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Die Rückkehr des Wolfs spaltet die Menschen: Halter von Nutztieren sehen in ihm eine latente Gefahr.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein ideales Jagdgebiet?

Expertin: "Der Wolf wird kommen!"

Ammertal - Eine eindeutige Aussage machte die Biologin Kerstin Tautenhahn bei einem Vortrag in Bad Bayersoien: "Irgendwann wird der Wolf auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auftauchen."

In drei wesentlichen Aussagen fasste Tautenhahn ihr hochinteressantes Referat zusammen: „Also 1.: Der Wolf wird kommen. 2.: Es gibt Möglichkeiten, Nutztiere wie Schafe zu schützen, zum Beispiel durch Herdenschutzesel und Hunde. Und 3.: Es wird trotzdem Konflikte geben, die nur mit Kompromissen zu lösen sind.“

Auf Einladung des Kunst- und Kulturvereins Bad Bayersoien war die Biologin, die bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Abteilung Schafzucht, in München tätig ist, in die Gunklstube nach Soien gekommen, um dort vor rund 50 Interessierten über die Rückkehr der Wölfe in unsere Region zu referieren. Ganz bewusst trug ihr Vortrag den Titel „Herausforderung Wolf“. Ob es im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bereits einen Wolf gebe, sei nicht belegt. In diesem Kreis gebe es aber die größte kleinflächige Schafalpzucht in Bayern. Für den Großbeutegreifer Wolf sei das, so Kerstin Tautenhahn, leider ein ideales Jagdgebiet. Wenn er es findet. Bisher hat er es anscheinend noch nicht entdeckt . . .

Mit der Zunahme der sogenannten „Fotofallen“ in Bayern haben auch die Wolfsichtungen zugenommen. Die Expertin: „Es gibt aber auch mehr Rissbeobachtungen und Losungsuntersuchungen. Daraus lässt sich schließen, dass es immer mal wieder seit gut zehn Jahren Wölfe in Bayern gibt. Und: Es werden mehr.“ Zur Zeit handle es sich aber immer nur um die Wahrnehmung von Einzeltieren, die Existenz eines wild lebenden Rudels in Bayern sei nicht belegt. Die Tiere kämen aus den südlichen und östlichen Nachbarländern, aus allen Richtungen. „Manche wandern durch, manche werden überfahren, andere sterben auf natürliche Weise oder verschwinden irgendwie.“

Die Biologin zeigte anhand der Zahlen und Untersuchungen, die Naturschutz- und Tierschutzverbänden, Behörden und bäuerlichen Interessensvertretungen vorliegen, genau auf, „wo es zu Konflikten kommen wird, wenn der Wolf auf das Schaf trifft“. Hierzu lägen entsprechende Erkenntnisse aus Frankreich, Italien und der Schweiz vor. Ein Vorgeschmack war in der Gunklstube zu erleben. Ein Schafzüchter aus dem Ammertal trug sehr engagiert und emotional vor, was er von Wildtiermanagement und Tierschutz in der Causa Wolf halte: „Ein Riesenschmarrn ist das! Eine sinnlose Geldverschwendung!“ Der Referentin war diese klare Position nicht unbekannt, weswegen sie auch souverän den Ball aufnahm und sehr differenziert aufzeigen konnte, welche Konflikte es in einer bäuerlichen Kulturlandschaft geben werde.

So sei ungeklärt, wie Artenschutzprogramme für seltene Bergschafrassen mit einer Gesamtpopulation von unter 100 Exemplaren in Übereinstimmung zu bringen seien mit dem Artenschutzgesetz für den Wolf: „Hier sind die Behörden und letztendlich die Politiker gefordert.“ Auch die touristischen Interessen und die Freizeitaktivitäten spielten eine Rolle.

Für die Zuhörer, unter ihnen der bekannte Wildtierbiologe Ulrich Wotschikowsky, brachte dieser Abend das klare Ergebnis, dass es keine große Überraschung mehr ist, wenn der Wolf eines Tages Landkreis-Boden betritt.

Uwe Reineke

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