Handhabe gegen „Hundetourismus“

Oberau diskutiert Leinenpflicht 

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Kot in den Wiesen, uneinsichtige Herrchen oder wildernde Hunde: Oberaus Jäger und Landwirte haben die Schnauze voll. Sie fordern eine Leinenpflicht.

Oberau– Josef Lohr (Freie Wähler) denkt nur ungern zurück. An das „Blutbad“ Anfang des Jahres. Angerichtet von einem Hund. Vom Besitzer nicht angeleint. „Er hat dem Reh fast den Hax’ ausgerissen“, sagt er.

Der Forstingenieur und Jäger konfrontiert seine Kollegen im Oberauer Gemeinderat ganz bewusst mit diesem Fall. Weil er hinter dem Antrag der Jagdgenossen und Rechtlergemeinschaft steht. Die plädieren für eine Anleinpflicht für Hunde außerhalb der Ortschaft.

Die aktuelle Situation veranlasste die beiden Vorsitzenden Martin Fischer und Ludwig Löcherer dazu, die Gemeinde um Hilfe zu bitten. Immer mehr Hunde seien in und um Oberau unterwegs, die die Jagd erheblich einschränken, schreiben die beiden im Antrag. Dass ein Hund dem Wild nachstellt, komme ebenfalls öfter vor. Probleme entstehen auch für die Landwirte. Sie beklagen, dass trotz Tütenspender und Abfalleimer Gassigeher die gefüllten Beutel in die Felder werfen oder sich gar nicht erst um die Hinterlassenschaften ihrer Tiere scheren. Freilaufende Hunde, die auf Wiesen ihr Geschäft machen, richten erheblichen Schaden an. Denn anders als Gülle oder Mist enthält ihr Kot Parasiten. Für den Hund unbedenklich – für Rinder gefährlich. Sogar lebensbedrohlich. Erst im April ist in Aying (Landkreis München) ein ungeborenes Kalb daran gestorben.

Die Gemeinde nimmt die Sache ernst. Schon im Vorfeld der Sitzung hat man sich bei den Nachbarn in Farchant erkundigt, welchen Nutzen eine Anleinpflicht haben könnte. Dort wurde 2016 eine entsprechende Verordnung erlassen, in Eschenlohe im Herbst dieses Jahres. Das macht sich in Oberau bemerkbar. Einige Hundehalter fahren in die Kommune, um ihre Tiere frei umherlaufen zu lassen. Die Antragsteller nennen es „Hundetourismus“.

Jedes Verbot nur so gut wie Vollzug

Ein Allheilmittel für die Probleme wird die Regelung aber nicht sein. Denn kleine Hunde fallen aus dem Raster. Eine Verordnung würde nur für Kampfhunde und Vierbeiner mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern gelten, stellt Robert Zankel in der Sitzung klar. Ebenso sei es laut dem Geschäftsleitenden Angestellten im Rathaus nicht möglich, die Leinenpflicht flächendeckend für das gesamte Gemeindegebiet zu erlassen. Heißt: Die Kommune muss Flächen auswählen. Zankel jedenfalls sieht das Ganze ein bisschen kritisch. „Es gibt genügend schwarze Schafe, die ihre Hunde in die Wiese koten lassen.“ Er bezweifelt, dass eine drei Meter lange Leine davor schützt.

Ein weiterer Haken: die Kontrolle und Ahndung. Aus Gesprächen mit der Farchanter Verwaltung weiß er, dass diese das kritisch sieht und Schilder anbringen möchte. „Das Problem ist die Überwachung“, betont Zankel. „Jedes Verbot ist nur so gut wie es auch der Vollzug ist.“ Angesichts der fehlenden Flurwächter funktioniere diese nur über Zeugenaussagen. Den Erfolg stellt auch Roland Paschke (CSU) in Frage. „Gibt es einen Fall, dass einer erwischt wurde in Farchant oderEschenlohe?“ Er jedenfalls habe noch nie Polizei gesehen, die ein „Herrchen“ verfolgt.

Eine kleine Chance bewahren

Lohr, der selbst einen Hund besitzt, versteht die Bedenken, will auch nicht alle Besitzer unter Generalverdacht stellen. „Zu 90 Prozent trifft die Leinenpflicht die Falschen.“ Bleiben aber eben 10 Prozent, die falsch handeln. Und die sollen dingfest gemacht werden. Wie? Ihm zufolge müsste der Landwirt bei der Polizei anrufen – und den Übeltäter anschwärzen. Den Rücken stärkt ihn bei seiner Haltung Fraktionskollege Johann Klein. Für ihn gibt es bei diesem Thema nur zwei Möglichkeiten: Nichts dagegen unternehmen oder eine Satzung machen. Mit einer Verordnung, sagt er, hätte die Gemeinde zumindest eine kleine Chance auf eine Handhabe.

Den Schlussstrich der Diskussion zieht in der Sitzung Bürgermeister Peter Imminger (CSU). Mit einem Vorschlag zur Güte. Demnach erkundigt sich die Verwaltung in drei bis vier Gemeinden über deren Regelung und Erfahrungen. Den Antrag zu verschieben, empfinden die Räte an diesem Abend kollektiv als richtige Vorgehensweise. Sobald neue Erkenntnisse vorhanden sind, Dann kommt das Thema Leinenpflicht nochmal auf den Tisch.

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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