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Lüftlmalereien wie hier am Pilatushaus in Oberammergau stehen bei asiatischen Reisegruppen immer hoch im Kurs

750 Prozent mehr Übernachtungen

Ammergauer Alpen: Chinesen auf dem Vormarsch

Oberammergau - Ist die Talsohle des Fremdenverkehrs in den Ammergauer Alpen durchschritten? Einiges deutet mittlerweile darauf hin.

Was ist klein, wuselig, mit hoher Stimme, trägt Brille und hat immer einen Fotoapparat umhängen? Kein wirklich schweres Rätsel, das es da zu lösen gilt: Man könnte auf asiatische Touristen tippen. Zum gewohnten Straßenbild in Oberammergau gehörten derlei Auftritte in der Gruppe im vergangenen Jahr. Zählte man in den Ammergauer Alpen 2014 gerade mal 1000 Übernachtungen chinesischer Besucher, so explodierte diese Marke 2015 auf sage und schreibe 13 300 Nächtigungen. Was einer Zunahme von 750 Prozent entspricht. Christian Loth, Geschäftsführer des Tourismusverbunds im Ammertal: „Uns hat das auch überrascht, mit solch’ einem Anstieg hatten wir nicht wirklich gerechnet.“

33 Prozent Zuwachs in Bad Kohlgrub bei den Ankünften

Einen Hauptgrund dahinter sieht Loth hauptsächlich in der verstärkten bayernweiten Werbung: „Der Flughafen München, die Zugspitze und auch Neuschwanstein haben zuletzt viel in China gemacht, das zahlt sich jetzt aus. Die Gruppen aus Fernost sind meist auf Europa-Tour und bleiben bei uns ein, zwei Nächte. Wir liegen da direkt an der Route Paris - London - Salzburg - Wien, das ist super.“ Profitiert von dem chinesischen Reiseboom hat letztes Jahr vor allem Bad Kohlgrub, das bei den Ankünften ein Plus von über 33 Prozent hatte. Quartier bezogen die Asiaten dabei häufig im Hotel Schillingshof, im Kurhaus Lauter und im Bavaria Dream Hotel.

Auch sonst darf Christian Loth zurecht strahlen: Bei den Übernachtungen legten die Ammergauer Alpen um 4,5 Prozent auf über 810 000 zu, was dem besten Wert seit 2008 entspricht. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei den Ankünften aus – um 11,8 Prozent auf über 211 000. Seit Gründung des Tal-Zusammenschlusses im Jahr 2004 gab es nicht solche Bilanzzahlen.

Dass es dem Tourismus im Ammertal mittlerweile „ganz ordentlich geht“, freut Christian Loth, der das Ergebnis auch auf das verstärkte Bemühen der Beherbergungsbetriebe – insgesamt über 600 – zurückführt: „Unsere Gastgeber sind nicht stehengeblieben, viele haben ihre Häuser und Angebote deutlich aufgewertet.“ Hinzugekommen seien neue Ferienwohnungen im Vier- und Fünf-Sterne-Segment: „Die boomen regelrecht. Und da ist der Gast dann auch bereit, sich diese Qualität zu leisten.“ Ein wichtiger Index im Tourismus ist für den Geschäftsführer auch die Wertschöpfung pro Gast, sprich wieviel Geld er in der Region lässt. Bei Privatvermietern waren dies zuletzt 80,60 Euro (2011: 75,10 Euro), bei gewerblichen Betrieben 121,80 Euro (2011: 106,20 Euro). Insgesamt liegt die Wertschöpfung bei 145 Millionen Euro, verteilt auf Gastgewerbe (55 Prozent), Einzelhandel (23,2) und Dienstleister (21,1).

Zurück zum „Run“ der Chinesen auf die Orte im Ammertal im vergangenen Jahr: Sie nehmen bei den ausländischen Gästegruppen mittlerweile mit den 13 300 Übernachtungen den dritten Platz ein. Spitzenreiter sind aktuell die Niederlande (20 800 Übernachtungen), gefolgt von der Schweiz (14 600), USA (11 600) und Großbritannien (11 200). Loth preist die Region zwischen Soier See, Hörnle und Kloster Ettal: „Man kann bei uns als Gast sehr viel unternehmen, auch bei Regenwetter.“ Neue Attraktionen wie der Alpine Coaster verstärkten das Angebot enorm. Wobei: Die chinesischen Gäste haben dafür meist keine Zeit mehr . . .

Ludwig Hutter

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