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Der ganze Stolz von Jörg Pollack - sein roter Dodge Ram 3500. Wenn er damit durchs Ammertal steuert, zieht er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Ein verrücktes Hobby: Jörg Pollack besitzt einen Dodge Ram Truck

Liebe auf den ersten Blick

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Saulgrub - Wo er auch auftaucht mit seinem „roten Geschoss“, zieht Jörg Pollack alle Blicke auf sich . . .

Sein Hobby ist 6,30 Meter lang, 2,50 Meter breit, 2,45 Meter hoch – und rot. Einige finden es angeberisch, spinnert, andere genial und geil. Wenn etwas gerichtet werden muss, sind schnell mal 1000 bis 2000 Euro fällig. Der Schatz von Jörg Pollack in Chrom und Sound ist ein Dodge Ram Truck, also ein Fahrzeug der etwas ausgefalleneren Sorte, ein Automobil-Modell (Pick-up), wie es vorrangig in den USA und Kanada gefahren wird. „Mich kennen nicht soviele Leute im Ammertal, mein Auto aber schon“, erzählt der Saulgruber, der sich vor zwei Jahren diesen „Schlitten“ zugelegt hat. Geschätzt nicht viel mehr als ein Dutzend dieser US-Car-Modelle, glaubt Pollack, dürfte im Landkreis unterwegs sein.

400 PS unter der Haube

Ein paar mehr gab es im November auf dem Nürburgring zu bestaunen. Angesagt war ein Weltrekordversuch mit möglichst vielen Ram-Trucks. Mit dabei, der Saulgruber Jörg Pollack mit seinem roten Dodge Ram 3500. Und tatsächlich gelang es, den Amerikanern die bisherige Weltbestleistung (638 Autos) zu entreißen. Am Ende schlängelte sich ein Tross von 1152 Fahrzeugen mit einer Gesamtlänge von elf (!) Kilometern über die Rennstrecke. „Ein Wahnsinns-Erlebnis“, schwärmt der Saulgruber noch heute von diesem Event: „Hier dabei gewesen zu sein, war für mich der absolute Höhepunkt des Jahres.“

Über eine Kfz-Anzeige bei ebay ist der 53-Jährige 2014 auf sein rotes Juwel aufmerksam geworden, nachdem er zuvor 20 Jahre lang „normale Jeeps“ gefahren hatte. Voller Freude holte er seinen acht Jahre alten, aber bestens gepflegten 3,5-er Dodge Ram in Hannover von einem privaten Auto-Freak ab: „Es hat sofort gefunkt und war quasi Liebe auf den ersten Blick“, zieht Pollack eine Parallele zu menschlichen Rendezvous. Wieviel Scheine der Saulgruber für die Sechs-Zylinder-Kiste mit 400 PS Leistung hingeblättert hat, will er nicht verraten. Neue Dodge Rams kosten in der Regel um die 70 000 bis 80 000 Euro.

Alte Damen kommen ins Schwärmen

Mitunter spürt der Auto-Fan, wenn er zum Einkaufen im Ammertal unterwegs ist, fragende und neidische Blicke bei Passanten: „Es ist mein großes Hobby. So wie andere Leute Geld für Sport und Unterhaltung ausgeben, ist’s bei mir halt mein Truck. Ich hab ihn mir auch erarbeiten müssen.“ Unbeaufsichtigt lässt Jörg Pollack seinen roten Pick-up selten, denn manchmal hat er schon unangenehme Erfahrungen mit Sachbeschädigungen gemacht. „Zu mir sind aber auch schon alte Damen gekommen, die ganz weg waren von dem Wagen und gemeint haben, dass das endlich mal ein gescheites Auto sei.“ Die Frage, die Pollack am öftesten gestellt wird: Wieviel Sprit braucht der Wagen? „Der Diesel-Verbrauch liegt zwischen 15 und 25 Litern auf 100 Kilometer. Da geht schon ordentlich Geld drauf.“

Treffen 2017 in Saulgrub

Dafür gerät der leidenschaftliche Ram-Fahrer regelrecht ins Schwärmen, wenn er sich ans Steuer seines Mega-Pick-ups mit Schaltgetriebe und geschlossenem Aufbau setzt: „Sound und Fahrgefühl sind nicht zu beschreiben, einfach Wahnsinn.“ Wenn er mal länger am Stück unterwegs ist, wird’s auch anstrengend: „Man muss ständig auf den Gegenverkehr aufpassen, denn der Dodge hat Lkw-Breite. Da kann schnell mal ein Randstein in die Quere kommen.“ Im Winter, da wird das rote Ungetüm eingemottet: „Ich fahre den Ram nur von April bis spätestens November. Das Salz wäre Gift.“ So ist Jörg Pollack derzeit mit einem stinknormalen Opel Zafira unterwegs. Je näher jedoch das Frühjahr rückt, umso stärker fängt bei dem 53-Jährigen das Kribbeln an: „Ich kann es kaum erwarten, bis ich mich wieder reinsetzen kann.“ Nächstes Jahr will der Auto-Liebhaber übrigens auch die Saulgruber an diesem Virus teilhaben lassen: „Ich plane im Mai ein Dodge-Ram-Treffen im Dorf, das soll ein richtiges kleines Fest werden. Wieviel Wagen kommen, weiß ich nicht, vielleicht 20 oder auch 100.“ Auf jeden Fall wird es ein Wiedersehen mit Gleichgesinnten: „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, wie eine Familie.“ Eine große, leicht verrückte Auto-Familie . . .

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