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Mit ihm kam der Oberauer Tunnel: Doch für Verkehrsminister Alexander Dobrindt (l.) hat sich das keineswegs exorbitant positiv im Wahlergebnis niedergeschlagen. Was Parteifreund Peter Imminger schon ein bisschen erstaunt hat.

Unter 50 Prozent für den Bundesverkehrsminister

Kein Traumergebnis für Tunnelgott Dobrindt

60, 70 oder 80 Prozent? Lediglich die Höhe von Alexander Dobrindts Mega-Triumph in Oberau schien im Vorfeld der Bundestagswahl spannend zu sein. Am Ende siegte die schwarze Lichtgestalt, die dem Dorf immerhin die Umfahrung brachte, für CSU-Verhältnisse ordentlich, aber keineswegs kolossal. Und das hat (AfD)-Gründe.

Landkreis – Der AfD-Sog zieht selbst erfolgsverwöhnte Strahlemänner nach unten. Zwar hat Alexander Dobrindt (CSU) sein Bundestagsmandat im Wahlkreis 226 (Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen) zum vierten Mal in Folge verteidigt, aber eben „nur“ mit 47,9 Prozent. Ein Wert unterhalb der 50er-Marke – eine für erfolgsverwöhnte Christsoziale im schwarzen Kernland völlig ungewohnte Kategorie.

„Das Ergebnis ist gut genug, aber dennoch ernüchternd“, lautet die Analyse von Mittenwalds CSU-Ortsvorsitzendem Rudi Haller. Dass seiner Partei auf der Zielgeraden wegen ihres Flüchtlings-Schlingerkurses der rechte Rand wegbricht, war dem erfahrenen Wahlkämpfer nach zahllosen Gesprächen mit der Basis schnell klar. „Dazu bin ich zu lange schon im Geschäft.“

An der gefühlten Niederlage konnte auch Polit-Promi Dobrindt nichts ändern. Neben allgemein ernüchternden Zahlen für ihn lohnt sich ein genauer Blick nach Oberau. Dem auto-geplagten Dorf, dem der Bundesverkehrsminister die nicht mehr für möglich gehaltene Umfahrung geschenkt hatte. Beobachter rechneten daher mit einem überwältigenden Beweis der Dankbarkeit für den Tunnelgott – in Form von massenweise Kreuzchen bei Erst- und Zweitstimme.

Wahlzettel ein Denkzettel

Über 1800 der 2344 Wahlberechtigten votierten, aber nicht nach CSU-Drehbuch. Am Ende waren es 55,4 Prozent – sogar 2,7 Prozent weniger als vor vier Jahren. Kometenhaft sieht für eine Lichtgestalt anders aus. Oberaus Bürgermeister Peter Imminger, Dobrindts Parteifreund, begibt sich auf Erklärungssuche. Einen Ansatzpunkt glaubt er bei den etwa 90 Flüchtlingen im Ort zu finden, die bei vielen Oberauern Überfremdungsängste wecken. „Das ungute Gefühl in der Bevölkerung ist einfach verankert.“ Aber dieser Punkt taugt nur bedingt für den Erfolg der deutschnationalen Alternative für Deutschland, die im Alexander-Dobrindt-Tunnel-Ort Oberau mit 16,9 Prozent bei den Zweitstimmen ihren Spitzenwert im Landkreis erzielte. Denn im Nachbarort Farchant wählten 15,2 Prozent stramm rechts, wo aktuell gerade einmal ein Asylbewerber registriert ist.

Für Imminger ist Oberau mehr als andernorts der Wahlzettel auch ein Denkzettel gewesen – warum auch immer. Am Sonntag offenbarte sich ihm jedenfalls folgendes Phänomen: „Hunderte“ der Scheine wiesen ein Kreuz bei Dobrindt (Erststimme) und eines bei der AfD (Zweitstimme) aus. Imminger interpretiert das wie folgt: „Alex wir danken Dir, aber es muss sich bei uns etwas ändern.“

AfD-Kandidatin wird übel beschimpft

Das findet AfD-Kandidatin Edeltraud Schwarz schon lange. Die explosionsartige Stimmen-Vermehrung ihrer Partei hatte für sie jedoch kein Mandat im Berliner Reichstag zur Folge. Die Physiotherapeutin aus Scheuring (Landkreis Landsberg) nimmt’s gelassen. „Für mich hatte der Bundestag nicht Priorität, sondern, dass die Partei gut repräsentiert wird.“

Vorbei ist für die 50-Jährige eine stressige Zeit, die ihr auch denkwürdige Momente bescherte. So soll Schwarz laut eigenem Bekunden nachts um 3.30 Uhr angerufen und als „Nazi-Schlampe“ tituliert worden sein. Von ihren Parteifreunden, die einen Sitz erobert haben, erhofft sie sich im Umgang mit den etablierten Fraktionen „eine klare Kante“ – was immer das heißen mag.

Regelrecht die Sprache verschlagen hat es Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) angesichts der 15 Prozent (2244 Stimmen) für die AfD in Garmisch-Partenkirchen. „Natürlich macht mich das nachdenklich.“ Wie diesem Rechtsruck begegnet werden kann, weiß sie nicht. „Ich habe kein Patentrezept.“ Fürchtet sie jetzt um den guten Ruf des Olympia-Tourismusorts? „Ich sehe eher einen Imageschaden für ganz Deutschland.“

Christof Schnürer

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