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Noch fließt der Verkehr: Nach den Sommerferien geht auf der B 2 zwischen dem Autobahnende bei Eschenlohe und Oberau voraussichtlich zwei Wochen lang nichts. 

20.000 Fahrzeuge sind dort am Tag unterwegs

Bauamt bestätigt: B2-Sperrung wird verschoben - Bahnverkehr läuft normal

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    Manuela Schauer
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Das wird heftig: Die B2 zwischen Eschenlohe und Oberau Nord wird wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Umleitungen dürften dann heillos überfordert sein. Doch es wird zumindest umgeplant.

Update, 16. Juli, 19.20 Uhr:

Die Vollsperrung der B2 nördlich von Oberau wird verschoben. Das hat das Staatliche Straßenbauamt Weilheim am Dienstag nach Gesprächen mit den Beteiligten bestätigt. Somit beginnen die Arbeiten für die Erstellung eines neuen Steinschlagschutzzauns drei Wochen später als geplant. Baustart ist am Dienstag, 8. Oktober. Außerdem soll die Sperrung von 14 Tagen auf eine Woche verkürzt werden.

 In dieser Zeit bestehen zwei Umfahrungsrouten: Nachdem die A 95 direkt in die B 2 einmündet, wird der Verkehr ab 8. Oktober bis Samstag, 12. Oktober, an der Autobahn-Anschlussstelle Murnau/Kochel aus- und umgeleitet. Der zweite Ausweichweg verläuft über Murnau Richtung Oberammergau nach Garmisch-Partenkirchen. Die östliche Umfahrungsstrecke führt über Kochel und Walchensee Richtung Krün und dann weiter nach Garmisch-Partenkirchen. 

Die Abstimmungen zwischen dem Staatlichen Bauamt mit der Bahn ergaben, dass die Züge laut Fahrplan fahren werden. Der Zugverkehr wird somit nicht beeinträchtigt sein.


Update, 12. Juli, 17.30 Uhr: 

Die Fels- und Baumfällarbeiten an der Bundesstraße 2 zwischen Eschenlohe und Oberau, die für Mitte September geplant waren, beginnen nun erst am 8. Oktober. Der Verkehr muss jetzt nur noch eine Woche über die Ausweichrouten fließen. Das Staatliche Bauamt hat offenbar dem Druck von Politik und Wirtschaft Rechnung getragen. 

Landkreis - Es wäre das Horrorszenario gewesen, das Dr. Sigrid Meierhofer im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat am Dienstag beschrieb. Sollten die Felssicherungsarbeiten, so die SPD-Bürgermeisterin, an der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau nicht bis zum 1. November abgeschlossen sein – ab diesem Zeitpunkt muss mit Frost und Schnee gerechnet werden – könne es passieren, dass die Lebensader zwischen Nord- und Südlandkreis den gesamten Winter komplett gesperrt bleibt.

Plan bislang: Bundesstraße bleibt zwei Wochen gesperrt

Bislang ging man davon aus, dass das Staatliche Bauamt Weilheim die Bundesstraße ab dem 16. September für zwei Wochen dicht macht. Der Verkehr sollte über die Ausweichroute Staatsstraße 2026 und die B 23 durchs Ammertal sowie über die B 11 via Kesselberg, Kochel und Wallgau fließen. Es regte sich Widerstand gegen die Pläne. Politik, Wirtschaft, Verbände, Hotellerie und Gastronomie liefen Sturm. Der September ist der Wandermonat und für den Tourismus in der Region von enormer Bedeutung. Eine Totalsperrung hätte fatale wirtschaftliche Folgen gehabt. Auch der Imageverlust wäre nicht zu unterschätzen gewesen. Wer fährt noch einmal in eine Region, in der er während seines Urlaubs ein Verkehrschaos mit Staus erlebt hat und die Erholung mit Frust garniert wird?

Neuer Plan: Sperrung der Bundesstraße verschoben und kürzer

Offenbar hat der Druck, den Verbände, Behörden und Interessenvertreter erzeugten, für ein Umdenken beim Staatlichen Bauamt gesorgt. „Auf Wunsch der Region Garmisch-Partenkirchen und der Umgebung wird der Baubeginn der Arbeiten zur Erstellung des neuen Steinschlagschutzzauns an der B 2 zwischen Oberau und Eschenlohe auf Dienstag, 8. Oktober, verschoben“, heißt es in einem Schreiben der Weilheimer Behörde, das Martin Schröter in Umlauf gebracht hat und das Nadine Heiß, Abteilungsleiterin in Weilheim für den Straßenbau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, eine „Absichtserklärung“ nennt. Dauern soll die Vollsperrung bis Samstag, 12. Oktober. Anschließend sollen die Arbeiten unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung erfolgen. Zur Beschleunigung der Baumaßnahme wird an den Wochenenden ebenfalls gearbeitet. Geplant ist die Fertigstellung, so heißt es in dem Schreiben, das der Tagblatt-Redaktion vorliegt, für Freitag, 6. Dezember.

