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Zu einer Plage hat sich in vielen Orten die zunehmende Taubenpopulation entwickelt.

Ungebetene Gäste im Oberammergauer Passionstheater

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Tauben haben es sich im Passionstheater gemütlich gemacht – zum Leidwesen der Verantwortlichen. Diese sind zuversichtlich, dass die Pest-Vorstellungen nicht gestört werden.

Oberammergau – Die Bühne ist schwach beleuchtet, es ist still im Oberammergauer Passionstheater. Kaspar Schisler (Maximilian Stöger) steigt die Leiter herab, die Sehnsucht nach seiner Familie hat den Taglöhner von Eschenlohe heim ins Ammergau getrieben. Auch dort leuchten schon die Pestfeuer, die Angst ist groß, dass seine Frau und die zwei Söhne dem Schwarzen Tod erlegen sind.

Ein lautes Gurren durchbricht die Stille. Ein Beweis dafür, dass sich ungebetene Gäste in dem altehrwürdigen Haus eingenistet haben. Taubendreck am Boden zeugt ebenfalls davon. Die Tiere lassen sich von der Probe für „Die Pest“ überhaupt nicht beeindrucken, sie koten munter weiter – und landen auch den einen oder anderen Treffer. Unter anderem auf einem der Fotografen, der den Durchlauf mit seiner Kamera verfolgt. Auf der Bühne bekomme man davon nichts mit, versichert Frederik Mayet, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH. Im Zuschauerraum schon.

Tauben lassen sich durch Lärm vertreiben

Das Taubenproblem ist ihm bekannt. „Das besteht seit Jahren“, sagt Mayet. Freilich nicht nur im Theater, sondern im ganzen Dorf. Ein Patentrezept, wie man der Plage Herr werden könnte, gibt es nicht. Fakt ist, dass die Tauben-Population im Gemeindegebiet von Oberammergau seit 2014 außerordentlich groß ist, hieß es vor gut zwei Jahren im Bau- und Umweltausschuss. Der Versuch, die Vögel durch den gezielten Einsatz von Falken zu vergrämen, entpuppte sich als sehr kostenintensiv und vor allem als wirkungslos. Solange uneinsichtige Bürger weiter Futter auslegen, bleiben die Tiere vor Ort. Ist ja auch bequem. Mit der unschönen Folge, dass sie Balkone, Fensterbretter und Plätze mit ihrem Kot verschmutzen. Wie aktuell den Zuschauerraum im Passionstheater, in dem am heutigen Freitag um 20 Uhr die Pest-Premiere auf dem Spielplan steht.

„Wir erwarten, dass sich die Tauben daran stören, wenn das Theater voll besetzt ist“, sagt Mayet. Erst am Mittwoch war das Haus gründlich gesäubert worden. Nachdem er und die weiteren Verantwortlichen von den Beobachtungen der Probenbesucher erfahren haben, schickten sie gestern gleich wieder einen Putztrupp los. „Wir werden auch noch einmal hochgehen und etwas Radau machen“, kündigt Mayet an. Das Ziel: Den Vögeln auf diese Weise den Platz auf den Stangen unter dem etwa 25 Meter hohen, runden Dach längerfristig zu verleiden. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das bis zur Premiere hinbekommen.“

Das Dilemma ist, dass es sich zwei Taubenpaare im Passionstheater richtig gemütlich gemacht haben und dort nisten. „Dagegen darf man nicht viel machen“, bedauert Mayet. Vor Jahrzehnten seien noch Luftgewehre gegen solch ungebetene Gäste eingesetzt worden, weiß er aus Erzählungen. „Das ist natürlich nicht mehr möglich.“ Das Netz, mit dem der Zuschauerbereich in den Wintermonaten abgeschirmt wird, sei wegen des Bühnenbaus nicht fest installiert. Somit bleibt nur die Möglichkeit, die Tiere durch Lärm zu stören. Wichtig ist zudem, sie nicht zu füttern und demzufolge keine Essensreste zu hinterlassen. Auch davon lassen sie sich vertreiben.

Gemeinde hat Verstöße gegen Fütterungsverbot schon geahndet

In dem Zusammenhang verweist Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) auf das Fütterungsverbot, das in Oberammergau gilt. „Wird uns ein Verstoß bekannt, reden wir erst einmal mit dem Betroffenen“, erklärt er das Vorgehen. Sollten alle Gespräche nicht fruchten, werde schon mal ein Bußgeld verhängt. Auch ihm ist bewusst, dass es wenig Möglichkeiten gibt, die Plage mit legalen Mitteln einzudämmen. „Ich weiß daher nicht, ob die rechtliche Situation hier noch passt.“

Eine Maßnahme, die die Gemeinde bereits 2014 ergriffen hat, erwies sich hingegen als erfolgreich. Seither gibt es Taubenschläge am Bauhof (alter Splittstadel) sowie im Dachgeschoss der ehemaligen Buch- und Bildstelle am Kleinen Theater. Hier können die Kotanhäufungen sowie die Eier aus den Nestern problemlos entfernt und ausgetauscht werden, was die Vermehrung eindämmt. Martin Mangold betreut beide Standorte und berät auch Bürger, die Probleme mit den Vögeln haben. „Viele Oberammergauer haben schon genau wie wir an den gemeindlichen Gebäuden eine so genannte Zaunabwehr an ihren Häusern“, betont Nunn. Ein teures Unterfangen, das aber vor den Tauben und ihren ätzenden Hinterlassenschaften schützt.

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