Jährlich 40 Gams werden am Laber geschossen. Zu wenig?

Zuviel Gamswild am Laber: Schutzwaldprojekt gefährdet

Oberammergau - Starken Verbiss an jungen Pflanzen stellen Experten im Schutzwald am Laber in Oberammergau fest. Nun soll die Bejagung von Gams verstärkt werden.

Tosende Naturgewalten kennt man in der Region nicht nur vom Fernsehen her: Hagel-Unwetter, Murenabgänge, Hochwasser und Felsstürze kommen im Ammertal immer wieder vor - gottlob sind bislang keine massiven, lang anhalenden Schäden aufgetreten. Doch es gilt, auf der Hut zu sein und Vorkehrungen zu treffen, dass Schadensereignisse keine gravierenden Folgen haben. Wie zum Beispiel beim Hochwasserschutz für die Große Laine in Oberammergau (wir berichteten).

Nicht weniger gering ist das Gefährdungspotenzial an der Nordseite des Laber mit seinen Seitenbächen sowie die Bereiche Schaffelberg und Bärenhöhle: Dieses Gebiet stuft das Amt für Landwirtschaft in Weilheim mit der Gefahrenstufe 2+ (von 3) ein, und so hat der Laber auch Priorität 1, wo Maßnahmen dringend geboten sind. Vor dem Gemeinderat gaben nun Markus Hildebrandt und Dr. Klaus Wagner einen Sachstand zum „Schutzwaldprojekt Laber“ sowie zur 2009 „gestarteten Bergwaldoffensive Oberammergau“ (wir berichten noch). Das Fazit aus Sicht der Experten: Es ist in der Vergangenheit einiges geschehen, doch gibt es nach wie vor Hemmnisse und Hürden. Hildebrandt vor den Lokalpolitikern: „Wir müssen hier am Ball bleiben, unbedingt.“

Erste Maßnahmen zur Sanierung des Schutzwalds am Laber gehen bereits auf das Jahr 1994 zurück: Bis 1998 pflanzte man dort 33 000 junge Bäume. Doch wurde die Sanierung dann aufgrund von erheblichen Wildschäden und Problemen mit der Jagd eingestellt. So richtig packten die verantwortlichen Stellen in dem auf 53 Hektar vergrößerten Gebiet erst wieder vor zwei Jahren an - mit Schutzwaldpflege, Neuanpflanzungen, Gleitschnee-Verbauungen, Zäunen und Steigbau. 1000 junge Fichten, 2000 Lärchen und 2000 Grünerlen fanden hier einen Standort. Das Amt für Landwirtschaft investierte eine Summe von 42 000 Euro, aufgeteilt auf Gemeindewald (12 000 Euro) und Flächen der Privatwaldgemeinschaft (30 000 Euro).

Soweit so gut. Eine sogenannte „Erfolgskontrolle“ brachte schließlich ein eher ernüchterndes Ergebnis. Man steht - wieder - am Scheideweg. Markus Hildebrandt fordert kategorisch: „Ohne ein schlüssiges Jagdkonzept kommen wir hier nicht weiter. Der Verbiss ist nach wie vor groß und daher muss vor allem der Bestand des Gamswildes reduziert werden, sonst ist das Sanierungsziel eines funktionierenden Schutzwaldes nicht erreichbar.“ Wieviel Gams es derzeit insgesamt in dieser Region gibt, darüber lässt sich nur spekulieren. In den letzten fünf Jahren sind im Jahr rund 40 Stück geschossen worden, doch es sind offenbar noch immer zuviel. Eine scharfe Bejagung unterhalb von 1300 Metern sei wünschenswert: „Wir müssen das Wild aus den kritischen Bereichen rausbringen.“

Ob und wie sich hier ein tragbarer Zustand erreichen lässt, ist derzeit offen. Hildebrandt betonte im Gemeinderat, dass jagdliche Bemühungen vorhanden seien, die aber noch nicht oder zu langsam greifen. Weitere Neupflanzungen seien jedenfalls zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zu verantworten.

Dr. Klaus Wagner, ebenfalls vom Amt für Landwirtschaft und zuständig für das Projekt Bergwaldoffensive, stellte klar, „dass niemand die Gams ausrotten will“, aber man müsse mit den Wildzahlen einfach runter, um den Schutzwald am Laber zu stärken. Der in der Ratssitzung anwesende Zuhörer Herbert Köpf schlug vor, um ein Hochkommen der jungen Pflanzen zu erreichen, diese regelmäßig zu teeren.

Ludwig Hutter

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