Bürgermeisterin über kürzere Sperrung der B2 „total froh“

Der FDP-Kommunalpolitiker, der die B 2-Vollsperrung im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat diskutiert hatte und einen fast gleichlautenden Antrag für die kommende Kreistagssitzung formulierte, „wertet das als gute Nachricht“ und als „einen Erfolg für die Werdenfelser Liberalen“. Dass er und die FDP das Staatliche Bauamt umgestimmt haben – mit dieser Meinung dürfte er ziemlich alleine stehen. Dass er sich mit fremden Federn schmückt, kommt nicht gut an. „Mit dem Ergebnis hat er nichts zu tun“, heißt es von Personen, die bei den Gesprächen dabei waren. Dazu gehört unter anderem IHK-Gremiumschef Peter Lingg. „Ich glaube, ich habe meinen Teil dazu beigetragen“, sagt Meierhofer, „aber letztlich war es eine konzertierte Aktion aller Beteiligten. Ich bin auf jeden Fall total froh.“

Heiß bestätigt zwar grob den Inhalt der Schröter E-Mail, sagt aber: „Offiziell ist es noch nicht.“ Sie will erst die Gespräche in der kommenden Woche mit dem Landratsamt und den betroffenen Gemeinden – „wir haben großräumig eingeladen“ –, die dieses Schreiben bekommen, abwarten. „Es können sich ja noch Änderungen ergeben. Wir wollen nichts übersehen.“

Update, 12. Juli, 13.34 Uhr:

Die Vollsperrung der B2 wird verschoben und verkürzt. Auf Wunsch der Region Garmisch-Partenkirchen beginnen die Arbeiten für den Steinschlagschutzzaun nun erst am 8. Oktober. Sie sollen bis einschließlich Samstag, 12. Oktober, dauern. Im Anschluss die Maßnahmen unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung erfolgen. Um zügig voranzukommen, finden die Arbeiten auch am Wochenende statt - samt halbseitiger Sperre. Im Idealfall ist das Vorhaben am Freitag, 6. Dezember fertigstellt.

100-prozentig fix ist die Planung noch nicht. Sie wird laut dem Bauamt erst noch mit den Gemeinden besprochen.


Landkreis – Sie ist hochbelastet. Etwa 20.000 Fahrzeuge, schätzt Werner Hüntelmann, Sachgebietsleiter Planung und Bau für den Landkreis beim Staatlichen Bauamt Weilheim, rollen in 24 Stunden auf der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau. Sie alle müssen nach den Sommerferien Umwege machen. Voraussichtlich ab Montag, 16. September, wird die Strecke komplett gesperrt. Nach aktuellem Kenntnisstand der Behörde circa zwei Wochen lang.

Grund dafür sind Rodungsarbeiten, teilt Nadine Heiß, Abteilungsleiterin für den Straßenbau im Landkreis, mit: Vorkehrungen für die Errichtung eines neuen Schlagschutzzauns. Eine „dringend nötige“ Maßnahme, wie ein geologisches Gutachten zeigte. Das Bauamt hatte die Zentralstelle für Ingenieurbau und Georisiken (ZIG) damit beauftragt, den Bereich oberhalb der B2 nördlich von Oberau zu inspizieren und einzuschätzen, nachdem es dort zu mehreren Felsabbrüchen und einem Durchschlag im Schutznetz gekommen war. Bei den Untersuchungen im Herbst 2018 und in diesem Frühjahr wurden im Hangbereich potenziell absturzgefährdete Felsblöcke gefunden. Das Risiko: Wurzeldruck, Starkregen oder der Frost-Tau-Wechsel könnten sie leicht lösen und in Bewegung setzen. Einzelne akut gefährdete Brocken seien bei Sofortmaßnahmen bereits kontrolliert zum Absturz gebracht worden, sagt der zuständige Bauleiter Thomas Herrmann.

B2 zwischen Eschenlohe und Oberau gesperrt: Es muss ein neuer Zaun her

Massive Umwege müssen Verkehrsteilnehmer einplanen, wenn die B2 im September teilweise gesperrt wird. Sie müssen dann auf eine Umleitung über Bad Kohlgrub/Oberammergau oder Großweil/Kochel ausweichen.

