Offenbar die Gefahrenstelle: Bei wenig Verkehr ist mancher Verkehrsteilnehmer wohl dort bereits auf die linke Spur gewechselt.
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Offenbar die Gefahrenstelle: Bei wenig Verkehr ist mancher Verkehrsteilnehmer wohl dort bereits auf die linke Spur gewechselt.

Experten betonen, es sei ausreichend ausgeschildert

Fünf Geisterfahrer in nur vier Wochen - Baustelle bei Oberau verwirrt die Autolenker

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Fünf Geisterfahrer in nur vier Wochen. Die Baustelle an der B23 bei Oberau scheint viele Fahrzeuglenker zu verwirren. Trotzdem meinen Experten, die Verkehrslenkung sei ausreichend ausgeschildert.

Oberau – Thomas Bissinger hat viel erlebt im Straßenbau. Sei es bei seinem vorherigen Unternehmen, oder nun bei der Autobahndirektion. „Mei, ich könnt Geschichten erzählen – die glaubt gar keiner.“ Die vom Ettaler Berg zum Beispiel, als wegen der Hangsicherungsarbeiten die B23 gesperrt war. Und wer fuhr als Erster rein in den Berg? „Eine Fahrschule.“ Rum ums Eck. Aber an seiner neuesten Baustelle, dem Oberauer Tunnel, ist es auch schon zu so mancher kuriosen Begegnung gekommen: Wildfremde Radler im unfertigen Tunnel, Autofahrer mitten in der Baustelle – keine Seltenheit. Aktuell aber kämpfen die Straßenbauer wie auch die Ordnungsbehörden mit einer anderen Problematik an der B2: Falschfahrer.

Seit Anfang Oktober sind fünf Fälle registriert worden. Verschärft hat sich die Lage, nachdem am 28. Oktober der Verkehr am Südportal einseitig auf die neue Brücke verlegt wurde. In den ersten November-Tagen gerieten drei Verkehrsteilnehmer auf die falsche Seite der vierspurigen Trasse mit baulicher Trennung und Farchanter Tunnel in Richtung Garmisch-Partenkirchen. „Zum Glück ist bisher nichts passiert“, sagt Florian Thoma, bei der Polizei in Garmisch-Partenkirchen der Mitarbeiter für den Fachbereich Verkehr. „Aber öfter sollte das nicht passieren.“

2018 und 2019 gab es sechs Geisterfahrer, jetzt gleich fünf in nur vier Wochen

Ist es in der Vergangenheit auch nicht. Das zeigen die Zahlen, die Thoma aus der Statistik hervorkramt: 2018 gab es sechs Fälle, 2019 ebenso viele, 2020 bis Ende September drei. „Und nun fünf Falschfahrer in vier Wochen.“ Also setzte der Polizeihauptmeister ein Schreiben an die beteiligten Behörden auf – mit der Bitte, die Situation zu überprüfen. „Mehr können wir als Polizei nicht tun, wir sind quasi nur beratend tätig“, merkt Thoma an. Die verkehrsrechtlichen Anordnungen für die Bundesstraßen erlässt das Landratsamt.

Thomas Bissinger ist für den Straßenbau zuständig.

Die Behörden reagierten schnell. Speziell, nachdem am 3. November ein 40-Tonner auf die falsche Seite geraten war. Ein brenzlige Situation – selbst um 5 Uhr morgens. Noch am selben Tag trafen sich die Experten an Ort und Stelle, um die Verkehrsführung am Baustelleneingang zu begutachten. Fazit: Es gab nichts zu beanstanden. „Besser können wir es nicht bauen“, sagt Bissinger deutlich.

Andere Variante „wäre definitiv schlechter gewesen“

In der Vorbereitungsphase hatte es Gespräche über eine andere Variante gegeben, den Verkehr sofort auf jeweils einer Spur über die Brücke laufen zu lassen. „Aber das wäre definitiv schlechter gewesen“, betont der Fachmann. Im südlichen Bereich, wo die neu gebaute Gemeindeverbindungsstraße wieder auf die B2 trifft, habe man die Zahl der Baken gegenüber der Norm sogar schon deutlich erhöht, um ein Falschfahren zu verhindern. Auch dort war es bereits zu einer gefährlichen Situation kommen: Ein Verkehrsteilnehmer wollte dort –bevor es vierspurig wird – mit seinem Pkw umdrehen.

Die Problemstelle hinsichtlich der Geisterfahrer scheint grundsätzlich die nördliche Einfahrt in die Baustelle bei Oberau zu sein. „Aber ich kapier es nicht, dass Menschen über eine doppelte durchgezogene Linie fahren“, sagt Bissinger. Lichtsignale an den Baken weisen den Weg. Ebenso ein blauer Richtungspfeil. Bei diesem Zeichen wird es nun noch eine Änderung geben. „Wir bringen eines der Größe 3 an, das steht normal auf Autobahnen.“

Auch Landratsamt sieht keinen Bedarf an weiteren Sicherungsmaßnahmen

Dass es keiner weiteren Sicherungsmaßnahmen bedarf, versichert das Landratsamt. „Alle Anordnungen sind umgesetzt, die durch die Straßenverkehrsordnung gefordert sind“, bestätigt Pressesprecher Wolfgang Rotzsche.

Was den Beteiligten ein wenig Hoffnung macht: Dass es sich bei den Geisterfahrern der vergangenen Tage eher nur um außergewöhnliche Zufälle gehandelt hat, die mit skurrilen Geschichten verbunden sind. „Die Vorfälle waren ja alles andere als normal“, sagt Bissinger. Da widerspricht selbst Polizist Thoma nicht. Zwei Verkehrsteilnehmer konnten die Beamten nicht ausfindig machen. Die anderen drei waren kurioserweise allesamt ortskundig, aber anderweitig eingeschränkt. Eine Frau fuhr „erheblich betrunken“, der Lkw-Lenker kam nach vier Wochen vom Einsatz in England zurück, absolvierte seine erste Tour, ein weiterer Verkehrsteilnehmer – über 80 Jahre alt – gab sich nach seiner Tunnelfahrt sehr uneinsichtig, behauptete, alles richtig gemacht zu haben. In diesem Fall laufen noch Ermittlungen.

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