Frau bekam Gewissensbisse

Vergewaltigung im Fasching frei erfunden

Ammertal - Sie hat gelogen: Eine Ammertalerin (21) musste sich  wegen der  Vortäuschung einer Straftat vor Gericht verantworten. Das Urteil fiel glimpflich aus. 

Der Vorwurf war gravierend: Auf vielen Seiten gab eine 21-jährige Ammertalerin bei der Polizei zu Protokoll, vergewaltigt worden zu sein. Kurze Zeit später gestand die junge Frau aber ihrer Mutter, dass die ganze Geschichte nur ihrer Fantasie entsprungen ist, alles frei erfunden war. Deshalb musste sie sich jetzt wegen Vortäuschng einer Straftat vor dem Jugendrichter in Garmisch-Partenkirchen verantworten. Nur weil sie mittlerweile zu einer Psychotherapie angemeldet ist, kam die derzeit arbeitsunfähige Frau glimpflich davon.

Am 21. Oktober des vergangenen Jahres, führte Staatsanwalt Thomas Hillmeier aus, sei die Ammertalerin bei der Murnauer Polizei erschienen. Dort habe sie erklärt, dass sie im Fasching vergewaltigt worden sei: Ein verkleideter Mann habe sie zu seinem Auto mitgenommen, dort dann gewürgt und geschlagen, bis sie benommen gewesen sei. Anschließend habe er sie dann missbraucht und unter Drohungen dazu gebracht, niemandem etwas zu sagen. Nur acht Tage später wiederholte sie ihre Geschichte dann sogar bei der Kriminalpolizei in Garmisch-Partenkirchen – und zwar derart detailreich, dass das Protokoll nach Auskunft des Richters 40 Seiten umfasste.

Weil sie anschließend aber erhebliche Gewissensbisse bekam, gestand die Ammertalerin einige Zeit danach ihrer Mutter die erfundene Geschichte. „Denn ich habe überlegt, was machst du denn da eigentlich?“ Auf Veranlassung der Mama rief sie daraufhin erneut die Polizei an und wollte ihre Anzeige gegen Unbekannt wieder zurückziehen. Doch damit war jetzt aus dem angeblichen Gewaltverbrechen das Vortäuschen einer Straftat geworden – und mit Anwalt Thomas Wiezorrek (Murnau) saß die Frau nun auf der Anklagebank. „Was ich gesagt habe, war ein totaler Schmarrn“, sagte sie. „Und den von mir beschriebenen Mann kenne ich gar nicht, eigentlich stimmt überhaupt nichts.“

Es komme recht oft vor, meinte der Richter, „dass junge Damen zur Polizei gehen und derlei Geschichten erzählen, was umso schlimmer ist, wenn sie dabei auch noch eine konkrete Person beschuldigen“. Schließlich stellte er das Verfahren ein, verhängte aber auf Empfehlung der Jugendgerichts-Gutachterin Petra Steinsky als erzieherische Maßnahme 32 Stunden Sozialarbeit – „möglicherweise, um in einem Seniorenheim den Bewohnern Gesellschaft zu leisten“, erklärte der Richter. Obendrein soll die begonnene Psychotherapie fortgesetzt werden.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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