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Reife Leistung: Applaus gibt’s für das Ensemble der Theaterfreunde Oberammergau. 

“Olympia 2013“ mit viel Lokalkolorit

Mord vor 70 Augenzeugen

Oberammergau - Ein Mord, viele Verdächtige: Beim Dinner-Krimi „Olympia 2030“ durfte das Publikum eifrig rätseln, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Die Theaterfreunde Oberammergau haben es einmal mehr geschafft, das Publikum zu begeistern. 

Dicke Flocken fallen vom Himmel, während es draußen immer dunkler wird. Die Besucher einer gestellten Bürgerversammlung im Gasthof Alte Post können das sanfte Treiben durch die großen Fenster sehen. Gerade wirbt der Bürgermeister des Ortes, Christoph Schwarzgier (Georg Höldrich), mit seiner Frau Renate (Verena Schwarz) für die Olympischen Spiele 2030. Oberammergau soll der Austragungsort sein. Für das Referendum am nächsten Tag will das Bürgermeisterpaar noch rasch weitere Stimmen sammeln. Die beiden haben viele Argumente, aber auch ebenso viele Gegner. Einer ist der Grünen-Politiker Toni Reiterhofer. Er ist bemüht, vor allem den Lebensraum einer seltenen Mückenart erhalten. Schwarzgier will mit einem Werbefilm überzeugen, in dem es genau so schneit, wie draußen. Und mitten in diesem Idyll passiert ein Mord. Unfassbar. Unerwartet. Vor 70 Augenzeugen.

Es sind die Besucher des Krimidinners „Olympia 2030“, das an diesem Abend seine Premiere feierte. Die Autorin Isabella Leicht, die bereits drei Stücke dieser Art geschrieben hat, führte zum ersten Mal selbst Regie. Und dies überaus gelungen. Unter den Besuchern waren einige Wiederholungstäter. Viele gaben an, dies sei ihr bisher bester Krimi gewesen. Nicht zuletzt, weil mit gekonntem Witz Themen verwoben wurden, die den Oberammergauern am Herzen liegen. „Ich mag den lokalen Bezug, wie ihn die Truppe rüber bringt“, bestätigte Martin Lemprecht aus Oberammergau. Er gehört zu einem Quartett der ersten Stunde. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Manuela und dem befreundeten Paar Claudia Hiebler und Harald Ultsch waren sie seit der Gründung der Theatergruppe jedes Jahr bei mindestens einer Aufführung. „Es ist sehr interessant, wie es die Darsteller immer wieder schaffen, so überzeugend in ihre Rollen zu schlüpfen“, sagte Hiebler.

Den aktuellen Dinnerkrimi fanden die vier diesmal besonders lustig. Nicht zuletzt wegen seines umfangreichen Lokalkolorits. Der Bürgermeister spricht beispielsweise von einer Ersatzbepflanzung für die vielen Bäume, die für Olympia gefällt werden müssten. Eine Anspielung auf die Kastanie vor dem Oberammergau Museum. Er träumt vom Ausbau des Wellenbergs zum Wellness-Tempel mit einer Drehsauna und einem Sechs-Sterne-Hotel in der Kiesgrube. Beides will er auch gleich mit einem Glastunnel verbinden. Die Passionsspiele werden ebenso aufs Korn genommen wie der Plan, ein olympisches Dorf am Festplatz zu bauen. „Wenn ich aus meinem Fenster schaue“, verriet die Zuschauerin Petra Weiß, „schaue ich genau auf die Loipe. Wenn ich mir vorstelle, dass da alles zubetoniert werden soll für einen Parkplatz, dann schüttelt es mich.“ Weiß hat die Karten zu Weihnachten geschenkt bekommen. Das Stück berührt sie. Wegen der angesprochenen Themen und der Darsteller, die sie persönlich kennt. „Es ist so faszinierend, wie Marina Kirchmayr die überkandidelte Susi Schneck spielt“, führte sie als Beispiel an. Kirchmayr arbeitet im realen Leben als Heilpädagogin und Lehrerin für Gebärdensprache, doch im Stück mutierte sie zur affektierten Gattin des Schönheitschirurgen Dr. Joachim Schneck, dargestellt von Siegfried Biermeier – seines Zeichens Zahnarzt.

Weitere skurril-verdächtige Gestalten fanden sich neben Reiterhofer beim Skilehrer und Schürzenjäger Charlie (Manfred Schmidbauer) und dem amerikanischen Investor Mister Moneypenny. Er wird gespielt von Berd Voorn, einem Niederländer, der seit 25 Jahren mit seiner Frau Nicole Dassen nach Oberammergau zum „Faulenzen“ kommt. Das Ermittlerduo Doris Deckauf (Sandra Hering) und Tobi Triffnerv (Dominikus Wolf) ermittelte mit Charme und Humor zwischen den Darstellern, von denen jeder ein Motiv hatte.

Für die Zuschauer war es nicht nur ein Spaß, über den Täter und sein Motiv zu spekulieren. Es war auch ein kulinarischer Genuss. Zwischen den Szenen wurde ein reichhaltiges Vier-Gänge-Menü serviert. Zusätzlich bekamen die Gäste Zettel gereicht, auf die sie den potenziellen Täter schreiben sollten. Jetzt waren die Spürnasen gefragt. Man wälzte Parfait und Indizien und spekulierte wild. Die ersten Verdächtigen kristallisierten sich heraus. Wer den Mord schließlich begangen hat, das bleibt an dieser Stelle geheim.

Ein Zuckerl gab’s zum Abschluss. Der Film, der zu Beginn der Aufführung gezeigt, aber aus technischen Gründen unterbrochen wurde, durften die Gäste am Ende genießen. Es handelte sich um eine alte Aufnahme aus den 1930er Jahren. Diese hatte Höldrich aus dem Oberammergauer Archiv ausgegraben und zusammengeschnitten. Er zeigt Aufnahmen vom winterlichen Oberammergau, untermalt mit Chansons aus dieser Zeit. Über zehn Minuten lang schwelgten die Zuschauer in Momenten des Wiedererkennens, und so wurde aus einer kleinen Panne ein nostalgisches Finale.

Beate Berger

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