Betrugsopfer: Autohändler Christian Fischer, der zum Glück den Fall aufklären konnte.
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Betrugsopfer: Autohändler Christian Fischer, der zum Glück den Fall aufklären konnte.

Betrug mit falscher Kontonummer

Hackerangriff auf Oberauer Autohaus - doch Geschäftsmann holt sich sein Geld zurück

  • VonAlexander Kraus
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Oberau – Die Ganoven gingen äußerst gerissen vor - und ergaunerten mit einem Online-Betrug 11500 Euro von einem Oberauer Autohändler. Doch dieser holte sich sein Geld zurück - mithilfe eines Bankers.

Verdacht hat Christian Fischer keinen geschöpft, dass an der Rechnung irgendwas nicht in Ordnung sein könnte. Es war ein geschäftlicher Vorgang, wie er ihn viele hundert Mal im Online-Banking schon abgewickelt hat. Der Betreiber eines Oberauer Autohauses überwies 11 500 Euro für einen Wagen an einen langjährigen Geschäftspartner. Nach seinem zweiwöchigen Urlaub dann die böse Überraschung: Das Auto war zwar da, aber die Fahrzeugpapiere waren noch nicht per Post eingetroffen – ein Zeichen, dass der Händler aus Norddeutschland sein Geld nicht erhalten hatte.

Kontonummer des Empfängers geändert

Fischer ging dem Fall nach und musste feststellen, dass sein Rechner gehackt worden war. In der Kundenrechnung war die Kontonummer des Empfängers geändert worden. Die 11 500 Euro waren verschwunden. Dank der raschen Hilfe eines tüchtigen Bankmitarbeiters wurde aber der Fall aufgeklärt. „Ich hab’ mein Geld zurückgekriegt“, atmet der 63-Jährige auf.

So viel ist sicher: Über Wochen haben die Betrüger den E-Mail-Verkehr zwischen Fischer und seinem Partner mitverfolgt. „Die haben auf den passenden Moment gewartet“, vermutet er. Und die Gunst der Stunde nutzten die Hacker dann, als es um die Überweisung des Geldbetrags für das Auto ging. Der Betrag erschien beim Geschäftsfreund nicht auf dem Konto. „Da war mir klar: Ich bin Betrügern aufgesessen“, berichtet der Autohaus-Inhaber. Die Gauner hatten einfach unbemerkt eine andere Kontonummer auf der Rechnung eingetragen.

Fischer nahm sofort Kontakt mit seiner Hausbank auf. Und ein Mitarbeiter versprach, sich darum zu kümmern. Matthias Brandelik betreut Firmenkunden bei der VR-Bank Werdenfels. Große Hoffnung wollte er Fischer nicht machen, als dieser ihm den Fall schilderte. Der Bank-bedienstete erkannte zunächst, dass sich Betrüger ins EDV-System des Oberauers eingeloggt, einen Trojaner platziert hatten, durch den ihnen Zugang gewährt wurde. „Dann haben sie in den E-Mail-Verkehr eingegriffen“, sagt Brandelik. Er nahm Kontakt zur Targobank in Düssendorf auf, wo auf einem Konto das Geld landete.

„Dann haben wir Riesenglück gehabt“, berichtet er. Denn beim Kreditinstitut in Düsseldorf hatten schon andere Banken wegen verdächtiger Entwicklungen angefragt. Auf einem Konto waren stets höhere Beträge eingegangen und schnell abgeräumt worden. Der Verdacht lag nahe: Es handelt sich um um ein Betrugskonto. Brandelik hatte eine heiße Spur.

Student in Düsseldorf festgenommen

Unter einem Vorwand wurde der Kontoinhaber in die Düsseldorfer Bank gelockt und festgenommen. Zumindest erhielt Fischer dann den Geldbetrag schnell wieder zurück und konnte die Überweisung für das Auto tätigen. So weit, so gut, doch Brandelik winkt ab. Erwischt worden war bei dem Betrugsfall nämlich nur ein kleiner Ganove. „Das war ein Student, der Festgenommene ist austauschbar“, ist er sich sicher. „Die Hintermänner, die schlauen Köpfe sitzen im Verborgenen.“ Diese wurden nicht ermittelt und können ihre Betrügereien weiter durchziehen. Brandelik hat von der Targobank erfahren, dass es sich um eine Bande aus Nordafrika handelt.

Der Fall von Fischer zeigt, dass die Betroffenen nicht damit rechnen, zum Opfer von Betrügereien zu werden. „Viele denken, mich trifft’s ja nicht“, weiß Brandelik. Der Firmenkundenbetreuer berichtet von einem Trend: Betrugsversuche nehmen zu. Aktuell wird auf der Startseite der VR-Bank gewarnt vor Cyber-Kriminellen, die den Kunden am Telefon Informationen über Online-Banking, Zugangsdaten, Kreditkartensicherheitscode oder Passwörtern entlocken. „Mit diesen Maschen gelingt es den Betrügern, gefälschte Überweisungen zu tätigen.“

Fischer ist froh, dass die heikle Angelegenheit ein glückliches Ende nach sich zog. Zwei Anliegen hat der Oberauer Geschäftsmann. Zum einen will er durch seine Betrugsgeschichte Gewerbetreibende, Privatleute und auch Mitarbeiter anderer Branchen sensibilieren, beim E-Mail-Verkehr jedem Verdacht nachzugehen und immer wieder zu überprüfen, ob die Kontonummern stimmen. „Man soll hellhörig sein“, fordert Fischer. Darüber hinaus hat er ein ganz dickes Lob an seine Hausbank parat. „In Zeiten, wo Personal abgebaut wird und Filialen geschlossen werden, bin ich sehr froh, dass man sich so um meinen Fall bemüht hat.“ Brandelik winkt wieder ab: „Ich habe nur meinen Job gemacht.“ Aber im speziellen Fall Fischer habe ihn der „persönliche Ehrgeiz“ gepackt und der „Gerechtigkeitssinn“ angetrieben.

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