Drei Männer stehen auf einem schneebedeckten Gipfel.
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Auf dem Gipfel des Shivling: (v.r.) Benedikt Saller, Martin Feistl und Johannes Kirsten genießen ihren Erfolg bei der Expedkader-Abschlussexpedition im Himalaya.

„Risiko gehört zum Bergsport dazu“

Mann (28) stürzt auf Gletscher im Wallis ab: Abschied mit großem Bergfeuer - „Für immer Platz in unserem Herzen“

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Die Berge waren sein Leben, das hat sich auch beim Abschied von Benedikt Saller gezeigt. Der Bergführer (28) aus Oberau ist bei der Vorbereitung einer Tour auf dem Gletscher du Meitin im schweizerischen Wallis tödlich verunglückt.

  • Die Rettungskräfte können nur noch den Tod des jungen Oberauers feststellen.
  • Benedikt Saller „ist nie an seine Grenzen gegangen, sondern war vorsichtig unterwegs“, betont sein Ausbilder.
  • Betroffenheit über den tragischen Unfall ist im Expedkader des Alpenvereins sehr groß.

Oberau – Ein besonderer Gipfel, ein Sonnenaufgang oder einfach Klettern, das hat Benedikt Saller motiviert. Von klein auf war der Oberauer mit seinen Eltern am Berg unterwegs – zu Fuß und mit Skiern. Da wurde eine Leidenschaft geweckt, die er zum Beruf machte. Nur der Bruchteil einer Sekunde – was genau geschehen ist, weiß niemand – hat den 28-Jährigen jetzt aus dem Leben gerissen.

Tragisches Unglück auf Gletscher im Wallis: Junger Bergführer stürzt 300 Meter in die Tiefe

Das Unglück passierte auf dem Gletscher du Meitin in Bourg-St-Pierre im Wallis/Schweiz. Saller, der sich um die Vorbereitung des Projekts Big Triple kümmerte, rutschte Ende April gegen 7.15 Uhr auf 3400 Metern Höhe aus und stürzte nach Auskunft der Kantonspolizei Wallis rund 300 Meter in die Tiefe. Die Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Das Vorhaben – Dynafit-Manager Benedikt Böhm wollte die drei Viertausender Grand Combin, Gran Paradiso sowie Mont Blanc innerhalb von 30 Stunden aus eigener Kraft begehen – ist nach diesem tragischen Unfall abgebrochen worden. „Mein Mitgefühl und meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden“, sagt Böhm.

Benedikt Saller ist im Wallis tödlich verunglückt.

Mit einem großen Bergfeuer am Fricken haben diese am Montag Abschied genommen von ihrem Beni. „Wir kennen ihn als leidenschaftlichen, enthusiastischen, fröhlichen und wahnsinnig herzlichen Menschen und vor allem guten Freund“, betont Matthias Baudrexl aus Garmisch-Partenkirchen. „Er hat für immer einen Platz in unseren Herzen und reißt ein großes Loch in unsere Gemeinschaft. Wir glauben aber, dass er uns auch in Zukunft in der Luft und am Berg begleitet und ein verschmitztes Lachen zuschmeißt.“

Oberau: Großes Bergfeuer zum Abschied am Fricken - „Hat für immer einen Platz in unserem Herzen“

Es sind Worte wie diese und der enorme Zuspruch der Freunde, die Christine Saller und ihrer Familie guttun. „Dafür sind wir dankbar“, sagt die Mutter des Verunglückten. Mit dem, was ihr Sohn tat, „waren wir im Reinen“. Bedenken und Sorgen gab es natürlich, das hat auch Benedikt Saller einmal eingeräumt. Aber seine Eltern standen voll hinter ihm. Im Familienkreis gingen sie offen mit den Gefahren um, die der Sport mit sich bringt.

Abschied von Benedikt Saller: Ein vorsichtiger, höchst kompetenter Bergführer und Kletterer

Dabei „ist er nie an seine Grenzen gegangen, sondern war vorsichtig unterwegs“, betont Patrick Jost. Der Inhaber des Bergführerbüros Hindelang kennt den Oberauer seit dem Eignungstest für die Bergführerausbildung. Das war 2017. Damals gehörte Saller noch dem Expedkader des Deutschen Alpenvereins (DAV) an. Als „vorsichtigen, höchst kompetenten Bergführer und Kletterer“ behält Dr. Wolfgang Wabel, Geschäftsbereichsleiter Bergsport beim DAV, den Verunglückten im Gedächtnis. „Er war eine tragende Stütze im Team.“

Von 2016 bis 2018 gehörte der Feinwerkmechaniker-Meister diesem an. Jahre, die Saller genossen hat. „Ein besonders gutes Erlebnis waren für mich die Gipfel und die Zeit in Patagonien“, verriet er auf der Homepage des Alpenvereins. „Da waren wir einfach eine super Gruppe von fünf Freunden und hatten eine wahnsinnige Zeit am Berg und im Tal. Wir haben viel im Vorhinein dafür investiert und dass wir dann so ein Wetterglück hatten, war einfach Wahnsinn.“ Auch die Abschlusstour auf den 6543 Meter hohen Shivling im nordindischen Teil des Himalaya zählte für ihn zu den besonderen Momenten.

Nach tödlichem Unfall: Teilnehmer des DAV-Expedkaders setzen sich mit Unglück auseinander

Unter den Teilnehmern des Expedkaders, in dem sehr gute Bergsteiger Erfahrungen und Kompetenzen sammeln, um dann in verschiedenen Bergsportdisziplinen aktiv zu sein, ist die Betroffenheit über Sallers Tod groß. „Wir gehen dem Ganzen weiter nach“, betont Wabel. Unfälle wie dieser werden besprochen, auch um den Alpinisten beim Verarbeiten zu helfen und sie für Gefahren am Berg zu sensibilisieren.

„Risiko gehört zum Bergsport dazu“, hat Benedikt Saller einmal gesagt. „Ich versuche immer, objektiv zu beurteilen und dann meine Entscheidung zu treffen, auch wenn das nicht immer leicht ist.“ Dass er seine Unternehmungen – allein, mit Freunden oder mit Kunden – extrem umsichtig anging, bestätigt Jost. „Für sein Alter war er sehr aufgeklärt und hat schon ein hohes Niveau erreicht.“ Definitiv war er keiner, der den Kick suchte oder sich in sozialen Medien profilieren wollte. „Das hat er nicht gebraucht.“ Für Jost, der Saller als Bergführer beschäftigte, ist der Verlust „sehr bitter“.

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