Explosion? Nordkorea erneut von Erdstößen erschüttert 

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Geschafft: Die Arbeiter von den Vortriebsmannschaften kommen kurz vor 18 Uhr vom „Loch“ zurück ans Tageslicht. Hinter ihnen liegen zwölf Stunden Arbeit.

Ein Besuch auf der Baustelle

Oberauer Tunnel: Leben und arbeiten „am Loch“

Der Durchbruch ist bei jedem Tunnelprojekt ein Höhepunkt: In Oberau gibt es wohl schon früher als erwartet, im Oktober, Grund zu feiern. Weil die Männer im und am Berg alles für das 204-Millionen-Euro-Projekt geben.

Einfache „Bude“: Paul Emonts-Pohl, der in Konstanz studiert, macht gerade ein Praktikum und lebt auf der Baustelle in Oberau.

Oberau – Die Fahrzeuge, die um kurz vor 18 Uhr durch den Matsch fahren, erinnern ein bisschen an einen Kriegseinsatz: Bei den Lastwagen steht auf der Ladefläche ein kleines, in Tarnfarben gehaltenes Häuschen. Da klettern zwar keine Soldaten heraus, die Männer haben trotzdem einen Kampf hinter sich. Gegen Dunkelheit, Lärm, Dreck und schlechte Luft – an einem unwirtlichen Ort unterhalb der Erdoberfläche. Dort waren die Slowaken und Kroaten gerade zwölf Stunden am Schuften. Als ihre Schicht beim Tunnelbau in Oberau zu Ende geht, ist ihre Kleidung, sind ihre schweren Arbeitsschuhe voller Lehm. Erst geht es für sie deshalb in die Gummistiefel-Waschanlage und in die Umkleide, dann zur Kantine, bald darauf ins Bett.

Dass dieses inmitten einer ganzen, mehrgeschossigen Anlage von Container-Unterkünften zwischen dem Oberauer Fußballplatz und der B2 steht, dass es dort vielleicht lauter ist als anderswo, stört nicht. „Nach getaner Arbeit ist einem das egal“, sagt Paul Emonts-Pohl. Hauptsache Schlaf und Erholung.

Der junge Belgier fällt zwischen den kernigen Männern der Vortriebsmannschaft auf. Der angehende Ingenieur absolviert bei dem 94 Mitarbeiter starken Team der Tunnelbauunternehmensgruppe Marti ein sechsmonatiges Praktikum. Für das hat der 22-Jährige seine Studentenunterkunft im schmucken Konstanz gegen ein Containerzimmer getauscht, das aufgrund seiner tristen Schlichtheit eher an eine Gefängniszelle erinnert. „Schon okay“, sagt er und lächelt. Vielleicht weil er weiß, dass es ja kein Dauerzustand ist.

Interner Wettkampf: Die Kroaten „führen“ gegen die Slowaken

Alles im Blick: Bauwart Thomas Zweytik (l.) und Geologe Manuel Egger kontrollieren den Vortrieb für die Autobahndirektion Südbayern.

Bei vielen seiner Kollegen ist das anders. Sie leben und arbeiten für Jahre in Oberau. „Die Gewerblichen“ nennt Marti-Projektkaufmann Roland Hummel die 78 Mitarbeiter, die in der Werkstatt und im Vortrieb eingeteilt sind. 54 Männer malochen im Berg – jeweils zu dritt als fest eingespieltes Team. „Sie bewerben sich schon so“, erklärt Hummel. Weil sich die Männer blind verstehen, mache es auch keinen Sinn, die Trupps – die derzeit immer neun Tage arbeiten und fünf Tage frei haben – zu trennen.  Zumal es ja auch die beiden Länder-Lager gibt, die ein bisschen in Konkurrenz stehen. Momentan „führen“ die Kroaten beim Vortrieb der Weströhre. Die hat schon das Firmengelände von Langmatz passiert. Die Oströhre ist ein bisschen dahinter. Vorwärts geht es dabei, wie Hummel verdeutlicht, auf verschiedenen Ebenen. Stellt man sich eine Tunnelröhre im Querschnitt vor, ist zunächst das obere Drittel, die Kalotte, dran. „Die Strosse wird dann nachgezogen“, sagt Hummel zum Mittelteil. Um den unteren Teil, die Sohle, geht es viel später. Nach dem Durchbruch, dem nächsten wichtigen Termin. Zu dem großen Fest ist bestimmt auch wieder Projektpatin und Ex-Starbiathletin Magdalena Neuner eingeladen.

Wann? „Im Oktober“, ist sich Hummel angesichts des sehr guten Fortschritts sicher. Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern, dem staatlichen Bauherrn, war da bislang immer vorsichtiger mit seinen Prognosen, legte sich lieber mal auf Dezember fest. Doch es läuft gut, besser als von der Behörde erwartet. Geröll und Lockergestein im Gießenbachtal, in dem über den Vortriebsmannschaften gerade mal fünf Meter Erdreich liegen, machen es den Mineuren leichter als gedacht. Alles läuft reibungslos. Meter um Meter können auf der 4,2 Kilometer langen Trasse gemacht werden. Aktuell nähern sich die Mannschaften der 2-Kilometer-Marke.

Behörde will Kosten gering halten

Jeder Schritt, jede Sprengung, jede Baggerladung bedeutet Kosten. Die Rechnungen laufen bei Sekretärin Stephanie Jung, der Hüterin vieler, vieler Leitz-Ordner zusammen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich im rechten der beiden großen, gelben Containerblöcke auf der Baustelle. Dort hat die Autobahndirektion im Erdgeschoss ein kleines Besucherzentrum eingerichtet. Darüber arbeiten die elf Männer und Frauen, die der Marti-Arbeitsgemeinschaft auf die Finger schauen.

Einfache „Bude“: Paul Emonts-Pohl, der in Konstanz studiert, macht gerade ein Praktikum und lebt auf der Baustelle in Oberau.

Die Behörde will die Kosten möglichst gering halten. Die Tunnelbauer, deren Kalkulation eher auf Kante genäht ist, müssen mit Planungsänderungen umgehen und bestmögliche Ergebnisse abliefern. Das so genannte Nachtragsmanagement erinnert an ein Katz-und-Maus-Spiel. Eines, bei dem es um 204 Millionen Euro geht.

Letztlich wollen beide Seiten, dass ein sicherer Tunnel das Dorf vom vielen Verkehr entlastet. Bis es so weit ist, werden noch vier Jahre vergehen. Viele Tage mit langen Zwölf-Stunden-Schichten.

An deren Ende freuen sich die müden Männer vom Vortrieb immer auf ein deftiges Essen. Koch Mesut Önder lädt ihnen an diesem Tag Steaks, Würstl und Kartoffeln auf die Teller. Die kleine Salatbar findet nicht viel Beachtung. Gleiches gilt für den eher schicken, hellen Speisesaal im Stockwerk darüber. Die meisten der 30- bis 50-Jährigen gehen lieber raus zu „ihrem Raum“. In der Schupf können sie rauchen, fernsehen, unter sich sein. Entspannung in Jogginghose beim Feierabendbier. Lang bleibt dort aber keiner. Schließlich geht es bald zurück „ins Loch“.

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