+
Der Tunnel nimmt Gestalt an: Der Unternehmerverein besichtigt die West- und Oströh re. 

Ohne Gummistiefel geht noch nichts

Tunnel Oberau: Arbeiten im Zeitplan, aber das Wasser macht zu schaffen

Der Zeitplan war immer ehrgeizig. Doch die Arbeiter scheinen ihn nach wie vor einzuhalten. In zwei Wochen soll der Oberauer Tunnel endgültig ausgehöhlt sein. Noch aber kämpfen die Arbeiter gegen Wasser. Sorgen bereiten auch die Kosten bei der Materialentsorgung.

Oberau – 2021 wird wohl ein Festjahr für Oberau. Dann wird der Verkehr zwischen Norden und Süden durch den Magdalena-Tunnel geleitet – und damit an dem staugeplagten Ort vorbei. Der aktuelle Zeitplan stimmt zuversichtlich: In zwei Wochen werden die Tunnel-Arbeiter voraussichtlich das letzte Gestein aus der Sohle im Osttunnel ausgefräst haben. Von den Fortschritten überzeugte sich nun auch der Unternehmerverein Garmisch-Partenkirchen.

Während im Tunnel gearbeitet wird, sitzen die Mitglieder im Besucherzentrum und schauen den Image-Film an, den das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Bauherr des 228 Millionen Euro teuren Projekts, in Auftrag gegeben hat. Unzählige Führungen wurden seit dem Spatenstich am 1. September 2015 angeboten. Eine Attraktion ist der Tunnel geworden. Nicht nur für Laien.

Gerne den Ruhestand verschoben

Seit zwei Wochen verantwortet Erwin Brock die Bauüberwachung. Eigentlich ist der Österreicher schon im Ruhestand. Doch der Oberauer Tunnel übt auch auf Experten wie ihn eine besondere Faszination aus, weshalb er diese Aufgabe nur zu gerne übernommen hat. In den beiden Röhren geht es gut voran, verkündete der Oberbauleiter nun. Zu kämpfen haben die Tunnel-Arbeiter jedoch nach wie vor mit eindringendem Wasser auf Höhe des Gießenbachtals. „Sie brauchen auf jeden Fall noch die Gummistiefel“, sagt Brock. Bekanntlich liegen über dem Tunnel dort nur gerade einmal acht Meter wasserdurchlässiges Lockergestein. Dieser Schotter sorgt seit dem Vortrieb für „erschwerte Bedingungen“. Bei Starkregen „steigt der Grundwasserspiegel sprunghaft bis auf fünf Meter und zum Teil über die Ausbruchssohle“.

Auch die Abfuhr des belasteten Materials macht zu schaffen. Es handle sich dabei zwar um eine natürliche Belastung. Allerdings muss das Gestein säuberlich getrennt und gelagert werden. Im Labor werden Proben davon untersucht. Je nach Befund kommt der tonnenschwere Ausbruch zu Deponien nach Spatzenhausen, nach Waldberg oder ins tirolerische Zirl. „Das alles ist sehr, sehr teuer.“ Eine genau Summe nennt Brock nicht. Im Raum steht allerdings ein beachtlicher Millionenbetrag.

Zwei schwere Unfälle während der Bauzeit

Die Stimmung trübt das nicht bei der Besichtigung des Unternehmervereins. „Das sieht ja schon richtig wie ein Tunnel aus“, sagt Vorsitzender Sebastian Kramer nach den ersten Metern. Die Wände in der drei Kilometer langen Weströhre sind bereits auf 1300 Metern Länge betoniert. Fünf Wagen auf Schienen sind im Einsatz. Zwei Schal-, zwei Bewehrungswagen und einer für Isolierung und Material.

Die Arbeitsbedingungen im Tunnel sind schwierig. Zwei Unfälle sind seit dem Spatenstich zu beklagen. Einem Vortrieb-Arbeiter fuhr ein Bagger über den Fuß. Der Vorderfuß musste ihm abgenommen werden. Bei einem anderen löste sich frischer Spritzbeton und stürzte auf ihn herab. „Er war ein halbes Jahr im Krankenhaus“, sagt Brock. Er klopft auf Holz – damit nicht noch mehr Unfälle passieren. Und die Schutzpatronin, die Heilige Barbara, ein Auge auf die Arbeiter hat.

Zu einem tragischen Unfall kam es im Oberauer Tunnel nun bei Reinigungsarbeiten. 

Josef Hornsteiner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Biologische Station am Murnauer Moos: Anlaufstelle für Naturliebhaber
Das Murnauer Moos ist mit seiner unglaublich vielfältigen Flora und Fauna einmalig in Mitteleuropa. Eine Biologische Station, die jetzt am Freitag feierlich eröffnet …
Neue Biologische Station am Murnauer Moos: Anlaufstelle für Naturliebhaber
TÜV- und Waschhalle statt Schwarzbau? In Kürze könnte sich was tun in der heiklen Causa
Es ist eine fast unendliche Geschichte: Seit rund sieben Jahren wissen die Behörden vom Schwarzbau des Ohlstädter BVO-Gemeinderats Simon Sagmeister. Doch das Gebäude am …
TÜV- und Waschhalle statt Schwarzbau? In Kürze könnte sich was tun in der heiklen Causa
„Einstieg in die Öko-Diktatur“
Dem Wallgauer Bürgermeister schwant Übles: „Der Managementplan ist zutiefst undemokratisch. Das ist der Einstieg in eine Ökodiktatur.“ Damit gießt Hansjörg Zahler (CSU) …
„Einstieg in die Öko-Diktatur“
Finzfurt – Gemeinderat Wallgau winkt ab
Der Posthalter-Hans kann die Haltung der hiesigen Volksvertreter nicht nachvollziehen. Diese haben einhellig beschlossen, den Bau eines Übergangs an der Finz nicht beim …
Finzfurt – Gemeinderat Wallgau winkt ab

Kommentare