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Das ist die aktuelle Planung: Bei Weghaus soll eine Halbanschlussstelle an der A95 entstehen (r.). Die ausgebaute B2 neu im Anschluss an die A95 (grau) zwischen Eschenlohe und Oberau Nord mündet als Tunnel in den Auerberg (l., gelbe Linie).

Vorhaben hat eigentlich keine Priorität im Bundesverkehrswegeplan

Plötzlich gute Chancen für Auerbergtunnel

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Der geplante Auerbergtunnel, ein Mega-Projekt zwischen Eschenlohe und Oberau, besitzt nicht die höchste Priorität – und wird in einigen Jahren vielleicht trotzdem gebaut. Bereits zuvor soll eine Alternativroute zu den maroden Eschenloher Tunneln entstehen.

Eschenlohe – Das Projekt hing an Olympia – und schien mit der gescheiterten bayerischen Bewerbung um die Winterspiele 2018 auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Doch der geplante vierspurige Ausbau der Bundesstraße 2 zwischen dem Nadelöhr Autobahnende Eschenlohe und Oberau, der den 1,9 Kilometer langen Auerbergtunnel beinhaltet, könnte eine rasante Wiederauferstehung feiern. Und das, obwohl das Projekt, das deutlich über 100 Millionen Euro kosten dürfte, sich aktuell nur im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans wiederfindet, also keine Priorität besitzt. Für baureife Vorhaben hält der Bund momentan offenbar Geld in Hülle und Fülle bereit, weil insgesamt wenig Mittel abgerufen werden: „Das ist eine völlig absurde, günstige und ungewöhnliche Situation“, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern, die sich um Planung und Umsetzung des Projekts kümmert, das Stauprobleme beseitigen soll. Er verweist auf eine Zusage von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU): Demnach werde derzeit jedes baureife Vorhaben begonnen, so lange kein anderes aus dem vordringlichen Bedarf anstehe, sagt Seebacher. „Aktuell wird sogar vom Ministerium gefragt: Habt ihr noch etwas?“ Wie lange der Freifahrtsschein gilt, bleibt offen. Niemand weiß, wie sich die Lage künftig darstellt.

Kosten liegen bei über 100 Millionen Euro

Momentan aber sieht Seebacher gute Realisierungs-Chancen. Noch vor der Sommerpause will die Autobahndirektion die Baugenehmigung beantragen, 2018 könnte es grünes Licht geben. Die Umsetzung wird zwei Abschnitte umfassen. Zunächst entstehen Straßen, die eine Schließung der maroden Eschenloher Tunnel auf der B2 erlauben. Erst im nächsten Schritt rückt der vierspurige Ausbau der Bundesstraße samt Auerbergtunnel in den Blickpunkt. „Wir gehen davon aus, dass wir damit richtig starten können, wenn Oberau weitgehend fertig ist“, sagt Seebacher – also wohl 2021. Nach dem Autobahnende soll die vierstreifige B2 neu zwischen Eschenlohe und Oberau Nord zunächst noch auf der heutigen Trasse verlaufen, so lange zwischen Auerberg auf der einen und Loisach sowie Bahnlinie auf der anderen Seite genug Platz bleibt. Sobald’s zu eng wird, mündet die Schnellstraße auf den letzten rund zwei Kilometern vor Oberau in einen zweiröhrigen Tunnel. Bereits vor einigen Jahren waren die Kosten auf rund 100 Millionen Euro geschätzt worden, nun dürften sie deutlich darüber liegen.

Finanziell kaum ins Gewicht fällt der kleinere Bauabschnitt, der auf Betreiben der Gemeinde Eschenlohe an das seit längerem geplante Mega-Projekt angehängt wurde. Er soll zuerst umgesetzt werden, weil die Zeit drängt. Seebacher hält 2019 für realistisch. Dabei geht es darum, eine für das Dorf verträgliche Alternative zu schaffen, bevor die beiden sanierungsbedürftigen, über 80 Jahre alten Eschenloher Tunnel aus Sicherheitsgründen geschlossen werden müssen und sich aller Verkehr, der die A95 nicht benutzen darf, stattdessen durch den Ort wälzt. „Wir hätten Riesen-Probleme, wenn nichts gebaut würde“, betont Bürgermeister Anton Kölbl (CSU). Er holte unter anderem seinen Kollegen Christian Scheuerer (Gemeinde Ohlstadt) ins Boot. Deren Flur wird von den Verkehrs-Plänen tangiert.

Kein erheblicher Eingriff in FFH-Gebiet

Vorgesehen ist eine neue Halbanschlussstelle an die A95 bei Weghaus: Fahrzeuge gelangen von hier lediglich in Richtung Süden auf die A95, und nur wer gen Norden unterwegs ist, kann diese in Weghaus verlassen. Für alle, die keine Autobahn benutzen dürfen, soll zwischen dem Ende der A95 parallel zu dieser eine Straße nach Norden bis zur Anschlussstelle Eschenlohe verlaufen. Kölbl zeigt sich zufrieden mit den Plänen, die auf dem Tisch liegen: „Das ist eine akzeptable Lösung.“

Die Halbanschlussstelle bei Weghaus inmitten eines hochwertigen Schutzgebiets hatte zunächst große Bauchschmerzen in den Behörden ausgelöst. Diese scheinen nun verschwunden. Seebacher erklärt: „Es ist kein erheblicher Eingriff in ein FFH-Gebiet nötig.“

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