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Für viele Segen, für wenige Fluch - Wie die Oberauer Geschäftsleute den neuen Umgehungstunnel bewerten

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Von: Katharina Brumbauer

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Entspannte Miene: Der Oberauer Gastronom und Antiquar Robert Schotten blickt positiv auf die Tunnel-Eröffnung. Für ihn überwiegt der Entlastungs-Faktor für die Gemeinde.
Entspannte Miene: Der Oberauer Gastronom und Antiquar Robert Schotten blickt positiv auf die Tunnel-Eröffnung. Für ihn überwiegt der Entlastungs-Faktor für die Gemeinde. © Peter Kornatz

Es ist soweit: Der Oberauer Umgehungstunnel erhält am Donnerstag, 26. Mai, seine Verkehrsfreigabe. Was bedeutet dies für die heimischen Unternehmer, wenn künftig weniger Autos und Lastwagen an ihren Betrieben vorbeirollen? Die Geschäftsleute sehen Vor- und Nachteile durch das Mammutprojekt. Ein Ortsbesuch.

Oberau – Die meisten Autos fahren daran vorbei. Robert Schottens Einrichtungshaus „antik & modern“ sieht von außen eher unscheinbar aus. Wer die Rampe zum Geschäft in der umgebauten Tenne an der Bundesstraße 2 in Oberau hinaufgeht, ahnt nicht, auf welch großer Fläche ihn nicht nur Antiquitäten, sondern handgefertigte Holztische, -stühle und -schränke erwarten. „Laufkundschaft hatte ich schon vor 30 Jahren nicht“, betont Schotten. Sein Klientel: Menschen, bei denen sich die Qualität seiner Holzmöbel herumgesprochen hat und die gezielt nach einem neuen Einrichtungsstück suchen.

„Möbel schaut man sich auch noch im Geschäft an, ansonsten hat sich das Einkaufsverhalten ja eh schon stark verändert. Viel läuft übers Internet“, sagt Schotten. Die Autofahrer, die auf der B 2 in dem Ort regelmäßig im Stau stehen, fahren nicht spontan ran und sehen sich um. Dass mit dem neuen Umgehungstunnel der Durchgangsverkehr weniger wird, hat für den 73-Jährigen also keine negativen Auswirkungen. Vielmehr hebt er den Aspekt der Entlastung hervor. „Der Tunnel ist eine Bereicherung für Oberau und die ganze Region.“

Das wäre er auch für Schottens Gastronomie-Geschäft in der Nachbarschaft des Einrichtungshauses. „Sicherlich“, findet er, sitzen die Besucher gemütlicher in seinem Postgarten, wenn auf der Ortsdurchfahrtsstraße direkt davor weniger Autos brettern. Täglichen Betrieb hat er im Biergarten und im angeschlossenen Restaurant nicht mehr. Das Personal dafür zu finden, sei schwierig. Auf Anfrage können Firmen und Privatleute dort aber ihre Feiern ausrichten. „Wenn sich was ergibt, mache ich vielleicht wieder täglich auf“, erklärt der Gastronom.

Daller-Tracht fürchtet Umsatzeinbußen, ein Radgeschäft weniger Sichtbarkeit

Betriebe, für die der Tunnel und der Rückgang des Durchgangsverkehrs einen Nachteil bedeuten, gibt es aber. Einer davon: das Geschäft Daller-Tracht. „Wir erwarten einen finanziellen Einschnitt“, räumt Geschäftsführer Norbert Daller ein. Zum Großteil des Umsatzes tragen seinen Angaben zufolge die Durchreisenden aus München bei, die sich auf dem Weg in den Süden noch mit einem Dirndl oder einer Lederhose eindecken. Schon während der Pandemie brach der Bedarf ein. „Da mussten schon einige Trachtengeschäfte zumachen“, betont Daller. Jetzt befürchtet er, dass seine Oberauer Filiale nach der Tunneleröffnung weniger frequentiert wird. Allerdings: „Viele einheimische Stammkunden haben schon zugesichert, uns die Treue zu halten.“

Kritischer sieht Fritz Burda, Geschäftsführer des gleichnamigen Radgeschäfts am nördlichen Ortseingang, die Umgehung. Der Laden sei zwar nicht so stark auf Laufkundschaft angewiesen. Wer ein Problem mit dem Rad habe, peile ihn gezielt an. Jedoch befürchtet Burda, dass seine Lieferanten mit ihren Lastwägen einen Umweg durch den Tunnel nehmen müssen. Und: „Wenn die kostenlose Werbung wegfällt, an die vielen Autos, die täglich vorbeifahren, stimmt einen das wehmütig.“ 2020 haben er und sein Vater, der Seniorchef, den Oberauer Standort ihres Radgeschäfts an die B 2 verlegt. „Jetzt fehlt uns im Punkt Werbung die Perspektive“, betont Burda junior.

Skeptisch: Fritz Burda fürchtet, dass mit der Umgehung und dem Rückgang des Durchgangsverkehrs sein Radgeschäft weniger sichtbar wird.
Skeptisch: Fritz Burda fürchtet, dass mit der Umgehung und dem Rückgang des Durchgangsverkehrs sein Radgeschäft weniger sichtbar wird. © Peter Kornatz

Von Seiten der Autobahn GmbH des Bundes, die für das Tunnelprojekt zuständig ist, oder der Gemeinde gab es „keinerlei Vorschläge“, wie die ortsansässigen Geschäfte vor dem Tunnel, etwa auf Plakaten, sichtbar sein könnten. „Das ist schade.“ Die Entlastung für den Ort findet der Unternehmer jedoch „top“. Positiv bewertet er den Lärmrückgang. „Es ist angenehm, wenn es vor dem Geschäft nicht so laut ist.“

Hofft auf weniger Staus: der Gemüse-Großhändler Florian Maninger.
Hofft auf weniger Staus: der Gemüse-Großhändler Florian Maninger. © Peter Kornatz

Als großen Profiteur der Umgehung sieht sich Florian Maninger, Geschäftsführer des Obst- und Gemüse-Großhandels Maus. Bisher stand Maninger bei der Fahrt von und zu seinem Betrieb regelmäßig im Stau. Egal, ob er morgens vom Großmarkt in München zurückkam oder im Lieferwagen zu seinen Kunden, rund 200 Hoteliers und Gastronomen im Landkreis, unterwegs war. Mit der Eröffnung der Umgehung hofft er, dass das nicht mehr so sein wird. Maninger merkt an: Alle Reisenden ins Ammertal nehmen erst mal wie gewohnt die Ortsdurchfahrt und biegen zum Ettaler Berg ab. Bis der ans Tunnelnordportal angebunden wird, dauert es noch. Der Durchgangsverkehr kommt also nicht völlig zum Erliegen. „Ich sehe nur Vorteile. Oberau hat die Chance, eine ähnliche Entwicklung zu nehmen wie Farchant. Es könnte wieder ein ländlicheres Dorf mit besserer Luft werden.“

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