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Der Touristikkonzern Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet.

Nach Thomas-Cook-Pleite

Reise nach Mauritius geplatzt - Paar klagt über „erbärmliche Kommunikation“

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Traurig ist das Paar. Und wütend. Die Reise von Antonia Reuthlinger und Christian Hainzinger ist wegen der Pleite von Thomas Cook geplatzt. Ob sie ihr Geld wiedersehen, die beiden wissen es nicht.

Landkreis – Antonia Reuthlinger schaute gern auf ihr Handy. Auf die App von Neckermann-Reisen mit Countdown zum Traumurlaub. Jedes Mal steigerte sich ihre Vorfreude. Seit Donnerstag zählt die App keine Tage mehr runter. „Bitte aktualisieren“ zeigt sie an. Dann erscheint eine kurze Info auf dem Display. Die Hiobsbotschaft, dass der Reiseveranstalter Thomas Cook Deutschland Insolvenz angemeldet hat. Und dass Neckermann-Reisen davon betroffen ist. Die Euphorie der 36-Jährigen – weg. Der Frust – da.

Gemeinsam mit ihrem Mann Christian Hainzinger wollte sie am 8. Oktober verreisen. Drei Wochen lang entspannen. Sonne, Palmen und türkisblaues Meer auf Mauritius genießen. Tauchen gehen. „Es sollte ein Traumurlaub werden“, betont der 37-Jährige. Seit Donnerstag weiß es das Paar, das in Oberau lebt, sicher: Er wird nicht stattfinden. Bis 31. Oktober sind alle gebuchten Reisen von Thomas Cook und den Veranstaltermarken wie Öger Tours und eben Neckermann gestrichen. Ersatzlos. Des einen Leid ist des anderen Freud: der britische Billigflieger Easyjet profitiert von der Pleite von Thomas Cook.

Versicherungssumme von Thomas Cook ist „ein bisschen lächerlich“

Hainzinger findet kaum Worte für das Dilemma. Seine Arbeitskollegen haben ihn am Freitag heimgeschickt – seiner miesen Laune wegen. Seit einem Jahr planen die beiden die Reise. Heuer sollte es in die weite Ferne gehen, weil Reuthlinger 2020 bei den Passionsspielen mitwirkt und eine Auszeit nicht möglich ist. Deshalb wollten sie sich einen längeren und teureren Urlaub als sonst gönnen. „Das zahlt man nicht aus der Portokasse.“ Die bereits entrichteten Kosten liegen im mittleren vierstelligen Bereich. Wie viel das Paar zurückerstattet bekommt? Unsicher. Der einzige Hoffnungsschimmer: Bei Pauschalreisen greift die Versicherung. Doch die gesamte Summe von Thomas Cook liegt in Deutschland bei 110 Millionen Euro. „Das ist ein bisschen lächerlich“, sagt Hainzinger angesichts der Massen an Betroffenen. Er rechnet deshalb mit maximal 25 Prozent der Kosten.

Lesen Sie auch: Thomas-Cook-Pleite: Dramatische Szenen - Hotel hindert Gäste an Abreise

Von der Pleite des Touristikkonzerns hörte Hainzinger in der Tagesschau. Nicht etwa von Neckermann-Reisen. Dessen Homepage ist abgeschaltet, nur die Kernnachricht erscheint noch. Ähnliches Spiel bei der Service-Hotline. „Man bekommt null Infos“, sagt er verärgert. „Die Kommunikation ist äußerst erbärmlich.“ Neuigkeiten erfährt er ausschließlich aus den Medien. Deshalb wurschtelt sich der 37-Jährige selbst durch, erkundigt sich über Rechtliches. Bis drei Uhr in der Früh hat er den Schadensantrag geschrieben. Einen Fachanwalt für Insolvenz beauftragt er noch. Eine E-Mail von Neckermann-Reisen erhielt Hainzinger aber am Mittwoch: mit den Reiseunterlagen für Mauritius.

Mehr zur Insolvenz von Thomas Cook:  

Nach der Insolvenz von Thomas Cook hat jetzt das nächste Reiseunternehmen Konkurs gemeldet. Hotels in der Karibik erpressen Gäste: „Sie zahlen aus Angst“

Nach Thomas-Cook-Pleite:

Mexiko-Reise wird für Ehepaar zum Horror-Trip

 

Thomas Cook ist pleite. Was Urlauber jetzt machen können, erfahren Sie hier.

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