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Oberammergau trennt sich von traditionellen Arrangement-System

Streit um Passions-Vertrieb: Widerstand vom Handel

Oberammergau - Mit Unterschriftenlisten will der Einzelhandel gegen die Entscheidung protestieren, dass die Gemeinde keine Passions-Pakete mehr verkaufen will. Angst vor einem Bürgerbegehren hat Bürgermeister Arno Nunn aber nicht.

Immer dann, wenn ein Thema die Oberammergauer aufwühlt, schwebt schnell ein Damoklesschwert über dem Dorf: das nächste Bürgerbegehren. Ein solches wäre zum Thema Passions-Vertrieb prinzipiell denkbar. Schließlich sorgt die Entscheidung des Gemeinderats, den reinen Ticket-Verkauf auszuschreiben, seit einer Woche für Aufregung in dem Ammertal-Ort. Weil der Beschluss die Abkehr von den traditionellen gemeindlichen Arrangements bedeutet. Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) bleibt gelassen – auch wenn Unterschriftenlisten herumgehen. Demnach machen Einzelhändler ihrem Unmut über die jüngste Entscheidung zur Passion 2020 auf diesem Weg Luft. „Davon habe ich auch schon gehört“, sagte Nunn am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Er geht aber davon aus, dass ein Bürgerbegehren zu dem Beschluss wohl nicht zulässig wäre. Eben aus dem Grund, dass der Verkauf von Passions-Arrangements (Eintrittskarte plus Übernachtung plus Restaurantbesuch) einen Ausnahme-Bereich darstellt. „Das ist nicht die originäre Aufgabe einer Gemeinde“, unterstreicht der Verwaltungs-Chef.

2010 hat Oberammergau den Vertrieb über eine eigens gegründete Gesellschaft und das DER-Reisebüro abgewickelt. „Für 2020 würden wir einen neuen Partner brauchen.“ Die Suche hätte über eine europaweite Ausschreibung zu erfolgen. „Wir müssen das wirtschaftlichste Angebot nehmen“, betont Nunn. Und das bedeute nicht, dass man den besten Partner für den Arrangement-Vertrieb hätte. Dies sei ein Punkt bei den Überlegungen im Vorfeld des Gemeinderatsbeschlusses gewesen. Werkleiter Walter Rutz, der für die Passion 2020 verantwortlich zeichnet, weist aber die öffentlich von Hoteliers geäußerten Vorwürfe zurück, dass er von vornherein gegen Arrangements war. „Das stimmt nicht.“ Seiner Überzeugung nach sind die 2010 verlangten Paketpreise von 635 Euro pro Person heutzutage zwar noch auf dem amerikanischen, nicht aber mehr auf dem deutschsprachigen Markt verkaufbar.

Deshalb habe er bei mehreren Workshops mit Gastgebern einen Preis „deutlich unter 600 Euro“ gefordert. Als sich gezeigt habe, dass die Vermieter da nicht mitgehen, habe er rechnen müssen. Denn: Auch bei der Passion 2020 hätten Reiseveranstalter bis zu 90 Tage vor Beginn die Möglichkeit gehabt, abgenommene Arrangements wieder zurückzugeben. Fazit: Es würde sehr viele Unsicherheiten für die Gemeinde geben. Der reine Ticket-Verkauf bedeutet das geringere wirtschaftliche Risiko. Durch den Beschluss, der mit knapper Stimmenmehrheit hinter verschlossenen Türen gefällt wurde, werden die Hoteliers mehr in Eigenverantwortung genommen. Rutz und Nunn können die Ängste, die daraus resultieren, gut nachvollziehen. Sie beruhigen aber dahingehend, dass die Gemeinde durch die Vergabe-Kriterien und die Festlegung der AGBs (allgemeinen Geschäftsbedingungen) die Fäden in der Hand hat. Zum Beispiel bei der Festlegung, an wen die ersten Kontingente gehen. Oder auch, wann sie bezahlt werden müssten. „Da finden wir einen Lösung“, sagt Rutz mit Blick auf Hotel-Besitzer, die viele Tickets kaufen wollen, um selbst Pakete anzubieten. Die Befürchtung, dass nicht alle Restaurants zum Zug kommen, nämlich jene nicht, die weit weg vom Theater liegen, wird nicht geteilt. „Wir haben weit über 4000 Leute im Dorf.“ Die müssten an einem Spieltag versorgt werden. Ein Reiseanbieter oder Gastgeber möchte, dass sich die Kunden wohlfühlen. Deshalb geht er davon aus, dass Verbindungen entstehen werden. Das sei, wie Nunn erklärt, auch vor 2010 der Fall gewesen. „Früher haben sich die Hoteliers selbst einen Gastronomen gesucht.“ Auch seien Internet-Plattformen für die Leistungsträger, zum Beispiel in Kooperation mit den Ammergauer Alpen, denkbar.

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