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Gut 100 Sprenglöcher sind nötig, um drei Meter Fels unter dem Kirchbichl zu lockern. Für Fachbesucher bietet die Autobahndirektion Besichtigungen der Tunnel-Baustelle an.

Besuch auf der Baustelle 

Tunnel Oberau: Das Bier zum Durchbruch zahlt Dobrindt

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Gut 220 Meter haben die Arbeiter noch vor sich, dann erfolgt der Durchbruch. Bei der Weströhre, der Verbindung Richtung Garmisch-Partenkirchen, ist’s Ende November soweit. Ihr Pendant erreicht Anfang Januar das künftige Südportal. Die Kosten für die Umfahrung Oberau sind derweil von 204 auf 228 Millionen Euro gestiegen.

Oberau – Beißend, extrem stechend und vor allem noch immer sehr intensiv. Der Geruch, der Besuchern im Oberauer Tunnel entgegenschlägt, ist äußerst unangenehm. In der künftigen Ortsumfahrung riecht’s wie in einem Stall mit intensiver Tierhaltung: Ammoniak halt. Und das liegt am Sprengstoff. 2,3 Tonnen davon werden momentan täglich gezündet. Das Gemisch, das hier zum Einsatz kommt, basiert auf Ammoniumnitrat. Nachdem es auch etwa dreieinhalb Stunden nach der letzten Sprengung noch unglaublich stark danach stinkt, wird deutlich, wie wichtig die sofortige Belüftung nach jeder Explosion ist.

Zehn Meter dringen die Arbeiter auf diese Weise jeden Tag weiter durch den Kirchbichl – bis zum Durchbruch stehen ihnen in der Weströhre, der Richtung Garmisch-Partenkirchen, noch gut 220 Meter bevor. Spätestens „Ende November“ erwartet Stephan Geuder, zuständiger Projektleiter der Autobahndirektion Südbayern, diesen historischen Moment. Einen, den die Beteiligten selbstredend ordentlich feiern. „Das Bier zahlt Alexander Dobrindt“, sagt Geuder und lacht. Das Versprechen des früheren Bundesverkehrsministers (CSU), der sich regelmäßig ein Bild vom Fortschritt macht, steht.

Zehn Tage Arbeit, fünf Tage frei

Alle, die seit September 2015 dafür sorgen, dass die beiden etwa drei Kilometer langen Röhren entstehen, haben diese Anerkennung redlich verdient. Es ist enorm, was die Arbeiter leisten. Stillstand gibt’s nicht bei diesem Großprojekt. Sieben Tage die Woche, rund um die Uhr, wird hier in drei Schichten mit jeweils gut 30 Mann gewerkelt – eine davon tagsüber, die andere nachts, die dritte hat Pause. „Die Leute arbeiten zehn Tage durch, dann gibt’s fünf Tage frei“, erklärt Geuder das Konzept.

Die größte Herausforderung, die Unterquerung des Gießenbachtals, hat die Mannschaft bereits gemeistert. Nachdem über diesen gut 700 Metern etliche Gebäude stehen, war Fingerspitzengefühl gefragt. Ein bis zwei Meter ging’s in diesem sensiblen Bereich vorwärts. Zentimeter für Zentimeter musste sich der Baggerführer mit der Schaufel vortasten, um das Lockergestein abzutragen. Und dann war das Ganze auch noch 30 Meter länger als gedacht.

Deshalb sind die Kosten angestiegen

Bereit für den Innenausbau der Röhren: der zehn Meter lange Gewölbeschalwagen am künftigen Nordportal.

Nicht daran liegt’s aber, dass die Kosten für die Umfahrung, für die ursprünglich 204 Millionen Euro kalkuliert waren, mittlerweile bei 228 Millionen Euro liegen. Diese Steigerung ergibt sich Geuder zufolge im Wesentlichen daraus, „dass die Entsorgung des mit natürlichem Thallium belasteten Felsgesteins, das aus dem Mühlberg ausgebrochen wurde, rund 20 Millionen Euro kostet“. Außerdem sind die Arbeiter im Bereich des künftigen Südportals, das zwischen Oberau und Farchant schon deutlich zu erkennen ist, auf „eine vorab nicht bekannte, ,wilde‘ Mülldeponie“ gestoßen. Diese fachgerecht zu beseitigen, schlage mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche. Aktuell wird das Areal, auf dem die Anschlussstelle an die B 2 vorgesehen ist, mit so genannten Rüttelstopfsäulen tragfest gemacht.

Die Arbeiter im Berg tangiert das wenig. In exakt berechneten Abständen setzt einer von ihnen Löcher an der mit Spritzbeton gesicherten Ortsbrust. Rund 100 sind nötig, um weitere drei Meter unter dem Kirchbichl vorzudringen und 500 Tonnen Fels auszubrechen. „Hier können wir einen Vollausbruch, das heißt Kalotte und Strosse zeitgleich, machen“, sagt Geuder. Die Löcher werden dann mit Zündern versehen und anschließend mit Flüssig-Sprengstoff bestückt, der erst vor Ort gemischt wird. „Die Verkabelung ist so angeordnet, dass die einzelnen Stufen im Millisekunden-Takt gezündet werden“, erklärt Geuder. „In der ersten Stufe erfolgt der Einbruch in der Mitte und dann die Sprengung der einzelnen Sektoren außenrum.“ Das Ganze werde elektrisch gestartet. Mit diesem Vorgang geht einher, dass wieder ein beißender Ammoniak-Gestank die Röhren durchzieht. Deshalb und wegen des Sprengstaubs muss der Tunnel sofort danach belüftet werden. Bis Ende November dauert’s noch in der Verbindung nach Garmisch-Partenkirchen. In der Gegenrichtung, die rund 300 Meter weiter zurückliegt, erfolgt der Durchbruch Anfang Januar.

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