Die alten und neuen Langmatz-Chefs: Stephan Wulf (2.v.l.) geht in den Ruhestand. Künftig sind (v.l.) Leonhard Reitzner, Dieter Mitterer und Ludwig Fischer für das Unternehmen verantwortlich.
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Die alten und neuen Langmatz-Chefs: Stephan Wulf (2.v.l.) geht in den Ruhestand. Künftig sind (v.l.) Leonhard Reitzner, Dieter Mitterer und Ludwig Fischer für das Unternehmen verantwortlich.

Langjähriger Firmenchef geht in Ruhestand

Langmatz: Stephan Wulf übergibt an neues Führungstrio

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Stabübergabe bei Langmatz: Für die Geschicke des Industriebetriebs mit den Standorten Garmisch-Partenkirchen und Oberau ist ab 2021 ein Führungstrio verantwortlich. Leonhard Reitzner, Ludwig Fischer und Dieter Mitterer wollen den Wachstumskurs des bisherigen Firmenchefs Stephan Wulf – der 61-Jährige geht in den Ruhestand – fortsetzen.

Oberau – Hidden Champions, heimliche Gewinner – so werden in der Wirtschaftswelt die relativ unbekannten Unternehmen genannt, die dennoch in ihrer Branche Spitze sind. Langmatz ist solch ein Kandidat. Denn der Spezialist für Kunststoff- und Metallverarbeitung – das Produktionswerk befindet sich in Oberau, die Verwaltung in Garmisch-Partenkirchen – mischt beim lukrativen Breitbandausbau ganz vorne mit.

Privater Investorenkreis als Eigentümer

Dies beschert der einstigen Eon-Tochter, die mittlerweile einem privaten Investorenkreis gehört, glänzende Zahlen. Eine Erfolgsgeschichte, für die maßgeblich ein Mann verantwortlich ist: Stephan Wulf, der 2007, damals gemeinsam mit Reinhard Kreusel, die Geschäftsführung übernahm. Im Laufe seiner Amtszeit konnte der Ingenieur aus dem Rheinland nach eigenen Angaben den Umsatz von 43 auf mehr als 90 Millionen Euro verdoppeln – eine beachtliche Steigerung, die sich auch in der Mitarbeiterzahl niederschlägt. Langmatz zählt inzwischen 440 Beschäftigte und ist damit einer der größten Arbeitgeber im Landkreis. Das Ganze scheint auch für die Eigentümer der GmbH rentabel zu sein. Man erwirtschafte stabile Gewinne, lässt Wulf durchblicken. Konkrete Zahlen nennt er allerdings nicht. Nur soviel: „Wir sind sehr zufrieden.“

Zum Jahresende übergibt nun der 61-Jährige die Verantwortung an seine Nachfolger und tritt den Ruhestand an. Ab 2021 übernimmt ein Dreierteam die Geschäftsleitung. Neben Leonhard Reitzner, der an der Seite Wulfs bereits seit Ende 2018 als zweiter Geschäftsführer tätig war, rücken Ludwig Fischer und Dieter Mitterer, langjährige Bereichsleiter für Technik und Vertrieb, in die Chefetage auf. Die Personalie wurde im Zuge eines Pressetermins in Oberau bekanntgegeben. Reitzner verspricht sich viel von der neuen Konstellation: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir drei uns perfekt ergänzen werden.“

Er und seine beiden Mitstreiter wollen den Expansionskurs weiter verfolgen – mit dem Breitband-Geschäft als Schwerpunkt, das schon jetzt den Löwenanteil des Umsatzes ausmacht. Dabei haben die Manager die internationalen Märkte – bislang konzentriert sich Langmatz in erster Linie auf Deutschland – und weitere Produkte im Blick. „Wir wollen Komplettanbieter werden“, erklärt Fischer.

Glasfaserausbau als Wachstumsmotor

Der Hintergrund: Im Zuge der Digitalisierung wird der Glasfaserausbau mit Hochdruck und sehr viel Geld vorangetrieben – ein Trend, von dem Langmatz seit Jahren profitiert. Denn die Firma liefert dafür die notwendige Infrastruktur, angefangen bei Verteilereinrichtungen bis hin zu Kabelschächten. Zu den Kunden zählen etwa Telekommunikationsriesen wie die Deutsche Telekom und Vodafone sowie diverse Stadt- und Gemeindewerke. Langmatz stellt aber auch Komponenten für andere Bereiche her, etwa für die Energie- und Verkehrstechnik.

In das Oberauer Werk wird kräftig investiert. Seit Ende 2019 entstehen auf dem rund 50 000 Quadratmeter großen Areal zusätzliche Produktionsflächen und ein Bürotrakt. Kostenpunkt: rund sechs Millionen Euro. Bereits Anfang nächsten Jahres sollen die neuen Gebäude bezogen werden. Den Standort infrage zu stellen, dies kommt für Langmatz offenbar nicht in Frage. „Wir sind auf das Know-how unserer Mitarbeiter angewiesen. Und dieses Know-how haben wir nur hier“, betont Reitzner.

Wulf, der ausscheidende Firmenchef, blickt auf eine spannende Zeit zurück. Diese sei „wie im Flug vergangen“. Besonders beeindruckt habe ihn das hohe Engagement und die Loyalität der Mitarbeiter. Zuletzt musste er die Auswirkungen der Corona-Krise meistern. Im Werk wurden beispielsweise die Abläufe entzerrt, um die Infektionsgefahr zu reduzieren.

Und was fängt der Garmisch-Partenkirchner künftig mit der neu gewonnenen Freizeit an? Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen: Rad fahren, reisen und mehr Golf spielen. Wulf ist ehrgeizig. Er möchte sein Handicap – derzeit 22 – unbedingt verbessern.

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