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Ziehen an einem Strang: (v.l.) Präsident Lorenz Heinzinger, Head-Greenkeeper David Malcolm, Rainer List (Stadtwerken München), Vize-Präsident Stephan Wulf und der stellvertretende Headgreenkeeper Andreas Hagl.

Weniger Pflanzenschutzmittel, ökologische Pflege der Anlage

Golfclub Garmisch-Partenkirchen: Umweltschutz für Münchner Trinkwasser

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Ein Zeichen gegen den schlechten Ruf von Golfclubs in puncto Umweltschutz setzt der Verein in Oberau. Mit den Stadtwerken München hat der Golfclub einen Vertrag geschlossen. Das hilft auch dem Trinkwasser.

Oberau – Golfclubs haben in der Öffentlichkeit oftmals ein schlechtes Image. Was wirft ihnen die nicht golfende Bevölkerung nicht alles vor? Eine solche Anlage verschandele die Natur, verscheuche die Tierwelt und – als Sahnehäubchen oben drauf – verschmutze das Grundwasser durch alle möglichen Pestizide, die auf den Spielbahnen ausgebracht werden. Vorbehalte und Vorwürfe, denen die Klubs oftmals nur schwer etwas entgegnen können. Der Golfclub Garmisch-Partenkirchen hält nun ein Pfund in Händen, das untermauert, wie wichtig der Umweltschutz den Verantwortlichen in Oberau ist: Der Verein hat mit den Stadtwerken München einen Vertrag geschlossen, in dem der Golfclub eine ökologische Pflege seiner Anlage zusichert, um die hohe Trinkwasserqualität für die Landeshauptstadt weiterhin zu gewährleisten. Im Gegenzug dazu erhält der Verein Fördermittel in Höhe von 8000 Euro jährlich.

Golfclub in Oberau beteiligt sich an Programm „Golf & Natur“

„Das ist ein Anreiz, aber auch eine Entschädigung, damit weniger Mittel ausgebracht werden“, betont Rainer List, Leiter der Wassergewinnung bei den Münchner Stadtwerken. Als Basis dieser Kooperation dient das Programm Golf & Natur, das der Deutsche Golfverband vor einigen Jahren eingeführt hat, um seinen Klubs Richtlinien für ein besseres Qualitätsmanagement an die Hand zu geben. Seit zwei Jahren beteiligen sich auch die Oberauer, die als ersten Erfolg bereits das Abzeichen in Bronze vorweisen können.

Projekt „schafft Rechtssicherheit für Vereine“

List wertet das Projekt insgesamt als großen Gewinn. „Es schafft vor allem Rechtssicherheit für Vereine“, betont der Wasserexperte. „Die Richtlinien, was gemacht werden darf und was nicht, sind klar und streng.“ Nicht nur im Bereich der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln übrigens, sondern beispielsweise auch in puncto Sicherheit für die Angestellten oder Gäste auf dem Golfplatz. Die Stadtwerke interessiert in erster Linie das Wasser. 20 Prozent des täglichen Bedarfs von rund 300 bis 330 Millionen Liter Wasser stammen aus dem Loisachtal, 75 Prozent davon aus dem Mangfalltal. In beiden Gegenden gibt es einen Golfplatz. „Der im Mangfalltal liegt allerdings nicht im Wasserschutzgebiet“, betont List. Der Oberauer hingegen komplett. „Bisher war er auf der Naturschutzkarte ein weißer Fleck.“

Golfclub Garmisch-Partenkirchen übermittelt dreimal im Jahr Werte

Niemand wusste so recht, was rund um Gut Buchwies passiert. Damit ist nun Schluss. Der Vertrag beinhaltet eine Dokumentationspflicht für den Golfclub darüber, welche Pflegemaßnahmen unternommen werden. Dreimal im Jahr werden die Werte übermittelt. Als Maßgabe gilt laut List, so viel wie nötig und so wenig wie möglich auszubringen, insgesamt aber noch etwas zu reduzieren. Aus Klub-Sicht sei das gut vertretbar, betont Vize-Präsident Stephan Wulf. „Der Golfplatz ist Teil der Natur, und die wollen wir natürlich erhalten, und wir tun das ja auch bereits.“ Die Qualität leide darunter bisher in keiner Weise. „Wir schaffen es auch so, einen Top-Golfplatz anzubieten.“

Kooperation mit Golfclub Garmisch-Partenkirchen ein großer Gewinn

Die Kooperation mit dem Golfclub Garmisch-Partenkirchen sieht List überaus positiv. „Wir haben hier im Loisachtal das herausragendste Wasser für München“, stellt er klar. An keiner anderen Station seien die Messwerte beispielsweise hinsichtlich des Nitrat-Werts so gut wie im Trinkwasserbecken, das sich eben auch unter dem Oberauer Golfplatz erstreckt. „Und wir wollen das Wasser natürlich auch für die Zukunft so reinhalten, wie es nur geht.“

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Schon seit den 1990er-Jahren sind die Stadtwerke bestrebt, Landwirte zu ökologischem Handeln zu bewegen. Im Mangfalltal seien es bereits 175 Bauern, die in dieser Richtung zertifiziert sind. „Im Loisachtal haben wir hauptsächlich Streuwiesen, die nicht intensiv bewirtschaftet werden.“ Daher gibt es keine Ökobauern. Sie sind aber auch nicht notwendig. Das belegen die Wasserwerte. Eine Kooperation mit dem Golfclub hingegen aber sehr wohl. Denn: „Natürlich ist es nie ideal, wenn der Golfplatz im Trinkwasserbereich liegt.“ Doch macht List eines klar: „Es ist ausgezeichnet, wenn die Zusammenarbeit so gut läuft, wie in diesem Fall.“

An die zwei Jahre haben beide Seiten an dem Vertragswerk gebastelt. Dazwischen kam unter anderem ein Wechsel an der Spitze des Golfclubs. Das Projekt Golf & Natur hatte das Team um Präsident Wolfgang Schübl angestoßen und erste Kontakte zu den Stadtwerken geknüpft. Nun existiert alles schwarz auf weiß. „Und das ist gut so“, sagt List. Auch um das Image von Golfclubs ein wenig aufzupolieren. Die Oberauer Verantwortlichen überlegen nun, ob sie bei Golf & Natur das Silber-Zertifikat anstreben sollten. Damit würde sich sogar die Fördersumme von den Stadtwerken nochmals erhöhen. „Das ist sicher ein Anreiz“, sagt List und lacht.

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