Beeindruckend: das historische Schulgebäude von 1937/38. Der damalige NS-Bürgermeister Raimund Lang richtete sich bei den Plänen strikt nach den Vorgaben der Nationalsozialisten.
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Beeindruckend: das historische Schulgebäude von 1937/38. Der damalige NS-Bürgermeister Raimund Lang richtete sich bei den Plänen strikt nach den Vorgaben der Nationalsozialisten.

Bau galt in NS-Zeit als hochmodern

Mittelschule Oberammergau nun denkmalgeschützt: Streng, gehorsam, wehrhaft

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Die Grund- und Mittelschule Oberammergau ist nun denkmalgeschützt. Nicht nur wegen der zahlreichen Kunstwerke auf den Mauern, sondern vor allem wegen seiner geschichtlichen Bedeutung: Der Bau aus den Jahren 1937/38 war für das Nazi-Regime geradezu vorbildlich, wie ein Schulhaus auszusehen habe: Streng, gehorsam, wehrhaft.

Oberammergau – Sie hat über die Jahrzehnte hinweg nichts an ihrer Ausstrahlung verloren. Beeindruckend, groß und mächtig steht die Grund- und Mittelschule Oberammergau da. Genauso wie es ihrem Erschaffer, dem Oberammergauer Architekten und Bürgermeister Raimund Lang (1895 bis 1976), im Jahr 1937 vorschwebte, als der Spatenstich erfolgte. Heute, 84 Jahre später, ist das Gebäude der Grund- und Mittelschule Oberammergau unter Denkmalschutz gestellt worden. Aus zweierlei Gründen: wegen der künstlerischen, aber vor allem der wichtigen geschichtlichen Bedeutung.

Die Handschrift Langs ist bis heute im gesamten Gebäude sichtbar. Doch der Staat – sprich 1937 die Nazi-Führung – war es, der strikte Vorgaben machte. So handelte der Politiker, der von 1933 bis 1945 sowie von 1948 bis 1966 Bürgermeister der Passionsgemeinde war, mit der Gestaltung des Schulhauses voll und ganz im Sinne der Nationalsozialisten. Lang wollte schon von außen die Tugenden aus jener NS-Zeit aufzeigen, die damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen von Strenge, Gehorsam und Wehrhaftigkeit: das alles durch nüchterne reduzierte Formen und mit einer deutlichen Anlehnung an die Wehrarchitektur des Mittelalters, wie beispielsweise am Eingangsturm.

Karl Gries und Michael Zeno Diemer zauberten Kunstwerke auf die Mauern

Entstanden ist ein zweigeschossiger, abgewinkelter Steildachbau mit turmartigen Eingangsrisalit, rundpfeilgestützter Vorhalle und Fassadenskulptur. Die Fassade bemalte Karl Gries, das innere Wandbild stammt von dem Oberammergauer Künstler Michael Zeno Diemer. „Der historische Bestand ist insgesamt gut erhalten“, sagt Julia Steinbach, Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege in München (BLfD).

Doch was ändert sich jetzt für Schule und Gemeinde? „Denkmalschutz bedeutet nicht, dass ein Gebäude nicht mehr verändert werden darf“, macht Steinbach klar. „Vielmehr ist es wünschenswert, dass Baudenkmäler genutzt werden.“ Dennoch sollen die historischen Besonderheiten des Gebäudes bewahrt werden. Für jede Veränderung braucht es künftig eine Erlaubnis der Unteren Denkmalschutzbehörde. Bevor diese entscheidet, holt sich die Behörde die fachliche Stellungnahme des BLfD.

Schule gilt als Zeugnis für beschleunigtes Wachstum und Prosperität der Gemeinde nach der Jahrhundertwende

Der historische Bau reiht sich ein in den sogenannten Heimatstil oder die Heimatschutzarchitektur, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland üblich war. Die Schule gilt als Zeugnis für das beschleunigte Wachstum und die Prosperität der Gemeinde nach der Jahrhundertwende. Das zeigen auch die anderen Bauten, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind wie die Schnitzschule, das Waisenhaus, das Postamt oder das Bühnenhaus des Passionstheaters, das ebenfalls Raimund Lang verwirklichte. Die Finanzierung all dieser Projekte sowie des Schulhauses war erst durch die Gewinne der Passionsspiele 1934 möglich. Die finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite blieb dagegen gering für die Schule, die damals zu einer der modernsten im Landkreis gehörte. Die räumliche Trennung der Klassen ist beseitigt worden. Es gab eine eigene Turnhalle und eine Bibliothek.

Der Erschaffer der Schule galt nicht als fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus, auch wenn er bereits 1932 in die NSDAP eingetreten ist – noch vor Hitlers Machtergreifung. Im Juni 1933 verhalf ihm diese zum Posten des NS-Bürgermeisters in Oberammergau. „Er lehnte eine radikale nationalsozialistische Politik ab“, schreibt Studienrat Ludwig Utschneider in seinem Buch „Oberammergau im Dritten Reich“. Doch war Lang auch kein Mann des Widerstands. Er versuchte, die neuen Gegebenheiten zu nutzen, um „seine Stellung als Lokalfürst auszubauen und zu festigen“. Er realisierte das Schulvorhaben, das bereits zur Jahrhundertwende geplant war. Zuvor mussten Klassen sogar in einem Wirtshaus unterrichtet werden.

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