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Die Vorbereitungen für die neue Straße laufen, Bäume sind bereits gerodet. In den nächsten Wochen soll in Saulgrub eine Behelfsstraße parallel zur Baustelle entstehen.

Das Erdreich entscheidet nun über den Gesamtpreis

Umfahrung Saulgrub: Letzte große Baumaßnahmen

Saulgrub - Alles liegt im Zeitplan: Die letzten großen Baumaßnahmen für die Umfahrung Saulgrub laufen an. Doch wie bei öffentlichen Großprojekten gewohnt, liegen die Kosten über den ursprünglichen Schätzungen.

So richtig tief durchatmen werden Dr. Herrmann Streicher und sein Team erst, wenn die ersten Autos auf der Umfahrung Saulgrub rollen und dieses Mammut-Verkehrsprojekt abgeschlossen ist. Aber den einen oder anderen kleineren Erleichterungs-Schnauferer zwischendurch hat der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim sicher schon gemacht. Schließlich „haben wir schon große Schritte geschafft“. Etwa mit der Eisenbahnbrücke, der Einhausung und der Grundwasserwanne. „Das war alles nicht einfach“ – und hat doch weitgehend problemlos funktioniert. Jetzt aber stehen noch die Straßen- und Erdbauarbeiten an – eine kleine Wundertüte.

Gewerkelt wird dann auf einer Länge von 1,6 Kilometern zwischen der Staatsstraße und der Anbindung an die B23 im Süden auf Höhe des Aura-Hotels. Dort wird, wie berichtet, an der jetzigen Einfahrt die Kuppe bis zu vier Meter abgetragen, die neue Straßenführung verläuft tiefer. Über 100.000 Kubikmeter Erdreich werden dafür bewegt. „Das ist enorm viel“, sagt Streicher. Und es könnte noch mehr werden.

„In den Boden kann man halt nie ganz reinschauen"

„In den Boden kann man halt nie ganz reinschauen, nur nadelstichartig.“ Soll heißen: Die Arbeiter der Tiefbau-Firma Richard Schulz aus Neuburg an der Donau, die im Rahmen der europaweiten Ausschreibung im Januar den Zuschlag erhalten hat, wissen nicht zu 100 Prozent, welches Material sie auf der gesamten Strecke erwartet. „Der Härtefall wäre, dass es gar nicht zu gebrauchen ist“, sagt Streicher. Dann müsste man das schlechte Material aufwändig entsorgen und geeignetes zukaufen. „Aber davon gehen wir jetzt mal nicht aus.“

Schockieren zumindest würde es den Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim nicht. Denn das Material hat den Arbeitern schon einige Sorgen bereitet. Für die 15,5 Meter lange Bahnüberführung etwa mussten 40 Bohrpfähle 15 Meter tief in den weichen, wenig tragfähigen Untergrund gerammt werden. Zudem stießen die Experten später bei der 80 Meter langen Einhausung im Bereich des Kraggenauer Wegs auf „sehr schwierigen Boden“. Viel mussten sie austauschen – was natürlich gleich die Baukosten in die Höhe getrieben hat.

Bislang acht Millionen Euro Mehrkosten

Ursprünglich hatten die Verantwortlichen 23 Millionen Euro für die Umfahrung veranschlagt. Mittlerweile sprechen sie von 31 Millionen. Dieser Betrag steht Streicher zufolge „nach der aktuellen Kostenermittlung“ unter dem Strich.

Die acht Millionen Euro plus haben sich summiert durch „moderate Steigerungen“ bei jedem der einzelnen Bauwerke, durch besagte Bodenprobleme sowie durch generelle Baupreiserhöhungen. Ob die 31 Millionen Euro nun zu halten sind, entscheidet die besagte Wundertüte Erdbau. Denn bei der Grundwasserwanne sind alle problematischen Arbeiten – über 900 Bohrpfähle wurden dafür im Boden verankert – abgeschlossen. Mitte des Jahres soll sie komplett fertig sein.

Und Ende des Jahres sollen die ersten Autos auf der Umfahrung Saulgrub rollen. Dieser Zeitplan galt von Anfang an als ehrgeizig – aber er gilt.

Ende des Jahres soll das Mammutprojekt gefeiert werden

Angesichts des milden Winters liegt die Vermutung nahe, man könnte ihm sogar vorausliegen. Der Hoffnung erteilt Streicher aber eine Absage. Bis kurz vor Weihnachten wurde an der Baustelle zwar voll gewerkelt, im Januar aber stand sie weitgehend still, erst im Februar herrschte wieder Betrieb. Und sollte jetzt im März noch der Wintereinbruch kommen, „wird’s schon wieder enger“. Davon geht Optimist Streicher aber ebenfalls nicht aus. Zumal die Erd- und Straßenarbeiten auch bei niedrigeren Temperaturen und etwas Schnee vorankommen. In den nächsten Wochen entsteht eine provisorische, bis zu 6,5 Meter breite Behelfsstraße. Darüber wird der Verkehr während der Arbeiten parallel zur Baustelle geleitet.

Abgeschlossen werden die Erd- und Straßenbaumaßnahmen, für die noch einmal 4,6 Millionen Euro veranschlagt sind, mit dem Asphaltieren samt Beschilderung und Markierung. Dann wird Streicher richtig tief durchschnaufen. Und mit ihm die Arbeiter und Bürger. Beim Aufatmen aber wird es nicht bleiben: Wenn dieses Mammutprojekt fertiggestellt ist, wird ordentlich gefeiert.

Katharina Bromberger

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