Ein Bild der Zerstörung ist die Oberauer Wohnung der Familie Hohlfeld nach dem Brand.

Welle der Solidarität 

Wohnung komplett zerstört: Oberauer Familie verliert bei Brand alles

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Nichts war zu retten. Ein Brand, der am Dienstag im Zeltverleih Oberau ausbrach, zerstörte ihre Wohnung komplett. Vor allem suchen Simone und Torsten Hohlfeld jetzt nach einer dauerhaften Bleibe für sich und ihre beiden Söhne.

Oberau – Ein neuer Morgen. Torsten Hohlfeld macht die Augen auf – und will nur weiterschlafen. Er ist nicht aus einem Albtraum aufgewacht. „Wir laufen jeden Tag in einen hinein.“ Das Elend, ergänzt Ehefrau Simone, geht einfach weiter. Jammern aber, betont sie, hilft nichts. Das bringt ihnen ihr Zuhause, ihre Kleidung, Möbel, Unterlagen oder Erinnerungsstücke nicht zurück.

Gegen 10.30 Uhr am Dienstag klingelt es Sturm. Simone Hohlfeld (40), Krankenschwester am Klinikum in Garmisch-Partenkirchen, öffnet die Haustür. Viel sagt der Mann davor nicht. Nur – sinngemäß: Es brennt, raus hier. Sie sieht nichts, riecht nichts, will eigentlich noch einmal umdrehen, um irgendetwas mitzunehmen. Was, weiß sie selbst nicht so genau. „Du denkst alles auf einmal.“ Aber der Mann lässt keine Widerrede zu.

Mann versucht noch, Dinge aus der Wohnung zu retten

Torsten Hohlfeld (47) sitzt gegen 10.30 Uhr im Büro bei Langmatz, nur etwa 100 Meter von seinem Zuhause entfernt. Ein Kollege schaut aus dem Fenster, sieht eine weißliche Rauchsäule aufsteigen über der gelben Lagerhalle des Zeltverleihs. Im selben Gebäude wohnen seit zehn Jahren Hohlfeld und seine Familie. Der reagiert gelassen. Arbeiten am Dach stehen an. Wird geschweißt, sei so ein Dampf ja nicht ungewöhnlich. Zehn Sekunden später wird der Rauch schwarz, immer dichter, immer höher. Hohlfeld bekommt Panik. Seine Frau! Er rennt nach Hause. Am Dach der Lagerhalle knistert es, Funken fliegen durch die Luft. Seiner Frau ist nichts passiert. Torsten Hohlfeld umarmt sie – und läuft in die Wohnung.

Das Zimmer seines jüngeren Sohnes Justin (15) im ersten Stock ist dem brennenden Dach am nächsten. Ein paar Dinge will er für ihn in Sicherheit bringen. Als er die Tür öffnet, kommt dichter Qualm aus dem Heizungsraum nebenan. Die Matratze zerrt der Familienvater noch in den Gang – damit der Bub zumindest darauf schlafen kann, bis sein Zimmer wieder hergerichtet ist. Da glaubt er noch, es bleibe bei einem kleinen Dachbrand, der sicher gleich gelöscht ist. Plötzlich steht ein Mann vor ihm und zerrt ihn hinaus. Anders als Hohlfeld ist er sich der Gefahr bewusst.

172 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren bekämpfen das Feuer. Davon bekommen die Hohlfelds – Sohn Justin ist noch in der Schule, Robin (19) an seinem Ausbildungsplatz – nichts mit. Sie werden betreut, ein Oberauer stellt spontan seine Ferienwohnung zur Verfügung, Freunde bringen Kleidung vorbei. Am Abend macht sich das Ehepaar ein erstes Bild. Der erste Stock – zerstört. „Nur noch Schwarzkohle“, sagt Simone Hohlfeld. Ein schwarzer Film überzieht jeden Gegenstand in den übrigen Zimmern. „Was Feuer und Löschwasser nicht zerstört haben, hat der Rauch erledigt.“ Asbest nicht zu vergessen.

