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Verwaist: Mitfahrbänke gibt es auch im Ortsgebiet von Garmisch-Partenkirchen. Nur selten sind dort potenzielle Fahrgäste zu sehen. 

B2 als Standort zu gefährlich

„Mitfahrbankerl“ in Oberau abgelehnt - Elterninitiative reagiert mit Unverständnis

Aus für das Aufstellen von „Mitfahrbankerln“ in Oberau: Mit knapper Mehrheit hat sich der Gemeinderat gegen die Maßnahme entschieden. Die Elterninitiative Obelin fordert, den Beschluss zu überdenken.

Oberau – In Murnau gibt es sie, in Ohlstadt und auch in Oberammergau – in vielen Orten im Landkreis erfreuen sich so genannte „Mitfahrbankerl“ inzwischen großer Beliebtheit.

Die Idee dahinter: Anstatt den Daumen auszustrecken und in der Kälte oder Nässe zu stehen, setzt sich der Tramper auf ein speziell gekennzeichnetes und mit Richtungsschildern oder Anzeigetafeln versehenes Bänklein und wartet darauf, mitgenommen zu werden. Im Idealfall hält ein Autofahrer an und nimmt den Fahrgast zum Wunschziel mit. Die Vorteile aus Sicht der Befürworter: Das „Mitfahrbankerl“ bietet Mobilität unabhängig vom eigenen Auto, Flexibilität ohne Vorbuchung, ist eine Ergänzung zum bestehenden Öffentlichen Personennahverkehr und reduziert darüber hinaus das Fahrzeugaufkommen.

Falls mehrere Kommunen, die bereits solche Bankerl anbieten, miteinander kooperieren, könnte sich bestensfalls ein regionales Mitfahrnetz als neue Form für Mobilität entwickeln. Doch im Landkreis wird daraus vorerst nichts: Oberau schert aus. Mit acht zu sechs Stimmen hat der Gemeinderat den Antrag der Elterninitiative Obelin, solche Bankerl auch im Ort aufzustellen, abgelehnt.

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„Das ist schon ein bisschen schräg“

Das zentrale Argument der Gegner: Die viel befahrene Bundesstraße B 2 ist – egal, an welcher Stelle – als Standort für solche Bankerl ungeeignet. Viel zu gefährlich – wegen des Verkehrs, aber auch aus Sicherheitsaspekten. „Ein gewisses Restrisiko ist da. Ich möchte nicht dafür aufkommen, wenn jemand Schaden nimmt“, sagte Bernhard Hübner (CSU).

Aus Sicht der Gegner machen Mitfahrbankerl in Oberau gar keinen Sinn: Im Gegensatz zu Orten wie Riegsee, die nur eine Ausfallstraße haben und zwangsläufig auf eine größere Ortschaft ausgerichtet sind, gibt es in der Werdenfels-Gemeinde gleich drei zentrale Richtungen: Murnau, Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau. Ein Standortproblem also, wie es Josef Bobinger (CSU) sieht: „Wegen den Durchfahrtsstraßen liegt Oberau nicht so günstig. Wir können Bankerl auf der B 2 und B 23 nicht aufstellen.“

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Für die SPD und die Freie Wählergemeinschaft Oberau (FWO) hingegen überwiegen eindeutig die Vorteile: So sind Mitfahrbankerl nach Ansicht von Angelika Allinger-Rank (SPD) „eine gute Sache“. Sie ließen sich sehr wohl auch auf den Bundesstraßen aufstellen. Gerade an der B 23 seien sie geeignet, da die Busanbindung nach Oberammergau „nicht optimal“ sei. „Man vertut sich ja nichts.“ Günter Meck (CSU) regte an, es „mal mit einem Bankerl zu probieren“. Er zweifelt allerdings am Erfolg: „Ich bin öfters in Ohlstadt und habe noch nie jemanden auf der Bank sitzen sehen.“

Bei der Elterninitiative herrscht pures Unverständnis über das Votum. „Das ist schon ein bisschen schräg. Hinter den Argumenten ist keine Substanz: Mitfahrbankerl funktionieren in vielen anderen Gemeinden“, ärgert sich Obelin-Vorstand André Fuchs im Gespräch mit dem Tagblatt. „Mitnahmen passieren ja auf Freiwilligenbasis. Wenn da jemand sitzt, den ich nicht mag, muss ich ihn ja auch nicht mitnehmen.“ Er verweist darauf, dass es spezielle Workshops gebe, die über dieses Mitnahmesystem genau informieren. Und Umfragen unter Jugendlichen, die derzeit liefen, zeigten, „dass explizit auch nach Mitfahrbankerln gefragt wird“. Er forderte den Gemeinderat auf, den Beschluss noch einmal zu überdenken: „Standorte kann man sich ja noch aussuchen.“

Rafael Sala

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