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Bei Wartung kein Gegenverkehr im Tunnel Oberau: Für Bürgermeister wäre das „ein Schildbürgerstreich“

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Von: Katharina Bromberger

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An der Decke eines Tunnel hängen zwei Ventilatoren und zahlreiche Lampen.
24 Deckenventilatoren sorgen im Tunnel Oberau für die Belüftung. Auf einen Gegenverkehr sind sie – anders als die Konstruktion im Farchanter Tunnel – nicht ausgelegt. Bürgermeister ist unzufrieden Lösung zur ersten Tunnelwartung © Thomas Sehr

Gegenverkehr im Tunnel Oberau? Dafür ist die Lüftung nicht ausgelegt. Die Konsequenz: Bei einer Sperrung rollt der Verkehr wieder durch den Ort. Ein realistisches Szenario, das Bürgermeister Peter Imminger (CSU) gar nicht gefällt. Die Verantwortlichen tun alles dafür, um es zu verhindern.

Oberau – Versucht haben es die Planer. Vor vielen Jahren haben sie zu zeichnen begonnen. Wie der Tunnel Oberau einmal aussehen soll, der den Ort von Stau, Lärm und Abgasen befreien soll. Das beste Lüftungssystem haben sie vorgesehen: eine Zwischendecke mit riesigen Lüftern und einem System aus Deckenklappen und Drehtüren, die sich im Notfall automatisch öffnen und schließen. Punktgenau lässt sich damit der Rauch an der Brandstelle über die Decke absaugen. Eine Top-Anlage – die kostet. „Garantiert 30 Millionen Euro mehr“ als die weniger spektakuläre Konstruktion mit Ventilatoren an der Tunneldecke, schätzt Christoph Prause vom Staatlichen Bauamt Weilheim. Zu teuer, befanden die Herren und Damen im Verkehrsministerium damals. Sie haben die Zwischendecke gestrichen.

Was beim Farchanter Tunnel ging, war beim Oberauer Tunnel zu teuer

Das hätten die Verantwortlichen nicht tun können, wenn der Tunnel – 251 Millionen Euro soll er nach aktuellem Stand kosten – nur 29 Meter länger sein würde. Denn ab drei Kilometern ist diese Zwischendecke Pflicht. Doch bei den Oberauer 2971 Metern eben nicht.

Auch nicht bei 2390 Metern. So lang ist der Fachanter Tunnel. Der bekam den Dachboden dennoch. Da hatten sich die Politiker spendabel gezeigt. Davon profitieren Autofahrer genauso wie die Farchanter. Denn wird eine Röhre wegen eines Unfalls oder Wartungsarbeiten gesperrt, rollt der Verkehr einfach durch die andere. Die Lüftungsanlage packt das leicht. Anders als die in Oberau.

Noch Ende Februar stellte Elmar Rupprechter, Projektleiter der Verkehrstechnik im Tunnel Oberau, gegenüber dem Tagblatt deshalb klar: Gegenverkehr in einer Röhre wird es wohl nicht geben, darauf sind die 24 Deckenventilatoren nicht ausgelegt. Durch den Ort soll der Verkehr bei einer Sperrung aber auch nicht geleitet werden, zumindest nicht aktiv über eine entsprechende Beschilderung, betonte Rupprechter. Geplant war eine Ampelregelung. Erst fährt die eine Seite, dann die andere, im Tunnel begegnet sich niemand. Blockabfertigung also. Wem die Ampelschaltung jedoch zu lange dauert oder die Schlange vor dem Tunnel zu lang wird, der dürfte sich den Weg durch den Ort suchen. „Wie sich die Autofahrer verhalten, das haben wir natürlich nicht in der Hand“, sagte Rupprechter damals.

Bei Wartungsarbeiten Verkehr durch Oberau: Für Bürgermeister Imminger inakzeptabel

Alles unbefriedigend für den Oberauer Bürgermeister Peter Imminger (CSU). Und inakzeptabel. „Das wäre ja ein Schildbürgerstreich.“ Ein neuer Tunnel, der die Gemeinde Oberau von Autos befreien soll – und zum Beispiel bei der Wartung holt man die Autos zurück. „So geht das nicht“, betont Imminger, seit er vor vielen Monaten von der Lüftungsproblematik erfahren hat. Doch er ist guter Dinge. Denn er weiß, was Tunnelprojektleiter Christian Schauer bestätigt: Im Staatlichen Bauamt Weilheim „tut man alles, „damit Oberau nicht zusätzlich belastet wird“. Allen voran Prause, der als Abteilungsleiter Brückenbau auch für den Tunnelbetrieb in fünf Landkreisen zuständig ist. Er sieht gute Chancen, dass sich in Oberau doch Autos in einer Röhre begegnen dürfen. „Aber noch ist nichts in trockenen Tüchern.“

Seine Behörde hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Darin werden alle Maßnahmen aufgezeigt, die sich eignen, um das Risiko eines Unfalls – und damit Brandes – im Tunnel bei Gegenverkehr zu minimieren. Viele Kompensationsmöglichkeiten haben sich ergeben, die die Chance auf eine Gegenverkehrsregelung erhöhen. Beispielsweise ein Tempolimit von 80 auf 60 oder 50 Kilometer pro Stunde. Oder eine Mindestabstandsregelung für Lkw. Oder, „ganz wichtig“, ein für jeden gut sichtbares Überholverbot. Eine doppelt durchgezogene Linie während mehrtägiger Wartungsarbeiten ist denkbar, zudem eine entsprechende Beschilderung.

Ziel: Lösung bis zur ersten Tunnelwartung im Frühjahr 2023

Gut, dass die Verantwortlichen um Projektleiter Schauer, Rupprechter und Co. vorausschauend gebaut haben. Die Hinweisschilder – etwa ein rotes X für eine gesperrte Spur – können beidseitig programmiert werden. Auch die Beleuchtung an den Tunneleingängen – damit sich das Auge beim Einfahren problemlos an die Dunkelheit gewöhnt – wurde jeweils im Norden und Süden angebracht. „Da haben die Leute mitgedacht. Nachrüsten wäre der Wahnsinn“, sagt Prause.

Doch klar ist auch: Egal, was man unternimmt, die Zwischendecke gibt es nicht. „Dieses Defizit lässt sich nicht beheben.“ Kernaufgabe bleibt nun, bei einem Brand Rauchfreiheit zu garantieren. Die Lüftung beziehungsweise deren Programmierung muss an die neue Strömungssituation angepasst werden.

Fahren alle Fahrzeuge in eine Richtung, entsteht eine Kolbenwirkung: Auch die Luft strömt in eine Richtung. Bei Gegenverkehr fehlt dieser Effekt. Kommt es zu einem Unfall, muss die Lüftung automatisch erkennen, wohin sie den Rauch blasen muss. „Eine große Herausforderung“, sagt Prause. Um die sich nun Experten kümmern. Eine Lösung würde er gerne bis zur ersten Tunnelwartung im Frühjahr 2023 präsentieren, spätestens zur zweiten im Herbst. Erst, wenn der sogenannte Verrauchungsversuch positiv ausfällt, setzt Prause seine Unterschrift darunter, dass der Tunnel im Gegenverkehr betrieben werden kann. „Wir werden sehen, ob das funktioniert.“ Wünschen würden es sich alle Beteiligten.

Eröffnung und Übung
Feierlich eröffnet wird der Tunnel Oberau am 26. Mai. Zuvor, am 7. Mai, findet eine Großübung der Rettungskräfte statt. Koordiniert wird diese federführend von der Feuerwehr Oberau.

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