Bis Donnerstag dachte die Familie, im Erdgeschoss ihrer 130-Quadratmeter-Wohnung können sie sicher vieles retten. Gebrannt hat es dort ja nicht. Dann kam der Gutachter. Sein Ergebnis: Alles ist verseucht. Nichts darf die Familie anfassen, geschweige denn mitnehmen. Alle Erinnerungen – weg.

Söhnen fehlt eine Rückzugsmöglichkeit

Das Banale, Selbstverständliche aber, das vermisst Simone Hohlfeld im Moment am meisten. „Unsere Sachen“ nennt sie es. Die eigene Bettdecke, die eigene Kleidung. Vor ein paar Tagen sagte ihr Mann, er müsse mal raus, joggen gehen, um den Kopf freizubekommen. „Ja, viel Spaß – in der Jeans“, antwortete sie. Galgenhumor. Turnschuhe, Sportklamotten – auch alles verbrannt. Den Söhnen fehlt zudem eine Rückzugsmöglichkeit. Denn die Ferienwohnung ist für den Moment zwar „ein riesengroßes Geschenk“, sagt Torsten Hohlfeld. Aber nur eine Übergangslösung. Es gibt zwei Zimmer, Sohn Robin hatte keinen Platz, er wohnt bei seiner Freundin. Deshalb heißt das oberste Ziel: eine Wohnung zu finden. Und nach und nach alles wieder aufzubauen. Illusionen macht sich Simone Hohlfeld keine. Zwei Jahre, schätzt sie, wird es dauern, „bis wir wieder ein ganz geregeltes Leben führen“. Darauf arbeiten sie hin.

Wurde Opfer des Brands: die Küche.

Immer wieder zeigen sich Menschen dieser Tage von der Stärke der Familie beeindruckt. „Ich würde einfach nur laut schreien“, sagte neulich eine Frau. Eine Möglichkeit – „die mich aber keinen Schritt weiterbringt“, sagt Simone Hohlfeld. Verzweifeln ist keine Option.

Enorm hilft die Solidarität. Freunde und Fremde – so viele helfen. „Das haut einen um. Danke.“ Dieses Wort benutzt der 47-Jährige immer wieder. Er richtet es an die Gemeinde, die Feuerwehren, an Freunde und Fremde, die auf so vielfältige Weise helfen. Auch an seinen Arbeitgeber, wo man sofort eine Spendenaktion gestartet hat. Denn die Hausratversicherung übernimmt nicht den gesamten Schaden, auf einem größeren Betrag bleibt die Familie sitzen. Ohne die Anteilnahme, davon ist Torsten Hohlfeld überzeugt, „würden wir in ein tieferes Loch fallen“. So aber stehen sie jeden Morgen wieder auf. Und stellen sich dem Albtraum.

Wer kann bei der Wohnungssuche helfen?

Die Wohnungssuche steht für Familie Hohlfeld an oberster Stelle. „Erst dann kann es wirklich weitergehen“, sagt Simone Hohlfeld. Vier Zimmer sollte die Wohnung haben. Zudem wäre es perfekt, wenn auch ihre zwölf Hühner und neun Bienenvölker ihren Platz finden könnten. Doch das Ehepaar weiß, dass das der Traumfall wäre. Sie macht gerne Abstriche. Der Markt ist schließlich schwierig, Online-Immobilien-Plattformen geben kaum Angebote her. Ein großer Wunsch wäre zudem, im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu bleiben. Doch haben sie ihre Suche bereits auf die Nachbarlandkreise ausgeweitet. Bislang ohne Erfolg. Wer kann helfen? Alle Angebote und Ideen sammelt die Gemeinde Oberau. Sie nimmt diese unter der Telefonnummer (08824)9 20 00 oder per E-Mail an info@gemeinde-oberau.de entgegen.

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