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In diesem Becken ertrank der Zehnjährige.

Notsituation nicht sofort ersichtlich

Wellenberg: Verfahren gegen Bademeister eingestellt

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Nur eine „geringe Schuld“ am Ertrinkungstod eines Zehnjährigen sieht Amtsrichter Andreas Pfisterer bei den beiden Bademeistern. Deshalb stellte er das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage ein.

Garmisch-Partenkirchen/ Oberammergau – Der Freispruch, quasi die volle Rehabilitation, war zum Greifen nah. „Ich hätte kein Problem damit“, sagte Richter Andreas Pfisterer. Für ihn stand am Dienstag fest, dass der Vorwurf, den man den beiden Bademeistern machen kann, äußerst gering ist. Zumal zwei ihrer Kollegen eindrücklich geschildert hatten, welch’ enormes Aufgabenspektrum im Oberammergauer Wellenberg zu bewältigen ist. Dass dort am 2. Juli 2016 ein zehnjähriger Bub, der nur schlecht schwimmen konnte, ertrunken ist, „hätte auch jedem passieren können“, verwies Pfisterer auf deren Aussagen am zweiten Prozesstag vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen.

Somit kam für ihn und die beiden Schöffen ein Freispruch in Frage. Damit geht aber die Gefahr einher, dass Rechtsmittel eingelegt werden – wie bereits von der Staatsanwaltschaft angekündigt. In dem Fall sehen sich alle Beteiligten vor dem Landgericht München II wieder. Deshalb kam es nun gegen Zahlung einer Geldauflage zur Einstellung des Verfahrens „wegen geringer Schuld“. Abhängig von den Einkommensverhältnissen fallen bei dem einen 3000, bei dem anderen 2400 Euro an. Mit diesem Beschluss hatte auch der Prozess gegen den Trainer und die beiden Jugendbetreuer geendet, die mit einer Fußballnachwuchs-Mannschaft aus Langerringen (Landkreis Augsburg) den Wellenberg besucht hatten. Die beiden Oberammergauer reagierten sichtlich erleichtert darauf, dass das juristische Nachspiel dieser Tragödie für sie nun ein Ende hat.

Bademeister sind zutiefst betroffen

Wie sehr beide der schreckliche Unfall mitnimmt, wurde auch am Dienstag deutlich. „Ich bin noch immer zutiefst betroffen“, erklärte der 42-Jährige. Schon häufig galt es, Kinder aus einem der Becken zu retten und zu reanimieren. „Da hatten wir aber immer das Massel, zur rechten Zeit zur Stelle zu sein.“ Dieses Glück hatten sie an dem Tag, an dem der Zehnjährige zu Tode kam, nicht. „Fassungslos“ sei er auch jetzt noch, „dass wir das nicht gesehen haben“, betonte sein Kollege (58).

Noch einmal schauten sich Richter, Staatsanwältin Karin Jung und die Verteidiger, Christian Langhorst und Michael Röhrig, die Bilder der Überwachungskameras an – zwei davon filmen unter Wasser im Sportbecken im Innenbereich. Auf der einen ist ein Kind zu sehen, das sich immer wieder vom Boden abstößt. „Das kann auch das Seepferdchen-Spiel sein, das sehen wir täglich“, sagte ein Zeuge aus.

Obduktion ohne konkrete Ergebnisse

Dr. Bettina Zinka, die das medizinische Gutachten erstellt hat, räumte ebenfalls ein, dass die Notsituation erst einmal nicht ersichtlich ist. Nachdem die Obduktion wenig erbracht hatte, musste sie auf das Video-Material zurückgreifen, um Erkenntnisse über den Unfall zu erhalten. „Das Problem war, dass viele Organe gefehlt haben, weil die Eltern einer Spende zugestimmt hatten“, verdeutlichte die Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin in München das Dilemma. Insbesondere das Herz hätte aber zur Beurteilung des Gesundheitszustands wichtige Hinweise liefern können. So mussten sie und ihre Kollegen sich auf Hörensagen verlassen. Nach Informationen der Polizei sei der Viertklässler gesund gewesen.

Anhand der Bilder konnte Zinka den Zeitraum, in dem ihm noch geholfen hätte werden können, erheblich einschränken. Um 16.33 Uhr war der Bub ins Sportbecken gesprungen oder gefallen. Seine Versuche, sich aus eigener Kraft über Wasser zu halten, scheiterten. Warum er nicht probierte, den etwa 1,10 Meter entfernten Beckenrand zu erreichen, das kann die Medizinerin genausowenig wie die Juristen nachvollziehen. Anhand der Luftblasen zeigt sich, dass der Zehnjährige gegen 16.37 Uhr unter Wasser ausgeatmet und in der Folge Wasser eingeatmet haben muss. „Da setzt der Ertrinkungsvorgang ein“, sagte Zinka. „Ab dem Zeitpunkt geht man von einer Lungenschädigung aus. Ob er da noch zu retten gewesen wäre, ist fraglich.“

Tragisch bleibt, dass der Bub in der Folge bewusstlos auf den Boden sank und dort erst etwa acht Minuten später von einer Frau heraufgezogen wurde. Da hatten auch die Bademeister bemerkt, dass etwas nicht stimmt, und sofort eingegriffen. Vorher waren sie mit anderen Gefahrensituationen auf dem gut 40.000 Quadratmeter großen Areal mit seinen acht Wasserflächen beschäftigt gewesen. Ein riesiges Gelände, für das zum Unglückszeitpunkt jeweils zwei Mitarbeiter pro Schicht zuständig waren.

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