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Sind gegen die Mühlberg-Trasse: (v.l.): Stefan Theelen, Tina Brenner, Andreas Keller, Florian Wolpert, Toni Emert und Jürgen Haase von der Bürgerinitiative „NO B23 NEU“. Sie stehen vor einem Modell Oberaus, das Keller 1985 angefertigt hat, als es um die Untersuchung damaliger Verkehrsströme ging.

Varianten vorgestellt

Ortsumfahrung Oberau: Pro und contra Mühlberg-Trasse

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Bald soll es ernst werden in Sachen „Ortsumfahrung B 23“ : Am Donnerstagabend (30. Januar) informiert das Staatliche Bauamt Weilheim im Kulturpark Oberau über die Variantenentwürfe des Megaprojekts. Befürworter und Gegner stehen bereits in den Startlöchern.

Oberau –Wenn die Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim morgen um 19.30 Uhr mit den Skizzen, Plänen und den Ordnern im Kulturpark an den Tischen sitzen und in die Zuschauerreihen vor sich blicken, dürfte dort die Spannung mit den Händen zu greifen sein. Bei dem millionenschweren Verkehrsprojekt „Verlegung der B 23“ prallen Welten aufeinander: Auf der einen Seite befindet sich die Gruppe derjenigen, die den von Ettal kommenden Verkehr möglichst schnell aus dem Ort heraus haben wollen und den Bau einer Trasse quer durch den Mühlberg hin zur nördlichen Einschleifung in den neuen Tunnel an der B 2 favorisieren; auf der anderen Seite stehen diejenigen, die genau das verhindern wollen, von der Sinnlosigkeit dieser Baumaßnahme überzeugt sind und Naturzerstörungen schwersten Ausmaßes befürchten. 

Ortsumfahrung Oberau: Gegner wollen, dass auch ihre Variante geprüft wird

Viele der Gegner haben sich vor Jahren zur Bürgerinitiative „NO B23 NEU“ zusammengeschlossen. Sie kritisieren, dass ihren Argumenten keine Beachtung geschenkt wird – unter anderem eben genau von den Behördenvertretern aus Weilheim, die morgen Abend im Rampenlicht stehen werden. Es solle auch ihre Variante geprüft werden, fordern die Gegner: eine Einschleifung in den südlichen B 2-Tunnel direkt am Fuß des Ettaler Bergs. Diese Lösung sei mit einem Kostenvolumen von rund 18 Millionen Euro nicht nur deutlich günstiger als die Mühlberg-Variante mit bezifferten 250 Millionen Euro, sondern würde die Verkehrsströme tatsächlich sinnvoll umlenken – ohne Eingriffe in die Natur. Davon sind die Gegner der Mühlberg-Variante überzeugt.

„Leider wird diese Alternative vom Staatlichen Bauamt Weilheim nicht verfolgt“, ärgert sich Andreas Keller, der die Mühlberg-Trasse ablehnt und zahlreiche Untersuchungen – darunter schallschutztechnische Gutachten – zu den zu erwartenden Folgeerscheinungen hat erstellen lassen. Sein Urteil fällt vernichtend aus: „Diese Trasse wird zu einem enormen Flächenverbrauch in bisher unberührter Natur führen. Es wird eine gigantische Lärmabstrahlung über den gesamten Ort geben und neuer, sinnloser Verkehr angezogen“, fürchtet der diplomierte Physiker, der schon vor über 30 Jahren ein Modell Oberaus entworfen hat, als es um die Untersuchung damaliger Verkehrsströme im Zuge des Ausbaus der A 95 ging.

Ortsumfahrung Oberau: Gegner wissen, dass sie schweren Stand haben

„Wir haben viele Fragen“, kündigt auch Stefan Theelen vom Vorstand der Bürgerinitiative an. Zum Beispiel die nach dem Einfluss der Oberauer selbst in dem seit 1987 bestehenden Raumordnungsverfahren. Wie trägt das Bauamt den „berechtigten Einwänden“ der Gemeinde hinsichtlich Kostenschätzungen und Naturzerstörungen Rechnung, will Theelen wissen. Oder welche Statistiken liegen der Behauptung zugrunde, dass die Kehre an der Ettaler Bergstraße ein „Unfallschwerpunkt“ sei und deswegen der Trassenbau genau an dieser Stelle erfolgen müsse? „Ist die Verlegung ein Projekt von lokaler oder eines von überregionaler Bedeutung?“, hinterfragt Tina Brenner vom Vorstand der Bürgerinitiative.

Dass die Gegner einen schweren Stand haben werden, wissen sie: Der gesamte Gemeinderat und Bürgermeister Peter Imminger (CSU) wollen eine Entlastungsstraße. Sie favorisieren die auch vom Staatlichen Bauamt Weilheim bislang verfolgte Lösung: eine Trasse entlang des Mühlbergs über dem Trachtenheim und dem Schwimmbad.

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