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Keine bayerische Küche mehr im Dorfzentrum

Bad Kohlgrub: Abschied von drei Wirtshäusern

Bad Kohlgrub - Das gastronomische Angebot in Bad Kohlgrub wird sich verändern: Der Ratskeller, das Kurpark-Restaurant und der Heimgarten schließen.

Wenn Bürger und Gäste Pech haben, können sie sich ab Mitte Januar nächsten Jahres im Ortszentrum von Bad Kohlgrub in keinem Wirtshaus mehr bayerische Schmankerl servieren lassen. Der Heimgarten schließt zum 31. Dezember – ein neuer Pächter ist noch nicht gefunden. Nach Heilig- Drei-König sperrt auch der Ratskeller unterhalb der Wandelhalle für immer zu. Und im daneben gelegenen Kurpark-Restaurant könnten bald – vorerst – die Lichter ebenfalls ausgehen. „Wir haben uns um andere Gaststätten beworben, sobald wir einen Zuschlag bekommen, sind wir hier weg“, bestätigt Kurpark-Wirt Michael Kellner auf Nachfrage. Nach „vielen Unstimmigkeiten mit der Gemeinde“ haben er und seine Frau Sabine, wie sie sagen, schlichtweg „keine Lust mehr“. Die Gemeinde werde dem Wirte-Ehepaar entgegenkommen, weil man „Reisende nicht auf aufhalten soll“, versichert wiederum Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei). Sobald in der Verwaltung eine Kündigung vorliegt, „werden wir uns auf die Suche nach neuen Pächtern machen“, erklärt der Rathauschef. Schließlich sei der Kommune daran gelegen, weiterhin ein großes Gasthaus als Angebot für die Einheimischen und Gästen bereitzuhalten: „Aktuell beschäftigen wir sogar zwei Wirte mit zwei Pachtverträgen, die nicht unbedingt erträglich für die Gemeinde sind. Deshalb haben wir beschlossen, nicht länger zwei Lokale in gemeindlichen Räumlichkeiten zu betreiben.“

Der Ratskeller werde deshalb nicht mehr zur Pacht ausgeschrieben, wenn Richard und Ruth Obermeier nach dem 6. Januar aufhören. „Das Gebäude wird ja bekanntlich saniert, damit das Rathaus hier einziehen kann. Da im Mai oder Juni bereits die Bauarbeiten beginnen werden, haben wir uns entschieden, nach den Weihnachtsferien zu schließen“, erzählt der Koch aus Leidenschaft. Seit 45 Jahren übt er diesen Beruf schon aus - wie es jetzt weiter geht, weiß er noch nicht. Klare Zukunftsvorstellungen hat dagegen Robert Raphael Adam, der aktuelle Inhaber, Geschäftsführer und Küchenchef des Gasthofs Heimgarten. „Ich arbeite derzeit 70 bis 80 Stunden in der Woche. Da ich Ende des Jahres zum ersten Mal Vater werde, möchte ich so einem zeitintensiven Job nicht länger nachgehen.“ Stattdessen werde er sich wieder im Parkhotel in Bad Bayersoien anstellen lassen, wo er schon vor der Übernahme des Heimgartens im März 2015 tätig war.

Adam muss einräumen, dass Bad Kohlgrub „nicht das einfachste Pflaster für Kleinunternehmer“ sei. Außerdem sind wir etwas speziell, haben kein Schnitzel auf der Speisekarte.“ Da sei die Unterstützung von Seiten der Einheimischen sehr gering gewesen. Die Brauerei Karg – der das Gasthaus gehört – ist jedoch bestrebt, so schnell wie möglich einen Nachfolger für Adam zu finden. „Spätestens an Ostern soll im Heimgarten wieder geschlemmt werden können“, berichtet der scheidende Pächter. Wenn also das Ehepaar Keller in München oder in der Region Miesbach demnächst ein neues Lokal pachtet, gibt es im Kurort am Fuße des Hörnles vorübergehend nur noch im Jägerhaus und in der Guggenberg Alm gutbürgerliche, bayerische Küche. Beide Gaststätten sind jedoch äußerst abgelegen am Ortsrand positioniert. Im Ortskern hält künftig nur noch Paulis Bistro einiges für den kleinen Hunger bereit. Und dann gibt es ja auch noch ein italienisches sowie ein indisches Restaurant – die sich beide großer Beliebtheit bei Einheimischen und Urlaubern erfreuen.

Michaela Feldman-Kirschner

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