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Tunnel Oberau eröffnet: Tausende Besucher gehen und fahren durch die neue Röhre

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Von: Tanja Brinkmann

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Eröffnung des neuen Tunnels Oberau
Zur Eröffnung des neuen Oberauer Tunnels kamen am Donnerstag tausende Besucher. Als erstes durften Radfahrer und Fußgänger durch die Röhre, am Freitag folgen Autos, Lkw und Co. © Christian Fellner

Neue Lebensqualität, die bringt die am Donnerstag eröffnete Ortsumfahrung den Oberauern. Allein mit diesem Tunnel ist es aber nicht getan, auch das war den Vertretern von Bund und Land klar.

Nach rund elf Jahren Bauzeit ist auf der notorisch überlasteten Bundesstraße Richtung Garmisch-Partenkirchen eine wichtige Umgehung frei. Der Tunnel für Oberau wurde am Donnerstag als längster Straßentunnel Bayerns eröffnet. Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sprach von einem „historischen Tag“. Die Bewohner würden von Lärm und Abgasen befreit, der Verkehr komme besser voran.Oberau – Ein historischer Moment. Wobei, nur einer allein war es nicht.

Gut 3000 Menschen erlebten gestern Mittag gleich mehrere solcher Augenblicke mit. Die Verkehrsfreigabe der Ortsumfahrung Oberau, für die zahlreiche Ehrengäste symbolisch das Band an der Oströhre durchschnitten, zählte dazu. Genau wie die Verspätung, die einige wegen des für einen Feiertag typischen Staus vor dem Loisachtaldorf in Kauf nehmen mussten. Dazu sollte es künftig nicht mehr kommen, wenn ab heute Abend Autos, Busse, Lastwagen und Motorräder ungehindert durch den Tunnel rollen. Die ersten, die dieses Privileg schon am Donnerstag genießen durften, waren die Ehrengäste. Angeführt von Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, in seinem Mercedes 107 SL fuhren sie in Oldtimern durch die Oströhre. Noch so ein historischer Moment.

Dass dieser gefeiert werden konnte, liegt vor allem an der Hartnäckigkeit der Oberauer. Lange litten die gut 3200 Einwohner unter der Verkehrslawine, die sich insbesondere an Feiertagen, Wochenenden und in den Ferien durch ihren Ort quälte. Ein Zustand, der mit dem Bau der Münchner Autobahn in den 1960er- und 70er-Jahren begann. „Seither waren wir ein geteiltes Dorf“, betonte Josef Bobinger, ein Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO). Seit 2001 machten er und seine Mitstreiter ihrem Frust lautstark Luft – nie bösartig, immer mit einer gehörigen Portion Charme und Witz, aber stets sehr deutlich.

Für Dobrindt steht deshalb fest, dass sie sich den Erfolg auf die Fahne schreiben dürfen. Und er. Das machten die deutlich, die in den blauen T-Shirts „Oberau sagt danke, Alexander!“ erschienen waren. Aber auch die vielen, die dem Peißenberger einfach nur die Hand schütteln und ein paar Worte mit ihm wechseln wollten. Kein Wunder, schließlich war es eine seiner ersten Amtshandlungen als frisch gekürter Bundesverkehrsminister, 2014 die Mittel für den Bau dieses 260-Millionen-Euro-Projekts freizugeben. „Schön, dass auch das wahrgenommen wird“, sagt Dobrindt, der das Bad in der Menge sichtlich genoss.

Er wurde aber auch nicht müde, daran zu erinnern, dass allein mit der Oberauer Umfahrung der B 2 die Verkehrsprobleme im Landkreis nicht beseitigt sind. Der Kramertunnel wird bereits gebaut, der Spatenstich für den Auerbergtunnel zwischen Autobahn und dem Loisachtaldorf ist bereits erfolgt. „Da sind wir schon sehr weit“, unterstrich Dobrindt. „Ich setze mich mit Hochdruck dafür ein, dass auch der Wanktunnel und die Einschleifung der B 23 in den Oberauer Tunnel abgearbeitet werden.“ Er hatte in seiner Zeit als Minister den Grundsatz ausgerufen, dass baureife Projekte finanziert werden müssen, das erwartet er nun ebenso von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Verständlich, findet Michael Theurer (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Er war in Vertretung von Wissing nach Oberau gekommen und sandte positive Signale aus, „dass die Gesamtverkehrslösung weiter realisiert wird“. Alles andere mache gar keinen Sinn, da werde der Stau ja nur ein paar Kilometer weiter verlegt. Angesichts der Fahrzeugmenge, die durchs Loisachtal rollt, „ist das gut angelegtes Geld“, sagte Theurer. „Aus unserer Sicht wird und muss es aber weitergehen.“

Einer, der sich dafür ebenfalls stark macht, ist Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Sein erklärtes Ziel: die Region von der Verkehrslawine zu entlasten. „Wir müssen alle gemeinsam schauen, dass möglichst viel Geld aus Berlin nach Bayern fließt“, sagte er „an diesem historischen Tag“. Mit der Ortsumfahrung „befreien wir Oberau vom Durchgangsverkehr und erreichen so mehr Lebensqualität und Sicherheit bei weniger Lärm und Abgasen für die Bürger“.

Die werden wohl erst in einigen Tagen realisieren, was das bedeutet, vermutete Bürgermeister Peter Imminger (CSU). Er jedenfalls hat sich schon mit Landrat Anton Speer (Freie Wähler) verabredet, um „zehnmal hintereinander über die B 2 zu gehen, ohne die Ampel zu drücken“. Auch das wird wieder ein historischer Moment.

Für Tunnelpatin Magdalena Neuner war es ebenfalls ein emotionaler Augenblick, ihr Patenkind der Öffentlichkeit zu übergeben. „Bei einem echten Kind hätte man da gemischte Gefühle“, sagte sie. Die Tunnelfreigabe stimmte sie hingegen nur positiv. Wie alle, die diesen Augenblick miterlebten. Pfarrer Andreas Lackermeier und sein evangelischer Kollege Martin Dubberke segneten die Umfahrung, die den Oberauern die ersehnte Ruhe bringen soll. Den Stau wird nur einer vermissen. „Da Simmal“ alias Simon Gorke sang augenzwinkernd: „Ich steh’ so gern im Stau nach Oberau.“

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