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Ein junger Wolf, der vor wenigen Wochen sein Rudel verlassen hat, zieht offenbar durchs Ammergebirge.

Jäger entdeckt Spuren im Bereich Hörnle/Aufacker

Der Wolf ist da!

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Der Wolf hat den Landkreis Garmisch-Partenkirchen für sich entdeckt: Im Bereich Hörnle/Aufacker wurden Spuren gesichtet, die eindeutig auf den Beutegreifer hinweisen. Sollte er nicht nur durchziehen, sondern sesshaft werden, dann wird es aber zu Problemen mit den Almbauern kommen.

Wolfs-Spuren im Schnee: Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky geht davon aus, dass ein junges Tier im Bereich Hörnle/Aufacker unterwegs war.

Bad Kohlgrub/Oberammergau - Es ist eine kleine Sensation. Eine, die Ulrich Wotschikowsky begeistert. Ein Jäger hat am Montag im Bereich Hörnle/Aufacker Spuren entdeckt, die dem Wildbiologen zufolge „eindeutig auf einen Wolf hinweisen“. Charakteristisch für das Raubtier ist der „geschnürte Trab, das heißt, ein Tritt wird hinter den anderen gesetzt, wie eine aufgereihte Perlenschnur“. Gut 800 Meter hat er die Spur verfolgt, gemessen, Fotos gemacht und eine Urinprobe genommen. „Alle Indizien sprechen für einen Wolf“, betont der Oberammergauer. Endgültige Gewissheit gibt’s jedoch erst, wenn die Probe am Senckenberg-Institut in Frankfurt untersucht wurde. Die Experten dort können nicht nur feststellen, ob es sich um einen Wolf handelt, sondern auch, ob es ein männliches oder weibliches Tier ist. Anhand der DNA lasse sich außerdem erkennen, aus welcher Region der Vierbeiner kommt, erklärt Wotschikowsky. „Die Auswertung dauert aber einige Wochen“.

Der Forstwissenschaftler, der früher bei der Wildbiologischen Gesellschaft in Linderhof gearbeitet hat, ist ein gefragter Wolfsexperte. Einer der Ansprechpartner für große Beutegreifer. Deshalb wandte sich der Jäger mit seiner Entdeckung auch gleich an ihn. „Ich habe dann zuständigkeitshalber das Bayerische Landesamt für Umwelt informiert.“ Der 77-Jährige geht davon aus, dass die Spuren von einem Jungtier stammen. Einem, das erst vor wenigen Wochen sein Rudel verlassen hat und sich auf Wanderschaft befindet. „Der nächstliegende Verdacht ist, dass es aus dem Süden, aus der Schweiz kommt, wo’s drei Rudel gibt.“ Möglicherweise erblickte es im Calanda-Massiv im Grenzgebiet der Kantone Graubünden und St. Gallen das Licht der Welt. Im Alter von zehn Monaten bis zwei Jahren verlassen die jungen Wölfe den Familienverband – auf der Suche nach einem Partner und einem eigenen Territorium. Ob das Tier, das im Hörnlegebiet unterwegs war, tatsächlich im Landkreis heimisch wird, kann niemand sagen. Zumal es 40 bis 50 Kilometer am Tag zurücklegt.

Groß wie der Handteller eines Mannes: die Spur des Wolfs.

Darauf, dass der Wolf längst weitergewandert ist, hofft Josef Glatz. Der stellvertretende Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern und Bezirksalmbauer im Landkreis, gibt sich noch gelassen. Bisher sind schließlich nur Spuren gesichtet worden. Und noch steht die Untersuchung der Urinprobe aus. Außerdem halten sich noch keine Tiere auf den 48 Almen in seinem Zuständigkeitsbereich. Zwischen Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen und Bad Kohlgrub werden 2600 Rinder sowie fast 2400 Schafe und Ziegen aufgetrieben – glücklicherweise verlassen sie aber erst im Mai ihre sicheren Ställe. Taucht dann ein Wolf auf, ist guter Rat teuer. Die Almen vor dem Beutegreifer zu schützen sei unmöglich, unterstreicht Glatz. In der Schweiz und in Frankreich hat er sich schon informiert, wie die Landwirte dort mit der Bedrohung umgehen. Nichts davon lasse sich im Werdenfelser Land umsetzen. Deshalb vertraut er darauf, dass das Tier, das sich im Ammergebirge herumtrieb, nicht mehr vor Ort ist. „Würde tatsächlich ein Rudel bei uns sesshaft, dann wird ein Miteinander schwierig.“

Dieser Konflikt ist auch Nikolaus Stöger, Leiter des Forstbetriebs Oberammergau bewusst. Er nimmt alle Seiten ernst – als neutraler Beobachter. Denn nicht die Staatsforsten, sondern das Landesamt für Umwelt hat hier „das Heft in der Hand“.

Wotschikowsky weiß ebenfalls, dass die Spuren, die ihn so begeistern, bei anderen weniger Euphorie hervorrufen. Gerade bei Bauern. „Schafe sind schließlich leichte Beute für Wölfe.“ Allerdings müsse mittlerweile jedem bewusst sein, dass ein Zuzug nur eine Frage der Zeit ist. Der Aktionsradius sei jedoch enorm, „der kann sich beispielsweise aufs ganze Ammergebirge erstrecken“. Darauf, eines dieser Tiere, die ihn so faszinieren, in seiner Heimatregion zu treffen, wartet der Wildbiologe schon lange. „Endlich muss ich ihm nicht mehr nachreisen“, sagt er schmunzelnd. Bislang war er vor allem in den neuen Bundesländern in Sachen Wolfsmanagement aktiv.

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