Sprengmeister in Aktion: Mit Hilfe seines Vaters Alexander Dobrindt (M.) dreht Emmeran (5) zur Freude von Ilse Aigner und Landtagsabgeordnetem Harald Kühn die Kurbel, um die Detonation im Tunnel-Querschlag auszulösen.

Dobrindts Durchbruch

Oberau feiert sein „Loch“

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Der tatsächliche Durchschlag erfolgte schon vor einer Woche. Aus Sicherheitsgründen ohne Öffentlichkeit. Gefeiert wurde dieser Meilenstein jetzt mit einem symbolischen Durchbruch. Gut 500 Gäste, darunter zahlreiche Oberauer, nutzten die Chance, erste Schritte in der künftigen Umfahrung zu machen.

Oberau– Der Rauch, der durchdringende Geruch und der große Bagger – all das hat den fünfjährigen Emmeran wieder versöhnt. Ein bisschen zumindest. Denn eigentlich hat er sich den symbolischen Durchschlag der Weströhre des Oberauer Tunnels etwas spektakulärer vorgestellt. „Er hat mit einem richtigen Wumms gerechnet“, erzählt sein Vater Alexander Dobrindt und lacht. Deshalb ist der Bub auch perfekt ausgerüstet am Südportal der künftigen Ortsumfahrung erschienen – mit weißem Helm und neongrünen Ohrenschützern. Für den Rumpler, der unter der Fanfare der Blaskappelle weitgehend untergeht, hätte es diese Ausrüstung nicht gebraucht. Gut, dass die Folgen der symbolischen Sprengung – Rauch und Gestank – denen einer richtigen gleichen, und der einigermaßen zufriedengestellte Bub dann an der Hand seines Papas in den Tunnel marschiert.

Gut 500 Festgäste nutzen am Samstag die Gelegenheit, ins Innere des Kirchbichls vorzudringen. „So etwas muss man doch miterleben“, sagt Michaela Weißfuß. Die Oberauerin gehört zu denen, die in den vergangenen Jahren immer mitdemonstriert hat, um ihren Heimatort endlich vom Durchgangsverkehr zu befreien. „Unser Glück war, dass Alexander Dobrindt auch immer dahinter war“, meint sie. „Das muss man ihm hoch anrechnen.“

Für den früheren Bundesverkehrsminister, der jetzt Chef der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag ist, eine Selbstverständlichkeit. Durch die Projekte, die der Peißenberger in seinem Wahlkreis vorangetrieben hat, seien Versäumnisse der vergangenen Jahre nachgeholt worden. „Das war keine Bevorzugung.“ Seit er 2002 in den Bundestag gewählt wurde, machte er sich dafür stark. Als Minister vermochte er in den vergangenen vier Jahren noch mehr Einfluss zu nehmen. Bezeichnend, dass seine erste und seine letzte Amtshandlung dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen zugutekamen. Kurz vor der Bundestagswahl im September, erteilte er noch die Finanzierungsfreigabe für den Kramertunnel, der den Ortsteil Garmisch entlasten soll. „Die Umfahrung Oberau war meine erste Entscheidung als Minister“, erinnert er sich. Mit Blick auf die Baustelle und die strahlenden Gesichter der zahlreichen Oberauer steht für ihn fest, „dass ich alles richtig gemacht habe“.

Ilse Aigner macht spontanen Abstecher

100 Liter Ettaler Bier hat er für die Arbeiter mitgebracht und damit sein Versprechen eingelöst. Trinken können es die Männer und Frauen bei der Durchschlag-Feier allerdings nicht, sie kommen erst bei der Barbarafeier, am 4. Dezember, dem Namenstag der Schutzpatronin der Bergleute, in den Genuss. Während Bürger und Ehrengäste, darunter auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), die beim Vorbeifahren das Fest entdeckt und gleich angehalten hat, vor dem Südportal ausgelassen feiern, müssen die Mineure die Oströhre weiter vorantreiben. „Rund 200 Meter fehlen da noch bis zum Durchbruch“, sagt Stephan Geuder, zuständiger Projektleiter der Autobahndirektion Südbayern. „Das schaffen wir noch vor Weihnachten.“

Geht es nach Josef Bobinger, Vorsitzender der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau, wird die letzte Sprengladung am 21. Dezember gezündet. „Dann könnten wir den Startschuss für die neue Seilbahn Zugspitze geben“, erklärt er augenzwinkernd mit Blick auf die Einweihung der Anlage. Auf ein genaues Datum will sich der Projektleiter aber nicht festlegen. Er und auch das Team der Firma Marti sind vor allem froh, dass der Durchbruch geschafft ist. Und das ohne böse Überraschungen. „Über dem Kirchbichl gibt’s auch Hangquellen“, unterstreicht Bürgermeister Peter Imminger (CSU). Vor Problemen wie am Kramertunnel blieb die 4,2 Kilometer lange Oberauer Umfahrung aber verschont. Zu seiner Erleichterung: „Jetzt wissen wir, dass alles passt.“

Letztlich hat auch beim Fest am Südportal alles gepasst. Und Emmeran Dobrindt strahlt bis über beide Ohren. Er darf nämlich doch noch eine Sprengung auslösen. Vor dem entscheidenden Knopfdruck, um den Tunnel-Querschlag durchzubrechen, dreht der Fünfjährige mit Hilfe seines Vaters eifrig die Kurbel. Dann folgt der Wumms. Ein ordentlicher, ein lautstarker. Einer, den die vielen Kinder einhellig mit „cool“ kommentieren.

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