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„Zweiklassengesellschaft“ bei Tunnel-Eröffnung: Bürger zu Festakt nicht eingeladen

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Von: Alexander Kraus

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Viel fehlt nicht mehr: Am Tunnel Oberau müssen nur noch letzte Restarbeiten erfolgen.
Viel fehlt nicht mehr: Am Tunnel Oberau müssen nur noch letzte Restarbeiten erfolgen. © Sehr

Der große Tag steht kurz bevor: Am Vatertag wird der Tunnel Oberau eröffnet. Statt Freude überwiegt bei den Bürgern aber gerade eher Enttäuschung.

Oberau – Eigentlich sollte Freudenstimmung herrschen, so kurz vor der Eröffnung des Oberauer Tunnels am Donnerstag, 26. Mai. Stattdessen macht sich im Dorf Unmut breit. Die Angelegenheit kam nun im Gemeinderat auf den Tisch. Josef Lohr, Chef der Freien Wähler im Ort, platzte der Kragen. Kurz vor dem Ende der Sitzung ergriff er das Wort – und erhielt Unterstützung von seinem CSU-Kollegen Florian Rückborn. „Die, die jahrelang für den Tunnel gekämpft haben“, schimpfte Lohr, „sind nicht dabei.“

Bei der Autobahn GmbH, die den offiziellen Festakt ab 13 Uhr organisiert, ist man derweil bemüht, die Wogen zu glätten. Grundsätzlich gibt es ein Platzproblem, betont Sprecherin Katharina Holzapfel. Noch dazu laufen die Planungen für die Verkehrsfreigabe seit September 2021. „Der Festakt ist geplant worden, bevor die Lockerungen der Corona-Regelungen in Kraft getreten sind.“

Tunnel-Eröffnung Oberau: Bürger nicht eingeladen - Corona leuchtet als Argument nicht ein

In Oberau herrscht dennoch Entsetzen. Mehrere Gemeinderäte berichteten von empörten Bürgern. „Dass der Trommlerzug und die Musikkapelle nicht dabei sein dürfen, tut uns weh“, betonte Lohr. Ebenso, dass die Mitstreiter der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO) außen vor bleiben. „Die haben jahrzehntelang Arbeit für den Oberauer Tunnel gemacht.“ Auch Rückborn ist von vielen verärgerten Ortsbewohnern angeredet worden. Er sprach gar von einer „Zweiklassengesellschaft“ bei den Feierlichkeiten zur Tunnel-Eröffnung. „Das kommt in Oberau nicht gut an.“

Die zwei Ortspolitiker gehörten am Wochenende zu den Gästen des Bezirksmusikfests in Großweil. Dort schien Corona Lohr zufolge kein Problem gewesen zu sein. „Da waren 5000 Leute im Bierzelt“, verdeutlichte er. Dass aus Infektions-Gründen nur 250 Menschen beim Festakt am Nordportal des neuen Tunnels in Oberau dabei sein dürfen, versteht der Gemeinderat deshalb nicht.

Tunnel-Eröffnung Oberau: Sprecherin der Autobahn GmbH spricht von „Missgeschick“

Holzapfel versucht, die Gemüter zu beruhigen – und räumt eines ein: Die VEO fehlte tatsächlich auf der Liste der Einladungen zur Tunnel-Eröffnung. „Ein Missgeschick, dass wir aber umgehend beheben werden“, verspricht sie. Das ganze Dorf einzuladen, sei aber schlichtweg aufgrund der Örtlichkeit nicht möglich. Die Planung der Feier sei ein „Mordsaufwand“ gewesen, „wir können jetzt nicht kurzfristig umschwenken“. Niemand habe damit rechnen können, dass im März plötzlich alle Corona-Beschränkungen fallen. Darüber hinaus verweist die Pressesprecherin auf das Bürgerfest, das direkt im Anschluss um 15 Uhr beginnt. Dort seien alle willkommen. Dann kann jeder den neuen Tunnel zu Fuß, per Fahrrad oder mit Inlineskates erkunden. Mit diesem Teil der Feierlichkeiten hat die Autobahn GmbH aber nichts zu tun, stellte Bürgermeister Peter Imminger (CSU) in der Sitzung klar. Die Kommune zeichnet für die Planung verantwortlich.

Dass die Bürger nicht zwingend solchen Zeremonien beiwohnen, zeigte sich bereits im September 2019, als ein neues Teilstück der A94 im Münchner Osten eröffnet wurde. Auch dort waren Anlieger und Grundeigentümer nicht eingeladen.

Oberau: Tunnel-Eröffnung ohne Bürger - Bürgermeister versteht Empörung der Bürger

So ähnlich läuft es auch dieses Mal ab. Zur Liste der Geladenen gehören Regierungs- vertreter sowie Mitarbeiter aus den Ministerien und Behörden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter und Bundestagsabgeordneter Alexander Dobrindt (beide CSU) werden eine Rede halten. Was jedoch in Oberau sauer aufstößt: Aus dem Umland sind nur Kreis- und Oberauer Gemeinderäte sowie die Vorsitzenden der örtlichen Vereine eingeladen.

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Eben das sorgt für Unmut: „Es ist mehr als traurig, was da abläuft“, echauffierte sich Josef Bobinger (CSU). Es tue ihm für die Bevölkerung leid, die bis 15 Uhr „vorm Türl“ stehen müsse. „Das ist beschämend“, schimpfte der Zweite Bürgermeister. Andre Fuchs (Freie Wähler) berichtete davon, dass die Planungen der Gemeinde für den Festakt zurückgestellt worden seien. „Das ist ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben.“ Die Oberauer Musikkapelle sei explizit ausgeladen worden. „Da sieht man, wie weit entfernt wir von einer Tunneleröffnung sind, wie sie in Farchant war“, monierte er.

Autobahn GmbH zur Tunnel-Eröffnung in Oberau: „Werden niemanden am Zaun stehen lassen“

Auch Imminger kann die Empörung der Bevölkerung verstehen, weist aber darauf hin, dass „die Gemeinde keinen Einfluss auf den Festakt hat“. Der Bürgermeister weiß auch, warum die Blasmusik nicht spielt. „Die Autobahn GmbH hat eine eigene Kapelle.“ Das bestätigt Holzapfel. Die Musikgruppe sei eine Kooperation mit dem Staatlichen Bauamt in Weilheim.

Die Pressebeauftragte bedauert zutiefst, dass es jetzt noch zu diesem Unfrieden kommt. Ein kleines Hintertürchen öffnet sie für all diejenigen, „die sich die trockenen Reden tatsächlich anhören wollen“, wie sie sagt. Natürlich könne sie keine offizielle Einladung aussprechen, „aber wenn jemand unbedingt dabei sein will, werden wir ihn nicht am Zaun stehen lassen“.

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