Oberammergau Tourismus: Auflösung vollzogen

Oberammergau - Elf Jahre lang waren die Kompetenzbereiche in der Gemeinde Oberammergau aufgespalten - seit dem 1. Januar 2012 werden alle Betriebe wieder unter einem Dach geführt.

Es sollte vieles besser werden. Um „Arbeitsprozesse optimal zu gestalten“ und „klare Verantwortlichkeiten nach innen und außen zu schaffen“, hatte der Gemeinderat von Oberammergau im August 1998 mehrheitlich die Einführung von Oberammergau Tourismus (OT) als Eigenbetrieb der Gemeinde zum 1. Januar 2000 beschlossen. Die Kommunalpolitiker um den damaligen Bürgermeister Klement Fend trafen ihre Entscheidung seinerzeit auch aufgrund eines Gutachtens des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr. Darin sprachen sich die Berater für eine klare Trennung von Kernverwaltung und Tourismusbereich aus.

Neben einer allgemeinen Verwirrung um Zuständigkeiten und Verantwortung innerhalb der Rathausverwaltung sowie bei Bürgern lernte das „Baby OT“ nie richtig laufen. So zog 2010 Werkleiter Alfons Gerl eine ernüchternde Bilanz des Konstrukts: „Manches hat sich durch OT sogar schlechter entwickelt. Vorteile der Doppelstrukturen waren nicht erkennbar.“ Die Freien Wähler im Gemeinderat stellten bereits im Februar 2009 einen Antrag auf Auflösung von Oberammergau Tourismus.

Dazu ist es nun auch gekommen: Mit dem Jahreswechsel wurde OT in die Hoheit der Gemeinde zurückgeführt, und ist seit 1. Januar 2012 wieder ein kommunaler Regiebetrieb. Das heißt, dass alle Betriebe - auch Wellenberg, Museum, Passionstheater, Ammergauer Haus, Kleines Theater, etc. - wieder unter einem Dach firmieren.

Mit diesem Schritt brechen indes nicht plötzlich rosigere finanzielle Zeiten an, wie Bürgermeister Arno Nunn klarstellt: „Das Defizit ist deswegen nicht weg. Rein steuerlich gesehen bedeutet die Rückführung aber keine Schlechterstellung.“ Der Rathauschef will weiter auf die Kostenbremse treten, wie er auch im Rahmen der Bürgerversammlung erklärte: „Das Personal von OT konnte um vier Mitarbeiter sowie um die Stelle des Werkleiters mit dem Ausscheiden von Alfons Gerl verringert werden. Diesen Kurs müssen wir beibehalten.“

Nunn glaubt auch, dass es in Oberammergau keines weiteren Werkleiters bedarf. Teile des Gemeinderates sehen dies jedoch etwas anders: Sie plädieren für die Einstellung eines neuen Experten mit Schwerpunkt Marketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung, um den Bürgermeister und die Verwaltung im Rathaus zu entlasten. In dieser Position war nach der Ära Gerl bereits Sebastian Gries tätig, doch der Schwarzwälder verabschiedete sich nach nicht einmal einem halben Jahr wieder.

(hut)

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