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Ein Bild von den Arbeiten machten sich (v. l.) Landrat Anton Speer, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Landtagsabgeordneter Harald Kühn im Juni.

Vor diesen Herausforderungen stehen die Arbeiter

Tunnel Oberau: Bald wird’s richtig spannend

Oberau - Der 4. Dezember ist Tunnelarbeitern heilig. An diesem Sonntag feiern sie ihre Schutzpatronin Barbara. Die Baustelle der Umfahrung Oberau ruht. Eine Ausnahme. Ansonsten werkeln die Teams Tag und Nacht – in einem schwierigen Bereich. Und die kritische Phase steht kurz bevor. Ebenso wie eine Filmpremiere.

200 Millionen Euro soll der Tunnel Oberau kosten. 200 Millionen Euro Steuergelder, jeder Cent vom Bürger bezahlt. Genau denken die Verantwortlichen der Autobahndirektion Südbayern daher über zusätzliche Ausgaben nach. Auch über 50 000 Euro. Am Ende aber kamen sie zum Schluss: Diese Summe ist gut investiert. „Wir wollten was Gescheites“, sagt Sprecher Josef Seebacher, kein verwackeltes Handy-Filmchen. So entstand ein professionelles Video, das die Arbeiten am und im Tunnel begleitet und erklärt. Am kommenden Freitag feiert der Zwölf-Minuten-Film Premiere. Danach wird er im Besucherzentrum an der Baustelle gezeigt, in dem auch Mitarbeiter über das Projekt informieren. Darüber hinaus will die Autobahndirektion in den nächsten zwei Wochen Bürgern die Möglichkeit bieten, sich online für Führungen anzumelden.

Die Behörde möchte die Menschen mitnehmen bei diesem Großprojekt, das die Region seit so vielen Jahren beschäftigt und noch einige Jahre beschäftigen wird. Planmäßig wird die Umfahrung 2021 eröffnet – sofern es keine größeren Probleme gibt. Besonders spannend wird es in den nächsten Monaten.

Arbeiten am Gießenbachtal seit gut zwei Wochen

Von Anfang an haben die Verantwortlichen das Gießenbachtal als Herausforderung beschrieben. Aufgrund des überwiegend lockeren Materials wird sich der Boden senken. Um die Firmen und Häuser oberhalb des künftigen Tunnels zu schützen, werden diese über Zement-Injektionen in ein unterirdisch geschaffenes Rohr-System angehoben. Erste Probepressungen starteten schon im Sommer, alles lief einwandfrei. Ernst wird es im Frühjahr 2017. Im April oder Mai erreichen die Arbeiter eine Halle der Firma Langmatz. Bereits kurz zuvor graben sie unter einem Privathaus durch. Mit dem Besitzer aber hat die Autobahndirektion eine andere, laut Seebacher sehr vernünftige Lösung gefunden: Der Wert des Hauses und die Kosten für unterirdische Injektionen standen offenbar in keinem Verhältnis. „Wir haben das Haus abgelöst.“ Der Besitzer, dessen Kooperationsbereitschaft Seebacher ausdrücklich lobt, müsse auch keine Angst haben, dass sein Gebäude einstürzt. „Im schlimmsten Fall entstehen Risse.“ Diese würde der Oberauer selbst ausbessern.

Bagger stoßen an Leistungsgrenze

Vor gut zwei Wochen erreichten die Arbeiter das Gießenbachtal. Rund 1600 Meter misst die Weströhre an ihrer längsten Stelle, die Oströhre etwa 100 Meter weniger. Haben die drei Teams – sie arbeiten in zwei Schichten, eine Mannschaft ist immer zu Hause – vor dem sensiblen Bereich etwa zehn Meter am Tag geschafft, liegen sie nun bei etwa zwei Metern. Eine gute Nachricht. Denn vor kurzen kamen sie täglich nur zwischen einem und 1,20 Meter voran. Mittlerweile haben sie die Bauweise optimiert. Mit zwei Meter läge man im Plan.

Sprengungen gibt es im Gießenbachtal keine, stattdessen kommen in dem Schotter Bagger zum Einsatz. Sie schaufeln an ihrer Leistungsgrenze. Immer wieder geht einer kaputt. Um die Geräte sofort reparieren zu können, haben die Verantwortlichen eine Werkstatt eingerichtet. „Jeder Stillstand beim Tunnelbau ist ein Problem“, sagt Seebacher. Und jeder Stillstand kostet Geld, Steuergeld. Auch deshalb will die Autobahndirektion unbedingt am Zeitplan festhalten: Im Frühjahr 2018 sollen die Tunnelarbeiter das Gießenbachtal hinter sich lassen. Danach trennt sie nur noch der Kirchbichl vom Durchbruch im Süden. Und der aufwendige Innenausbau kann starten.

Informationen und Videos

Den Trailer zum Film sowie weitere Videos sind unter https://vimeo.com/abdsb zu sehen. Weitere Infos gibt es unter www.abdsb.bayern.de. Wer bei der Filmpremiere am Freitag, 9. Dezember, um 18 Uhr im Konferenzsaal der Autobahndirektion dabei sein möchte, meldet sich bei Josef Seebacher unter Tel. 089/95 45 52-308 an.

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