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Vorbild Kesselberg: Eine Fahrbahnabgrenzung mit Leitschwellen und -Baken soll auch am südlichen Ortseingang Oberaus umgesetzt werden. 

Eine Zusage, eine Absage

Gefahrenstellen auf der Oberauer B2: Jetzt soll das Unfallpotenzial gedrosselt werden

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Wenn es um Verkehrsprobleme geht, sind die Oberauer Profi-Kämpfer. Mal mit Erfolg, mal ohne. Jetzt starteten SPD- und Freie Wähler-Fraktion einen neuen Anlauf. Sie schlugen zwei Lösungswege vor, wie zwei Gefahrenzonen der B2 entschärft werden könnten – und erzielten einen Teilerfolg.

Oberau – Der Tunnel ist für die Oberauer wie ein Heilsbringer. Er soll sie von den Blechlawinen befreien, die sich durch den Ort wälzen. Dafür haben sie eisern gekämpft. Bis die Umfahrung die Gemeinde entlastet, vergehen aber noch drei Jahre. Erst 2021 rollt der Verkehr durch die zwei Röhren. Und selbst dann verschwindet das Problem wohl nicht endgültig, sondern erst nach der Verlegung der B23 aus dem Ortsinneren. So sehen das Freie Wähler und SPD: „Aufgrund dieser Tatsache wird Oberau auch noch die nächsten Jahre mit einer Bundesstraße zerschnitten sein.“ Heißt gleichzeitig: Die bekannten Gefahrenstellen bleiben bestehen. Inakzeptabel für die beiden Gemeinderatsfraktionen. Deshalb lieferten sie nun zwei Vorschläge, wie die Brennpunkte entschärft werden könnten.

Einer liegt im nördlichen B2-Bereich, zwischen den beiden Shell-Tankstellen. Dort müssen nicht nur Kunden der gegenüberliegenden Postfiliale, sondern auch Anwohner die Straße ohne Querungshilfe bewältigen. Nicht nur einmal krachte es an dieser Stelle. Zum Beispiel Ende 2017, als ein Elfjähriger von einem Auto angefahren worden ist.

Bei der Recherche nach Übergangslösungen stießen die Vertreter von FW und SPD auf eine temporäre Verkehrsinsel. Der Gemeinderat soll diese Variante auf ihre Umsetzbarkeit prüfen. Sie biete eine „gute Hilfe“ die stark beanspruchte B2 „in zwei Schritten zu überqueren“, teilen die Fraktionsvorsitzenden Hans Klein und Christian Allinger in ihrem Antrag mit.

Den Unfallschwerpunkt Nummer zwei verorten sie am südlichen Ortseingang. Dort verstoßen Verkehrsteilnehmer immer wieder gegen die Fahrbahnmarkierungen, missachten die Beschilderungen und biegen falsch ab – von Norden kommend in den Parkplatz der dort angesiedelten Geschäfte (zum Beispiel Trigema) oder aus dem Parkplatz in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Bis zu dreimal im Jahr habe die Feuerwehr zu schweren Unfällen ausrücken müssen, stets verursacht durch ein solches Fehlverhalten.

Gemeinde versuchte mehrfach, die Unfallgefahr zu reduzieren

Nur wie kann man solche Verstöße minimieren, im Idealfall ganz ausradieren? Die Fraktionen brachten erhabene Fahrbahnbegrenzungen ins Spiel, wie es sie am Kesselberg gibt. Beide Varianten wären ihnen zufolge einfach zu realisieren, könnten mit vertretbarem Aufwand wieder rückgebaut werden und würden den finanziellen Rahmen nicht sprengen.

Den Anregungen stand Peter Imminger (CSU) absolut offen gegenüber. Der Bürgermeister ist bereits 2007 und 2011 auf Initiative der SPD sowie später noch einmal aktiv geworden und nahm Kontakt zu den zuständigen Behörden auf (siehe unten). Geändert hat sich seither nichts. Gegen einen vierten Versuch sprach nichts und niemand. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dass die Rathausverwaltung die aktuellen Vorschläge weiterverfolgt. „Es geht hier um Menschenleben“, betonte Günter Meck (CSU). Das machte auch Klein deutlich. „Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre ein tödlicher Unfall.“ Jetzt, auf den letzten Metern bis zum Tunnel-Finale.

Wie praktisch, dass zwei Tage nach der Sitzung sowieso ein Treffen mit der Polizei Garmisch-Partenkirchen, dem Staatlichen Bauamt Weilheim und dem Landratsamt im Terminkalender stand. Das Ergebnis des Gesprächs: gemischt. Für den südlichen Bereich bestand Einigkeit, die angeregte Maßnahme umzusetzen, teilt Robert Zankel, Geschäftsleiter im Rathaus, auf Nachfrage mit. Dazu werden an angebrachter Stelle vor und nach der Ortsstraßeneinmündung so genannte Leitschwellen auf der Mittellinie der B2 befestigt und mit Baken versehen. Den exakten Straßenabschnitt lege das Landratsamt in einer verkehrsrechtlichen Anordnung fest.

Eine Abfuhr kassierte Oberau für eine Querungshilfe im Norden. Die örtlichen Gegebenheiten lassen eine Insel nicht zu. „Leider“, sagt Zankel. Aber die Fahrbahnbreite von acht Metern reicht nicht aus. Neun wären mindestens erforderlich. Daran kann man nichts än dern. „Eine Aufweitung des Straßenquerschnitts ist wegen der Grundstücksverhältnisse (Inanspruchnahme von Privatgrund) nicht ohne Weiteres möglich“, erklärt Zankel, „zumal auch die vorhandene Gehwegbreite an der Shell-Tankstelle nicht reduziert werden soll.“ Immerhin: Zumindest ein Unfallschwerpunkt verliert an Gefahrenpotenzial.

Bisherige Versuche:

Bereits 2007 und 2011 hatte die SPD-Gemeinderatsfraktion angeregt, eine Ampel an der B2 im Norden Oberaus zu errichten. Allerdings lehnten die Untere Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt und das Staatliche Bauamt Weilheim ab. Neben weiteren Gründen hieß es damals, dass die Anzahl der Fußgänger, die die Straße überqueren, den Bau einer Lichtzeichenanlage nicht rechtfertige.

In der Folge wurde ein Vorstoß unternommen, zumindest eine Fußgängerinsel zu installieren. Diesem Vorhaben standen die Fachbehörden aufgeschlossener gegenüber, sagt Robert Zankel. Allerdings sei das Ganze an die Voraussetzung geknüpft worden, dass die Gemeinde vom Standort der Querungshilfe bis zum nördlichen Ortsrand einen Fußweg errichtet. „Dies hätte den Neubau einer Brücke über den Gießenbach und damit Kosten in sechsstelliger Höhe verursacht“, teilt der Geschäftsleitende Beamte im Rathaus mit. Der Gemeinderat hat sich deshalb entschlossen, bis 2013 abzuwarten, ob die Ortsumfahrung verwirklicht wird. Nach der zeitnahen Zusage wurde der Plan nicht weiter verfolgt, weil man mit einem Rückgang der Verkehrsbelastung der B2 gerechnet hatte und das heute noch tut.

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