Musste einen langen, harten Kampf bis zum Tod ertragen: ein von Hunden gerissenes Rehkitz in Oberammergau.
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Musste einen langen, harten Kampf bis zum Tod ertragen: ein von Hunden gerissenes Rehkitz in Oberammergau.

Wild hatte langen und harten Todeskampf

Blutbad im Schnee: Wildernde Hunde beißen Rehkitz zu Tode - Harter Todeskampf - Jäger entsetzt

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Blutbad am Oberammergauer Altherrenweg: Wildernde Hunde haben ein Rehkitz gejagt und zu Tode gebissen.

Oberammergau – Das Bild stellt einem die Nackenhaare auf. Die zertrampelte Schneedecke ist vollgesaugt mit Blut. Überall liegen Fellfetzen. Für Dominik Rödel ist sofort klar: Hier hat es einen harten, langen Kampf gegeben. Der Berufsjäger analysiert die Spuren. Er vermutet mindestens zwei Hunde, die hier am Werk gewesen waren. Sie haben in ihrem Jagdtrieb ein kerngesundes Rehkitz, etwa neun Monate alt, qualvoll zu Tode gebissen. Für den Jäger ist auch klar: Dieses Blutbad hätte verhindert werden können.

Rödel entdeckte den geschundenen Tierkadaver am Mittwoch zur Mittagszeit im Bereich Romanshöhweg – Elawiesen in Oberammergau. Der Altherrenweg dort ist eine beliebte Gassistrecke. An schönen Tagen sind bis zu 100 Hunde unterwegs. Wenn da nur einer ohne Leine frei herumläuft und nicht pariert, reiche das schon aus, um das Unglück perfekt zu machen. Deshalb kann Rödel nur einmal mehr an die Vernunft der Hundebesitzer appellieren: „Bitte leint Eure Tiere an.“

Mir geht es überhaupt nicht um den finanziellen Schaden. Mir geht es um das enorme Leid und die Schmerzen, die dem Tier in seinem letzten Kampf zugefügt werden.

Berufsjäger Dominik Rödel

Denn ausgerechnet an dem beliebten Rundweg ist viel Wiesmahd-Fläche. Unter den anliegenden Bäumen findet das Wild selbst bei hohem Schnee etwas zu fressen. Dort sammeln sich die Tiere. Doch wenn einen Hund der Jagdtrieb ereilt und dem Reh hinterher hetzt, hat das Wild so gut wie keine Chance in der kalten Jahreszeit. Im Winter tun sie sich schwer, vor Gefahr davon zu laufen. Der Schnee ist hoch. Mit ihren Hufen kommen sie nur sehr langsam voran – anders als ein Hund. Mit den breiten Pfoten rast er leichter über die weiße Decke, holt das fliehende Wild schnell ein. Dann beginnt das Massaker. Wie am Mittwoch.

Im April wäre aus dem Kitz ein Rehbock geworden, bedauert Rödel. „Es war kerngesund, gut beinander.“ Es musste lange kämpfen, was das viele Blut, die unzähligen Pfoten und das ausgerissene Fell belegen. Erst mehrere Bisse in den Kehlkopf haben das lange Leiden des Rehs beendet.

Schon im vergangenen Jahr haben Hunde mindestens sechs Wildtiere tot gebissen

Es ist nicht Rödels erster grausiger Fund. Bereits im vergangenen Jahr sind sechs Wildtiere nachweislich von Hunden gerissen worden. Durchschnittlich sind es zwei bis drei Tiere im Jahr. Ein Herrchen hat sich noch nie bei ihm gemeldet im Nachhinein. Wobei es oft ganz offensichtlich sein müsste, dass der Vierbeiner gewildert hat – schließlich bleibt das Blut des Wilds auch im Fell des Hundes kleben. „Mir geht es überhaupt nicht um den finanziellen Schaden“, sagt der Berufsjäger. Die 250 Euro pro Wild sind ihm egal. „Mir geht es um das enorme Leid und die Schmerzen, die dem Tier in seinem letzten Kampf zugefügt werden.“

ZEUGENAUFRUF

Die Polizei hat sich wegen der Jagdwilderei in Oberammergau eingeschaltet. Sie bittet um Hinweise: Wer hat zwischen dem 19. und 20. Januar im Bereich Romanshöhweg – Elawiesen etwas beobachtet? Zeugen sollen sich an die Inspektion Oberammergau unter der Telefonnummer 0 88 22/94 58 30 wenden. In diesem Zusammenhang appelliert die Polizei an die Hundebesitzer, sich dringend an die Leinenpflicht in diesem Bereich zu halten.

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