht Familie Streibl die Hand

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Von: Christof Schnürer

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Irmingard Streibl wird auf dem alten Friedhof in Oberammergau von ihrem Sohn Florian, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, und Ministerpräsident Markus Söder (l.) ans Grab ihres Mannes geführt.
Würdevoller Moment: Irmingard Streibl wird von ihrem Sohn Florian, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, und Ministerpräsident Markus Söder (l.) ans Grab ihres Mannes geführt. © Dominik Bartl

Die sogenannte „Amigo-Affäre“ hatte Max Streibl (1932 bis 1998) 1993 das Amt gekostet und ihn von seiner Partei entfremdet. Am Sonntag hat Bayerns Regierungsspitze in Oberammergau an das Wirken des ehemaligen Ministerpräsidenten, der am 6. Januar 90. Jahre alt geworden wäre, bei einer Gedenkfeier erinnert – sehr zur Freude einer dankbaren Familie Streibl.

Oberammergau – Als der hünenhafte Ministerpräsident vor der kleinen Irmingard Streibl steht, wird sie von ihren Gefühlen überwältigt. „Ich habe nicht gedacht, dass Sie an meinen Mann denken“, entfährt es ihr unter Tränen. „Wir haben viel zu wenig an ihn gedacht“, antwortet Markus Söder (CSU) und ergreift die Hand der dankbaren Witwe des ehemaligen bayerischen Regierungschefs Max Streibl. Im Anschluss führen Söder und Sohn Florian Irmingard Streibl ans Grab ihres Mannes, der am Dreikönigstag 90. Geburtstag gefeiert hätte. Ein deutliches und geradezu symbolhaftes Zeichen der Versöhnung, dass 23 Jahre nach dem Tod Streibls am Sonntag auf Betreiben der Staatskanzlei auf dem Oberammergauer Friedhof gesetzt wurde.

Daran ließ auch Söder in seiner Rede keinen Zweifel: „Wir verneigen uns in Dankbarkeit, Ehrfurcht und Respekt vor Max Streibl“, sagte der Regierungschef. „Für mich wird er immer einen starken Ehrenplatz behalten.“ Wieder hauchte eine gerührte Witwe: „Danke.“

Max und Irmgard Streibl in der Festkutsche bei der Wiesn-Eröffnung 1992.
Ein Landesvater durch und durch: Max Streibl (hier mit Gattin Irmingard) liebte das Bad in der Menge. © Merkur Archiv

Denn sie und ihre Familie wissen nur zu gut, dass der im Sog der sogenannten „Amigo-Affäre“ gerade von CSU-Parteifreunden erzwungene Rücktritt im Mai 1993 sehr an Max Streibl genagt hatte. Der Vollblutpolitiker aus dem Ammertal hat ihn wohl nie verwunden. Zumal er mit voller Wucht aufs politische Abstellgleis geschoben wurde. „Das war doch sein Leben“, meint Irmingard Streibl im Hinblick auf die gestalterischen Fähigkeiten ihres verstorbenen Mannes, der im Dunstkreis des CSU-Übervaters Franz-Josef Strauß (1915 bis 1988) ein Vierteljahrhundert zum Spitzenpersonal des bayerischen Landeskabinetts zählte – erst als Umwelt- (1970 bis 1977), dann als Finanzminister (1977 bis 1988).

Wir haben zu lange und zu wenig über die Leistung von Max Streibl nachgedacht

Ministerpräsident Markus Söder

Nach dem überraschenden Tod von Strauß rückte der vielseitige Streibl an dessen Platz. Eine Zäsur in der bayerischen Nachkriegspolitik. „Viele glaubten damals, dass sei das Ende der CSU und von Bayern“, erinnerte Söder. Doch der politische Erbe von „FJS“ strafte alle Kritiker und Skeptiker rasch Lügen. Kraftvoll und weitblickend regierte Max Streibl als Vorzeige-Landesvater den Freistaat. „Er war nicht nur ein gläubiger Katholik, sondern er liebte auch Bayern.“ Für Söder, der von seinem Vize Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) und Landtagspräsidenten Ilse Aigner (CSU) begleitet worden war, steht unzweifelhaft fest: „Max Streibl hat sich in die Geschichte als einer der ganz Großen eingetragen.“ Einer, der nun auch wieder von seiner Partei hoch gehalten wird.

Erstaunlich übrigens die Parallelen zwischen ihm und Söder: Letzterer hat am 5. Januar Geburtstag, Streibl am 6. dieses Monats. Beide sind also Sternzeichen Steinbock, dessen Stärken Disziplin, Verantwortung, Ehrgeiz und Humor sind. Gleichzeitig wies Söder auf einen nahezu deckungsgleichen Karriereverlauf hin: Beide waren Landesvorsitzende der Jungen Union, beide beackerten in der Staatsregierung die Ressorts Umwelt und Finanzen, ehe sie zum Ministerpräsidenten berufen wurden. Freilich: Einen erzwungenen Rücktritt möchte der machtbewusste Söder sicherlich unter allen Umständen verhindern.

Was Florian Streibl, der nach der Demontage seines Vaters bezeichnenderweise bei den Freien Wählern eine steile Karriere in der Landespolitik als deren Fraktionsvorsitzender hingelegt hat, bei der denkwürdigen Feier am Friedhof wohl am meisten gefreut haben dürfte, war das Eingeständnis des amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten. Selbstkritisch schloss Söder: „Wir haben zu lange und zu wenig über die Leistung von Max Streibl nachgedacht.“ Eine Erkenntnis, die spät, aber nicht zu spät gereift ist. ➔ BAYERN

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