+
Seit 27 Jahren betreibt das Rote Kreuz das Seniorenwohnen Ammertal in Oberammergau.

Für 14 Bewohner muss ein neues Zuhause gefunden werden

Pflegestation im Seniorenwohnen Oberammergau macht dicht 

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
    schließen

Das ist keine gute Nachricht: 14 Bewohner des Seniorenwohnheims in Oberammergau müssen sich mit einem Umzug auseinander setzen.

Oberammergau – Es ist ein Schlagzeilen-trächtiges Haus. Einst war das „Alois Lang“ mit die erste Adresse am Ort, in der auch gekrönter Häupter logierten. Dunkle Wolken zogen dann 1990 über dem Hotel auf, als sein damaliger Eigentümer Friedrich Hörath den Skandal um Passions-Eintrittskarten entfachte und dafür später sogar ins Gefängnis wanderte. Schließung und Versteigerung folgten. Dann endlich brachen wieder rosigere Zeiten an: Die Rot-Kreuz-Betreuungsgesellschaft, die sich heute „Sozialservice-Gesellschaft des BRK“ nennt und eine gemeinnützige 100-prozentige Tochter des Bayerischen Roten Kreuzes ist, übernahm das einstige Luxushotel und richtete dort eine „Senioren-Residenz“ ein. Das war 1997. Es entstanden 50 Appartements und 27 Pflegeplätze. Die Wohneinheiten kosteten damals je nach Größe zwischen 2000 und 3300 D-Mark, der Pflegesatz pro Tag lag bei rund 150 Mark ...

Seit vielen Jahren erfüllt das Haus für Oberammergau und das Ammertal eine wichtige Funktion als Zuhause für ältere Mitbürger. Aktuell sind 54 Einheiten Betreutes Wohnen belegt, in der stationären Pflege werden 14 Personen rund um die Uhr medizinisch betreut. Und exakt bei diesem Bereich, nämlich der Pflege, steht in naher Zukunft eine große Veränderung an. Wie Christian Pietig, Geschäftsführer der BRK-Sozialservice-Gesellschaft und damit zuständig für 26 Standorte in Bayern, mitteilt, ist geplant, die Stationäre Pflege zu schließen und die 54 Zimmer Betreutes Wohnen auf 77 aufzustocken. Für den Umbau des Hauses will das Rote Kreuz in nächsten drei Jahren rund eine Million Euro investieren.

Problem: zuwenig Pflegekräfte

Den radikalen Schritt begründet Pietig wie folgt: „Es sind mehrere Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Insgesamt ist die Stationäre Pflege in unserem Haus in Oberammergau nicht zukunftsfähig. Wir sind von der Fachaufsicht im Gesundheitsamt aufgefordert worden, entweder großflächig umzubauen oder die Betriebserlaubnis wird nicht mehr verlängert. Sie läuft Ende 2021 aus.“ Die baulichen Voraussetzungen seien nicht gegeben. Insgesamt sei der Bereich zu klein, um wirtschaftlich geführt werden zu können. Pietig: „Die übliche Größe bei solchen Einrichtungen liegt zwischen 60 und 90 Plätzen, 27 sind da einfach zu wenig.“ Eine weitere Schwierigkeit sei, geeignete Pflegefachkräfte zu finden. Die Wohnsituation im Ammertal erschwere das Ganze noch, so der Geschäftsführer. Das durch die Schließung entstehende zusätzliche Raumangebot wird für die Schaffung neuer Wohnungen im Bereich Betreutes Wohnen verwendet. „Dieses Angebot wird gerade sehr gut angenommen“, weiß Christian Pietig. Die derzeitige Zimmergröße liegt zwischen 25 und 40 Quadratmetern, die künftige bei bis zu 70.

Standort Murnau als Alternative

Dass nun im Seniorenwohnen die stationäre Pflege dicht macht, stellt für die Bewohner eine schwierige Situation dar. Das weiß auch der Geschäftsführer: „Wir sind in Gesprächen mit den Senioren und deren Angehörigen und tun alles, damit der Wohnungswechsel so reibungslos wie möglich vonstatten geht.“ Als Alternative bieten sich der Standort Murnau oder eine andere Einrichtung der Gesellschaft an. Aufgrund der Situation mit Corona sind Umzüge derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. So könne sich der Wechsel laut Pietig noch Wochen oder gar Monate hinziehen.

Bis dahin dürfte das Seniorenwohnen Oberammergau dann auch wieder eine „reguläre Leitung“ haben. Nachdem der bisherige Chef Matthias Größl sich beruflich nach Garmisch-Partenkirchen verändert hat, wird das Haus gerade interimsmäßig von Doris Niedermaier geführt.

Und wie sieht Christian Pietig die Konkurrenz-Situation mit dem gerade in Unterammergau entstehenden neuen Pflegezentrum? „Uns wurde das Objekt auch angeboten, aber wir haben abgelehnt, weil wir schon in Oberammergau einen Standort haben. Ganz klar: Wir konkurrieren mit Unterammergau bei den Bewohnern und den Mitarbeitern. Insgesamt aber ist es für das Tal eine gute Sache. Auch wenn bei der Größe schon unternehmerischer Mut dahinter steckt ...“

Auch interessant

Kommentare