Das Ergebnis des Gutachtens zwingt zu schnellem Handeln – und zwar noch in diesem Jahr. Der bestehende Zaun genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr, hält den herabdonnernden Felsblöcken nicht mehr stand. Herrmann macht das mögliche Szenario deutlich: Das schwere Gestein könnte die Auffangvorrichtung durchschlagen oder überspringen und über die B2 auch in den Gleisbereich der Bahnlinie München/Garmisch-Partenkirchen gelangen. Der neue Zaun ist ein anderes Kaliber. Laut Hüntelmann deutlich stärker und mit etwa vier Metern etwa doppelt so hoch wie sein Vorgänger. Er misst eine Länge von 770 Metern und kann nach den Rodungsarbeiten bei halbseitiger Sperrung der B2 erstellt werden. Die Gesamtbauzeit liegt bei etwa zehn Wochen.

Lesen Sie auch: Die Region ist ein bekanntes Wandergebiet. Erst kürzlich kam es an der Kramerspitze bei Garmisch-Partenkirchen zu einem Vorfall. Die Bergwacht musste ein Paar retten, dass es nicht mehr allein vom Gipfel herunter schaffte.

Die Detailplanung zum Vorhaben ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Wie viel das Projekt kostet, vermag Hüntelmann deshalb nicht abzuschätzen. Fest steht aber, dass die Maßnahme vor dem kommenden Winter beendet sein muss. Im anderen Fall droht eine dauerhafte Sperrung der B2, heißt es vom Bauamt. Weil die Verkehrssicherheit sonst nicht mehr gewährleistet werden könnte.

Video: Steinschlag extrem - Autofahrer wird von Felsbrocken überrascht

B2 teilweise gesperrt: Nord-Süd-Verbindung des Landkreises kommt zum Erliegen 

Die Autofahrer und Co. müssen in der Bauphase also deutlich mehr Zeit mitbringen. Die B2 als Nord-Süd-Verbindung die Verkehrslebensader im Landkreis wird von montags bis freitags durchgängig gesperrt. Nur am Wochenende kann der Verkehr an der Baustelle vorbeifließen. Zu Einschränkungen auf der Zugstrecke soll es voraussichtlich nicht kommen. Abstimmungsgespräche mit der Deutschen Bahn finden fortlaufend statt, teilt die Behörde mit.

Zwei harte Wochen warten im September insbesondere auf die Orte, die an den Ausweichrouten liegen. Nach aktuellem Stand soll es eine Umleitung über die Staatsstraße 2062 und die B23 durchs Ammertal sowie über die B11 via Kesselberg, Kochel und Wallgau geben. Ettals Bürgermeister Josef Pössinger hat in der Gemeinderatssitzung bereits seine Befürchtungen geäußert. „Das wird eine enorme Verkehrsbelastung im Ammertal“, sagte er. 

Sperrung der B2 bei Oberau kommt ausgerechnet zur Hauptwanderzeit

Sein Kollege aus Bad Kohlgrub, Franz Degele, stößt ins gleiche Horn. „Lustig wird’s mit Sicherheit nicht“, meint er auf Tagblatt-Nachfrage. „Aber wir können leider nichts machen.“ Und das in der Hauptwanderzeit, in der die Gemeinde gut belegt sei mit Gästen. Als Glückspilze werden sich dank 2016 eingeweihter Umgehungsstraße dagegen die Saulgruber fühlen.

Bis Mitte September dauert’s noch. Doch schon jetzt holt das Bauamt die Betroffenen ins Boot. Mit den involvierten Gemeinden hat es bereits Gespräche gegeben. „Wir kündigen diese Vollsperrung ganz bewusst schon jetzt drei Monate vor Beginn an“, sagt Abteilungsleiterin Heiß, „damit Bevölkerung, Verkehrsteilnehmer, Gewerbe- und Tourismusbetriebe diese Erstinformation frühzeitig erhalten.“ Eine Lehre aus der Kritik, die der Behörde bezüglich der Felssicherungsarbeiten samt Straßensperre im Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Griesen entgegen schwappte? Wie berichtet, hatten sich die Anwohner massiv über die fehlende Transparenz seitens des Bauamts beschwert. Das sei nicht der Grund, untermauert Hüntelmann. Sondern die große Anzahl an Betroffenen. Der Sachgebietsleiter hält seine Hand schützend über seine Behörde: Auch die Vollsperrung B23 sei mit circa vier Wochen Vorlauf relativ früh angekündigt worden. „Wir nehmen uns aber jede Kritik zu Herzen“, betont er, „auch wenn nicht jede berechtigt ist.“

Schon in wenigen Tagen wird es auf Bayerns Straßen eng: Wer das lange Wochenende an Fronleichnam für einen Kurztrip nutzen will, sollte sich auf längere Staus im Süden Bayerns einstellen.

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