Waldburg-Zeil-Klinik in Oberammergau
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Ist mitten im Härtetest: die Waldburg-Zeil-Klinik in Oberammergau.

Bislang der größte Hotspot im Landkreis

Corona-Ausbruch in Oberammergauer Klinik: 47 Positiv-Fälle unter den Mitarbeitern - Nicht einer zeigte Symptome

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Sie steckt in einer schweren Phase: In der Waldburg-Zeil-Klinik in Oberammergau wurden 47 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet. Die gute Nachricht dabei: Kein einziger Patient hat sich bislang mit dem Virus infiziert.

  • Es gibt einen neuen Corona-Hotspot im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: In der Waldburg-Zeil-Klinik in Oberammergau sind 47 Mitarbeiter positiv getestet worden.
  • Die Betroffenen kommen aus allen Berufsfeldern, hauptsächlich aber aus dem Reinigungsbereich.
  • Auch die Patienten wurden getestet.

Oberammergau – Sie steigen auffällig. Alleine am Mittwoch registrierte das Landratsamt 28 Neu-Infektionen in Oberammergau. Das fällt auch Stephan Scharf auf. Der Sprecher der Kreisbehörde recherchiert und findet den Grund: Die hohen Corona-Zahlen in dem Ort sind auf die Waldburg-Zeil-Klinik zurückzuführen. Von den insgesamt 360 Mitarbeitern aus dem Zentrum für Rheumatologie, Orthopädie und Schmerztherapie wurden 47 positiv auf Covid-19 getestet. So viele Fälle in einer Einrichtung gab es seit Ausbruch der Pandemie nirgends im Landkreis. Weder in den Murnauer Seniorenheimen Garhöll oder Kemmelpark noch im Gesundheitszentrum Oberammergau. Scharf bestätigt: „Es ist der größte Cluster.“

Wie es zu dem Massenauftreten kam? Gute Frage. „Wir haben keine Erklärung“, sagt der Sprecher. So geht’s auch Klinik-Direktor Robert Tauber. „Es gibt keine systematischen Zusammenhänge.“

Alle wurden einem PCR-Test unterzogen

Die Einrichtung an der Hubertusstraße testet Personal wie Patienten in regelmäßigen Abständen. In der Geriatrie zum Beispiel wöchentlich. Auf die ersten Anzeichen der sich häufenden Fälle reagierte man schnell. Veranlasste, dass sich innerhalb von vier Tagen alle im Haus einem PCR-Test unterziehen. „Ein irrer Aufwand“, sagt Tauber. Mit schlechtem Resultat. Aber auch mit einem guten: Alle Patienten erhielten ein Negativ-Ergebnis. „Eine seltsame Konstellation“, findet der Direktor. Dafür aber ein starkes Zeichen, dass das stringente Hygienekonzept der Klinik funktioniert. Selbst das Gesundheitsamt habe es als vorbildlich bezeichnet.

Robert Tauber ist Klinikdirektor.

Nur kann sich Tauber davon nichts kaufen. Er ist ratlos. Bei den Betroffenen, die sich sofort in Quarantäne zu begeben hatten, handelt es sich im Schwerpunkt um Personal des Reinigungsdienstes. Die Fälle verteilen sich aber über alle Berufsgruppen. Was ihn irritiert: Nicht einer zeigte und zeigt Symptome. Kein Halsweh, keine erhöhte Temperatur, kein Husten. Nachtestungen in der Zeitspanne von ein bis zwei Tagen wurden absolviert. Stichprobenartig. Bei 15 Mitarbeitern. Ergebnis: zu 100 Prozent negativ, sagt Tauber konsterniert. Die Viruslast ist ihm zufolge wohl so gering, dass sie bei einem Antigen-Schnelltest gar nicht erkennbar gewesen wäre. Hilft ihm und der ganzen Belegschaft aber wenig. „Mit dieser Situation müssen wir nun umgehen.“

Klinik stoppt Neuaufnahmen bis zum Jahresende

Das reduzierte Personal arbeitet auf allen Ebenen intensiv zusammen. Jeder zieht mit, was Tauber stolz macht. „Das Verhältnis“, sagt er, „ist händelbar.“ Denn auch die Zahl der Patienten liegt mit 100 deutlich unter der im Regelbetrieb mit 300 zu behandelnden Menschen.

Das Haus zu räumen – diese Aufforderung gab es nicht. Die Klinik stoppt aber bis Jahresende alle Neuaufnahmen, beschränkt sich auf das medizinisch Unumgängliche. Nur in die Geriatrie dürfen „einige wenige“ kommen. Weil es Engpässe in der Region gibt und die Menschen versorgt werden müssen. Die Station ist aber „abgeschottet“. Diejenigen, die sich vor kurzem erst einer Operation unterziehen musste, werden normal bis zur Entlassung weiterbehandelt. Das Team hat früh mit persönlichen Gesprächen begonnen. Bot an, die Reha abzubrechen oder fortzusetzen. „Es ist eine Herausforderung, das alles zu managen und das Informationsbedürfnis zu befriedigen“, betont Tauber.

Die Pandemie-Arbeitsgruppe im Haus steht im täglichen Austausch. Spricht über den „strukturierten Neustart“ in 2021. Die Konzepte kommen noch einmal zur Sprache, obwohl „wir alle Regeln einhalten“. Über die Feiertage wäre die Belegung ohnehin geringer ausgefallen. „Das ist jetzt der vorgezogene Weihnachtsübergang“, meint der Direktor. Einen, den er sich absolut nicht gewünscht hat.

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