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Treffen im Tutzinger OP (v.r.): Andreas Radis, Min Min aus Myanmar und Dr. Anna Borys haben alle schon bei den „Irrawaddy River Doctors“ gearbeitet. 

Heuer war er zum ersten Mal Geburtshelfer

„Doc Andy“ auf der schwimmenden Klinik: Oberauer hilft in seinem Urlaub in Myanmar

Jedes Jahr macht er es: Andreas Radis aus Oberau Oberauer fährt in seinem Urlaub zu den „Irrawaddy River Doctors“. Sie versorgen Patienten in schwer zugänglichen Gebieten. 

Tutzing/Oberau – Andreas Radis lebt in Oberau und ist Anästhesie-Pfleger am Benedictus-Krankenhaus Tutzing. Er verbringt regelmäßig seinen Urlaub bei den „Irrawaddy River Doctors“ im südlichen Myanmar, die mit dem Boot zu Patienten in schwer zugänglichen Gegenden kommen.

Vor drei Jahren absolvierte der 45-jährige Radis eine Fortbildung zum Leiter seiner Abteilung. Aus reiner Neugier, wie er sagt, wählte er für den Praxiskurs an einem externen Krankenhaus die „Irrawaddy River Doctors“ in Myanmar in Südostasien aus. Das kleine Land zählt zu den ärmsten der Welt. Es mangelt an medizinischen Geräten, gut ausgebildeten Ärzten und vor allem an der Hygiene. Für Bewohner in der schwer zugänglichen Region im Süden des Landes, dem Irrawaddy Delta, ist das schwimmende Krankenhaus die einzige medizinische Versorgung. Das Schiff wird von der Tutzinger Artemed-Stiftung zu 100 Prozent finanziert. „Dazu gehören alle Kosten für Material, Ausstattung und Personal“, teilt das Krankenhaus mit.

„Das Schiff fährt einen Monat lang eine feste Route“, erzählt Radis. „Seine Ankunft wird mittels Lautsprecherdurchsagen angekündigt. Die Patienten kommen dann direkt auf das Schiff, um sich behandeln zu lassen.“ Die Behandlung ist kostenlos, meist geht es um Infektionskrankheiten, Diabetes, Verletzung, Rückenbeschwerden, Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere oder Zahnprobleme.

Radis lebt in Oberau, ist Vater von drei Kindern (17, 15 und 13 Jahre alt). Seine Reise zu den „River Doctors“ sei seine erste außerhalb Europas gewesen. Während seines Aufenthalts wohnte er auf dem Schiff. Er erlebte zum ersten Mal, was medizinische Minimalversorgung bedeutet. „Hygiene fand quasi überhaupt nicht statt. Der Müll wurde direkt in den Fluss geworfen. Tiere wie Hühner oder Fische wurden täglich für die Schiffs-Crew geschlachtet und vom Koch zubereitet.“

Inzwischen war Radis, der für seine jährlichen Hilfseinsätze in Myanmar seinen Urlaub nimmt, das dritte Mal vor Ort. Das Schiff sei sehr gut ausgestattet, Kinder kämen mittlerweile extra zum Spielen aufs Boot. Das Wlan erleichtere die Behandlung auch bei schwereren Erkrankungen, weil dann direkt mit Ärzten am Tutzinger Krankenhaus gesprochen werden könne. „Wir hatten ein Kind mit akuten Wurmbefall“, berichtet der Pfleger. „Nach Rücksprache mit unserem Arzt hier im Haus konnten wir die richtige Dosis verabreichen.“

Dieses Jahr war er erstmals Geburtshelfer. Eine Frau lag viele Stunden in starken Wehen, und das Kind kam nicht. „Doc Andy“, wie er liebevoll von der Crew genannt wird, packte mit an und holte das Baby. „Im Dschungel wären die Frau oder der Säugling sicher gestorben.“

Inzwischen arbeitet ein 21-köpfiges Team auf dem Schiff, teilt die Artemed-Klinik mit. Mehrmals im Jahr sind Ärzte und Pfleger des Krankenhauses Tutzing vor Ort und helfen. Im Gepäck dann neue Geräte und medizinische Ausstattung. Der Projektleiter Min Min hielt sich jetzt für zwei Wochen zur Hospitation im Benedictus-Krankenhaus Tutzing auf. Er war auch privat viel mit Andreas Radis unterwegs. Min Min war bei vielen Operationen von Hand- und Ellenbogen-Chirurgin Dr. Anna Borys dabei. „Die Leute auf dem Schiff haben schon viel gelernt“, sagt Radis. „Vor allem im Bereich Hygiene und Abfall-Entsorgung. Aber es ist noch ein weiter Weg zu einer optimalen medizinischen Versorgung.“  

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