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Baustelle Kulturpark: Die Umgestaltung des Areals, auf dem noch die Fundamente für das Zeltdach gegossen werden, schlägt in diesem Jahr mit 717 300 Euro zu Buche.

Unumgängliche Projekte 

Oberau muss Kläranlage und Wassernetz sanieren: Gebühren steigen massiv an

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Einen Kredit über knapp vier Millionen Euro muss Oberau in diesem Jahr aufnehmen. Nur so kann die Gemeinde die dringende Sanierung von Kläranlage und Wassernetz stemmen. Die Schulden stottert der Bürger ab – über die Wasser- und Abwassergebühren, die massiv steigen.

Oberau – Es sind gewaltige Projekte, die Oberau allein in diesem Jahr bevorstehen. Projekte, die Millionen verschlingen. Kein Wunder, dass so mancher Gemeinderat gewaltig schluckte, als es darum ging, den Haushalt 2018 zu verabschieden – was letztlich einstimmig geschah.

Besonders die Neuverschuldung – 3,98 Millionen Euro müssen heuer aufgenommen werden – bereitete Angelika Allinger-Rank (SPD) Kopfzerbrechen. Deshalb mahnte sie: „Wir müssen sparsam vorgehen bei unseren Investitionen – und nicht alle Wünsche erfüllen.“ Damit spielte sie vor allem auf die Umgestaltung des Kurparks in einen Kulturpark an, die heuer mit Restkosten in Höhe von 717.300 Euro zu Buche schlägt. „Ursprünglich waren 555.000 Euro veranschlagt“, erinnerte sie sich. Dem steht ein aktueller Gesamtbetrag von 1,09 Millionen Euro gegenüber. „Diese Zahlen hatten wir bislang nicht.“ Nachdem jetzt klar ist, wie teuer das Projekt am Schmiedeweg tatsächlich wird, bat sie dringend, die Ausgaben nicht aus den Augen zu verlieren.

Kosten werden umgelegt

Die Zusammenhänge, die sie hergestellt hatte, rückte Bürgermeister Peter Imminger (CSU) sehr schnell – und vor allem sehr deutlich – zurecht. Denn nicht die Umgestaltung des Parks und auch nicht der Zuschuss für den Vereinsheim-Neubau des FC Oberau in Höhe von 465.600 Euro sind für die neuen Kredite verantwortlich. „Was Du da erzählst, ist ein völliger Irrsinn“, polterte Imminger. Allein an der dringend notwendigen Sanierung der Kläranlage und dem vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim geforderten Austausch der teilweise 80 bis 90 Jahre alten Leitungen liegt es, dass das 3278-Einwohner-Dorf besagte Schulden machen muss. „Und das sind wirtschaftlich gedeckte Ausgaben“, betonte Imminger.

Damit spielte er darauf an, dass die Projekte über Gebühren und somit über die Bürger finanziert werden müssen. Mit der Folge, dass der Wasserpreis erheblich steigen wird. „Wir hätten auch einen Erschließungsbeitrag erheben können“, sagte der Bürgermeister. Allerdings erschien der Gemeinde das Verursacherprinzip gerechter, das heißt, die Kosten werden umgelegt. Somit steigt der Preis für Wasser und Abwasser um 1,23 Euro pro Kubikmeter. Konkret kostet Wasser künftig 2,02 statt bisher 1,68 Euro pro Kubikmeter und Abwasser 2,49 statt 1,59 Euro. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Vier-Personen-Haushalt, der im Schnitt 140 Kubikmeter pro Jahr verbraucht, künftig 651,20 Euro zahlen muss. Bisher waren es 474,26 Euro.

Große Pläne, die der Gemeinde Oberau eine gesunde Infrastruktur sichern

An den Vorhaben führt kein Weg vorbei. „Leider bringt unsere Kläranlage nicht die gewünschten Reinigungsergebnisse, beziehungsweise nur durch sehr hohen Aufwand von Energie und Chemie“, erklärte Kämmerer Stefan Hausenblas. Deshalb läuft die Detailplanung für den kompletten Umbau inklusive neuem Belebungsbecken und Austausch der Technik – für 2,9 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Imminger zufolge jährliche Einsparungen in Höhe von 90.000 Euro allein bei den Betriebs- und Energiekosten, die derzeit etwa 179 .000 Euro ausmachen. „Ein Großteil der eingesetzten Chemikalien ist dann nicht mehr nötig“, sagte Hausenblas.

Ein weiterer großer Brocken in diesem Bereich entfällt mit 1,07 Millionen Euro auf die Wasserversorgung – die ebenfalls kostendeckend funktionieren muss. „Das heißt, der Bürger muss zahlen“, verdeutlichte Imminger. Nachdem sich im Herbst 2017 herausgestellt hatte, dass in Oberau Wasser im Nirwana versickert, war guter Rat teuer. Die maroden Leitungen waren die Ursache dafür, dass das Dorf rund 110.000 Kubikmeter mehr verbraucht hat. „Verbunden mit der Vorgabe das Netz zu sanieren, hat das Wasserwirtschaftsamt Weilheim unsere Fördermenge erhöht – befristet auf vier Jahre“, unterstrich der Bürgermeister. Bisher haben die alten Leitungen niemanden tangiert, „aber jetzt muss es uns interessieren“.

Diese beiden Punkte sieht Imminger als Durchlaufposten an. Die Kommune nimmt das Geld auf, abstottern müssen es – „so ist es gesetzlich geregelt“ – die Bürger. Gleiches gilt für die drei Miethäuser mit Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, die die Gemeinde wohl 2019 bauen will. Auch dafür macht die Kommune Schulden, die jedoch über die Mieteinnahmen gedeckt sind.

Angesichts dessen schlossen sich die Mitglieder des Gemeinderats Hausenblas’ Fazit an. „Oberau hat Großes vor“, sagte er. „Doch all diese Maßnahmen, die ja teilweise unumgänglich sind, sichern der Gemeinde eine gesunde Infrastruktur, schränken aber künftiges Handeln kaum ein.“

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