Ein Leben für die Musik: Rochus Dedlers Todestag jährt sich nächstes Jahr zum 200. Mal.
+
Ein Leben für die Musik: Rochus Dedlers Todestag jährt sich nächstes Jahr zum 200. Mal.

Corona-Verschiebung sorgt für Schwierigkeiten

Oberammergau: Würdige Feier für Rochus Dedler trotz Passion 2022

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
    schließen

Nächstes Jahr jährt sich der Tod von Rochus Dedler zum 200. Mal. Der Komponist gilt als Vater der Passionsmusik. Da das Gelübdespiel allerdings wegen der Corona-Pandemie ebenfalls auf 2022 verschoben werden musste, gestalten sich die Planungen als äußerst schwierig.

Oberammergau – Es ist einer der großen Gänsehaut-Momente des Gelübdespiels. Jesus zieht auf seinem Esel in Jerusalem ein. Ein ganzes Volk singt „Heil dir“. Die Hymne Oberammergaus, die jedes kleine Kind auswendig mitsingen kann. Die sogar 2020 am Palmsonntag vom Kirchturm erklungen ist. Gemeinsam mit „Halleluja“ sind das die letzten zwei Musikstücke der Passion, die noch original vom Komponisten Rochus Dedler (1779 bis 1822) stammen, dem Vater der Passionsmusik. Nächstes Jahr am 17. Oktober jährt sich dessen Todestag zum 200. Mal.

Oberammergau will ihm gedenken. Die Fraktion der Freien Wähler (PWG) machte kürzlich mit einem Antrag an die Gemeinde Druck, um die Planungen nicht aus den Augen zu verlieren – trotz der Herausforderung, die Corona den Ammertalern beschert hat. Durch die Verschiebung auf 2022 fällt die Passion und das Jubiläumsjahr Dedlers zusammen. Doch eine würdige Feier soll Dedler auf jeden Fall erhalten. „Nur ist noch nicht ganz klar, wie“, sagt Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) in der Sitzung des Gemeinderats.

Wissenschaftliche Aufarbeitung und Ausstellung im Museum Oberammergau geplant

Doch ist er wie viele andere guter Dinge. „Auch wenn wir alle in den Planungen zur Passion stecken, wird das Jubiläumsjahr nicht zu kurz kommen“, verspricht Walter Rutz vom Eigenbetrieb Kultur. Unter anderem ist eine Ausstellung im Oberammergau Museum geplant. Sein Wirken und Leben soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Da Dedler hauptsächlich für seine Kompositionen bekannt ist, spielt seine Musik natürlich die größte Rolle im kommenden Jubiläumsjahr.

Markus Zwink möchte unbekannte Stücke von Dedler veröffentlichen

Markus Zwink, musikalischer Leiter der Passion, hat bereits grobe Vorstellungen. Er weiß, dass noch viele Werke des Komponisten im Archiv schlummern. Stücke, die noch nie veröffentlicht wurden, die noch kein Mensch gehört hat. „Wir könnten sie aufführen“, schlägt Zwink vor. An einem Festabend, bei Messen. „Möglichkeiten gäbe es viele.“ Doch müssen die originalen Notenblätter zuerst „übersetzt“ werden. „Die meisten Musiker heute könnten sie gar nicht mehr lesen.“ Eine Fleißaufgabe, der sich Zwink persönlich annehmen wird. Die Veranstaltungen werden allerdings nicht mehr im Oktober 2022 stattfinden. Da brauchen alle eine Pause nach dem Mammut-Ereignis. Er visiert deshalb den Dezember an. „Schließlich ist es ein ganzes Jubiläumsjahr.“

Wie viel Dedler steckt noch in der Passionsmusik?

Doch wie viel Dedler steckt eigentlich noch in jener Musik, die bei der Passion zu hören sein wird? Bis auf die zwei Meisterwerke „Heil dir“ und „Halleluja“ ist Dedlers Komposition über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg überarbeitet, ergänzt oder gar in Teilen weggelassen worden. „Gut die Hälfte trägt schon noch deutlich Dedlers Handschrift“, sagt Zwink. Die andere Hälfte stammt von ihm. Zur Passion 2000 und 2010 hat der Musiker viel neu komponiert. „Doch ist Dedlers Komposition stets die Grundlage gewesen.“ Schon früher haben die zuständigen Komponisten deutlich Hand angelegt. „Die ursprünglichen Stücke waren stellenweise zu fröhlich, passten nicht zur Dramaturgie“, erklärt Zwink.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare